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Homosexuelle Armenier fürchten Abschiebung

Brandenburg an der Havel Homosexuelle Armenier fürchten Abschiebung

Arab Davidson (*Name geändert) blieb nur eine Chance, um glücklich zu werden: Er musste sein Heimatland Armenien verlassen. Dort wurde er aufgrund seiner Homosexualität gemobbt und verstoßen. In Russland lernte er die Liebe seines Lebens kennen und flüchtete mit ihm in die Havelstadt. Nun hoffen die beiden, hier ein sicheres Leben aufbauen zu können.

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Teilnehmer der Gay-Pride-Parade am 11. Juni ziehen durch die Stadt Brandenburg.

Quelle: Reiner Ring

Brandenburg/H. In seinem Heimatland wurde Arab Davidson (*Name geändert) nur noch Hass und Verabscheuung entgegengebracht. Auch von seiner Familie. Deshalb musste der heutige 31-Jährige Armenien verlassen, um glücklich zu werden.

Im November 2015 kam er nach einer längeren Flucht in die Havelstadt. Zu diesem Zeitpunkt lagen aufgrund seiner sexuellen Orientierung bereits mehrere Jahre psychischer und physischer Gewalt hinter ihm. In Jerewan, der Hauptstadt von Armenien, konnte er nicht mehr frei leben, wie er sagt – auch seine Eltern und Verwandten verstießen ihn aufgrund seiner Homosexualität. Heute, knapp zwei Jahre später, hat er noch immer Angst, dorthin zurückkehren zu müssen. Noch wurde nicht entschieden, ob er bleiben darf. Seinen richtigen Namen zu nennen wäre eine zu große Gefahr für ihn, erzählt er, auch aufgrund von Intoleranz, die ihm von anderen armenischen Flüchtlingen in der Havelstadt entgegengebracht wird.

Hass und Gewalt bestimmen den Alltag

In Jerewan musste Arab wöchentlich den Job wechseln, weil er von Arbeitskollegen angefeindet wurde und Chefs ihm kündigten. Als die Situation psychisch nicht mehr tragbar war, flüchtete er nach Brüssel – doch auch dort erfuhr er keine Toleranz. Sein einziger Halt war sein Beruf: Friseur. In Brüssel absolvierte er eine Weiterbildung als Stylist, doch ein Bleiberecht erhielt er dort nicht.

Schließlich flüchtete er nach Moskau, wo er seinen jetzigen Freund, einen gebürtigen Sankt Petersburger, kennenlernte. Sie wurden ein Paar, doch Hass und Gewalt bestimmte aufgrund ihrer Homosexualität weiterhin den Alltag. Ein traumatisierendes Erlebnis passierte eines Nachts, als die beiden im Auto angehalten und brutal zusammengeschlagen wurden. „Fünf Männer attackierten uns und nahmen unsere Mobiltelefone weg, damit wir sie nicht aufnehmen konnten“, erzählt er.

Heute ist Christopher Street Day

Mittwoch ist internationaler Christopher Street Day. Seinen Ursprung hat das Fest in New York: Dort wurde am Vorabend des 28. Juni 1969 eine Schwulenbar von Polizisten gestürmt. Die Schwulen wehrten sich, es kam zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung.

Daraus entstand eine neue Emanzipationswelle. Seitdem wird der Tag jährlich gefeiert, in Berlin am 22. Juli mit einer Parade, in Potsdam schon im April.

Jeden zweiten Dienstag im Monat gibt es im Haus der Offiziere (HdO) in der Magdeburger Straße in Brandenburg an der Havel eine LGBTIQ-Bar. Dort können sich homo-, bi-, trans- und intersexuelle Menschen austauschen.

Nach einem halben Jahr Beziehung entschieden sie sich für eine Flucht nach Deutschland. Im Juli 2015 buchten sie ein Ticket von Moskau nach Istanbul mit Zwischenstopp in Berlin – sie blieben in Deutschland, Istanbul erreichten sie nie. In Eisenhüttenstadt registrierten sie sich als Flüchtlinge. Nach einem Aufenthalt in Frankfurt (Oder) kamen sie im November 2015 nach Brandenburg an der Havel. Inzwischen arbeitet Arab hier drei Tage pro Woche in einem Friseursalon. Im Hotel am Molkenmarkt gab er kürzlich einen Workshop zum Thema Brautfrisuren. „Wir fühlen uns hier sicher, es gibt keine Diskriminierung“, sagt er.

„Hier muss ich mich nicht verstecken

„Ich kann mit meinen Kunden offen über meine sexuelle Orientierung reden und muss mich nicht verstecken.“ Sein Freund sucht noch immer nach Arbeit, Arabs Verdienst muss für beide reichen. Zunächst war das Paar in einem Flüchtlingsheim untergebracht, doch eine Sozialarbeiterin erkannte die angespannte Situation, die durch andere Flüchtlinge entstand.

Inzwischen wohnen die beiden mit einem lesbischen Pärchen aus Russland in einer Wohngemeinschaft. Es ist das zweite Mal, dass sie am Christopher Street Day in Berlin teilnehmen. Am 11. Juni waren sie Teil der Gay Pride in der Havelstadt, um für die Rechte von homo-, bi-, trans- und intersexuellen Menschen zu kämpfen.

Ein Rückschlag kam im Mai: Sein Freund bekam einen negativen Asylbescheid. „Es heißt, die Lebensgefahr sei für ihn in Russland nicht groß genug. Ein Anwalt fechtet das Urteil an“, sagt Arab. „Die Chancen stehen fünfzig zu fünfzig, dass er bleiben kann. Unsere größte Angst ist, dass wir zurück in unsere Heimat gehen müssen.“ Arab wartet auf die Entscheidung seines Verfahrens, aber er lässt sich seine Zukunftspläne nicht nehmen: „Wenn wir bleiben dürfen, will ich meinen Meister machen.“

Von Melanie Höhn

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