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Hirsch gehörte zum Ort: Der Sägewerker ist tot

Zuhause in... Hirsch gehörte zum Ort: Der Sägewerker ist tot

Er war Ehrenbürger von Seelensdorf (Havelsee). Keine Büchse durfte auf den kapitalen Rothirsch angelegt werden. Nun jedoch ist der „Sägewerker“, wie das Tier genannt wurde, tot. Der ganze Ort trauert. Seine imposanten Geweihe werden noch einmal auf der Trophäenschau am 11. September zu sehen sein.

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Abwurfstangen des Sägewerkers.

Quelle: Domstiftsforstamt

Seelensdorf. Er war ein Ausnahmehirsch. 13 Jahre hat er die Seelensdorfer begleitet, zog auf seinen Nachtwanderungen an den wenigen Häusern vorbei. Selbst am Tage traute er sich auf die Straße. Naschte hier von einem Apfelbaum, knabberte dort an einer jungen Eiche, schnupperte auch an der druckfrischen MAZ im Briefkasten des Forsthauses. Er war Seelensdorfer Ehrenbürger und unantastbar wie eine Kuh auf einer indischen Straßenkreuzung.

Wehe ein Jäger hätte ihm etwas zuleide getan. Keine Büchse durfte auf das imposante Tier angelegt werden. Jetzt ist der Sägewerker tot. Er starb eines natürlichen Todes. 20 Jahre sind ein schönes Alter für einen Rothirsch. Sägewerker wurde er genannt, weil er 2003 am helllichten Tage völlig unvermittelt am Sägewerk auftauchte und den Arbeitern die Spucke weg blieb. Immerhin ist die Rede von einem kapitalen Hirsch, der es in seiner besten Zeit zu einem Vierzehnender schaffte.

„In 13 Jahren hinterließ der Sägewerker 26 Abwurfstangen, von denen 24 rund um Seelensdorf gefunden wurden. Nur zwei fehlen“, berichtet Domstiftsforstmeister Friedrich Hinz. Die Geweihe des Sägewerkers werden der Öffentlichkeit zur traditionellen Trophäenschau am 11. September präsentiert. Was ebenfalls bleibt ist der präparierte Kopf des Hirsches, der künftig den Seelensdorfer Gemeindesaal schmücken soll.

Der Sägewerker stand beispielhaft für die starke Rotwildpopulation im Dreieck zwischen Rathenow, Nauen und Brandenburg. Über 40 000 Hektar erstreckt sich die Hegegemeinschaft „Westhavelland“ zu der 65 Jagdbezirke gehören. Hauptbrunftplatz des Rotwildes ist das Naturschutzgebiet der Pritzerber Laake nicht weit von Seelensdorf entfernt. Nach dem Krieg war der Bestand fast ausgerottet. Wilderer und die Rote Armee hatten das Rotwild zusammengeschossen. Nur langsam erholte sich die Tierwelt. Inzwischen liegen über 50 Jahre hegerischer Tätigkeit im Einstandsgebiet hinter der Hegegemeinschaft. Mit Erfolg. Domstiftsforstmeister Hinz: „Einen neuen Sägewerker wird es aber so schnell nicht wieder geben. Er fehlt uns.“

Von Frank Bürstenbinder

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