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Brandenburg/Havel Horst Flakowski hat seinem Brandenburg so viel gegeben
Lokales Brandenburg/Havel Horst Flakowski hat seinem Brandenburg so viel gegeben
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07:15 03.03.2018
Oktober 1998: Die Brandenburger Ehrenbürger Horst Flakowski und Friedrich-Karl Grasow (rechts) informieren sich im „Märkischen Gymnasium Friedrich Grasow" in Brandenburg-Hohenstücken über den Kunst-Unterricht. Quelle: Heiko Hesse
Brandenburg/H

Er konnte laut werden, aufbrausen, poltern, schimpfen. Horst Flakowski verstand es, sich Gehör zu verschaffen. Er konnte aber auch genießen, sich still freuen und beobachten, wie etwas läuft, dass ohne ihn nie gelaufen wäre. Im SOS-Kinderdorf am Johannisburger Anger schaute er häufig vorbei, einfach so.

Nicht um zu kontrollieren und den Leuten auf die Finger zu schauen. Eher war es, als schaute der liebe Opa vorbei und erkundigte sich, wie es den Kindern ging. Umgerechnet zweieinhalb Millionen Euro hatte Horst Flakowski gegeben, um den Bau des Kinderdorfes am Rande des Gördenwaldes möglich zu machen. Am morgigen Sonntag wäre der Stifter 100 Jahre alt geworden.

Michael Unger (links), Andrea Krannig und Mathias Borowiak pflegen das Grab der Familie Flakowski auf dem Neustädtischen Friedhof in Brandenburg an der Havel. Sie gehören zu den Grünpflegern der Fliedner-Werkstätten. Quelle: Heiko Hesse

Horst erblickte in der Jacobstraße 12 das Licht der Welt. Erst ein Jahr zuvor hatte Kaufhausbesitzer Alfred Flakowski dieses Gebäude erworben und für die Familie ausgebaut. „Der verlorene Krieg, Inflation und Arbeitslosigkeit prägten die Zeit. Dennoch verlebte der Junge eine unbeschwerte Jugend“, heißt es im Portrait auf der Internetseite der Flakowski-Stiftung. Im April 1919 wurde Horsts Bruder Dieter geboren.

Alfred Flakowski hatte sich zu dieser Zeit längst auf dem Markt behauptet. 1905 hatte er eines der Objekte des Kaufhausbesitzers Hermann Conitzer erworben und nach und nach ausgebaut. „Bald schon trugen fachliches Können und großes Engagement des jungen Unternehmers Früchte.

Stilles Gedenken am Grab des Stifters

An drei Stellen wirkt das Stiften von Horst Flakowski: das SOS-Kinderdorf am Johannisburger Anger, die Alfred-Flakowski-Stiftung und das Haus der Begegnung in der Jacobstraße.

Aus Anlass des 100. Geburtstages ist ein Gedenken am Grabe von Horst Flakowski geplant. Es beginnt am Sonntag, 4. März, um 10 Uhr auf dem Neustädtischen Friedhof. Das Grab befindet sich auf der rechten Seite des Friedhofes.

Als Folge konnte das Warenangebot erheblich erweitert werden: Eine Lebensmittel-Abteilung kam hinzu, die Zahl der Mitarbeiter wuchs ständig“, liest man in dem Portrait. Im Jahre 1912 arbeiteten rund 100 Angestellte in dem imposanten Gebäude in der Hauptstraße.“

Horst Flakowski besuchte das Von-Saldern-Gymnasium und die Ritterakademie. Das Wirtschaftsabitur legte er in Berlin ab und besuchte die Handelsschule in Königsberg. Der Plan der Familie war es, dass Horst Flakowski Kaufmann wird, in das Unternehmen einsteigt und eines Tages von seinem Vater übernimmt. Doch dann brach der Zweite Weltkrieg aus.

In der Hauptstraße in Brandenburg an der Havel bestand von 1905 bis zur Enteignung 1953 das große Warenhaus von Alfred Flakowski - hier auf einer Ansichtskarte Mitte der 30er Jahre. Quelle: Sammlung Hesse

Gleich im ersten Krieg wurde Horst Flakowski eingezogen. Auch sein Bruder musste an die Front. Er kehrte nie zurück. Horst erlebte das Kriegsende in der Nähe von Berlin. Er versuchte, sich unerkannt durchzuschlagen. Bei Treuenbrietzen stieß er auf hilfsbereite Menschen. Sie gaben ihm zivile Kleidung und verbargen seine Uniform und den Wehrpass. So kam er ungehindert nach Hause.

Sein Vater war da bereits seit drei Jahren tot, der kleine Bruder galt seit Sommer 1944 als vermisst.

Der Kaufmann Horst Flakowski Ende der 1950-er Jahre. Quelle: privat

Im August 1945 musste sich Horst Flakowski bei der sowjetischen Kommandantur melden. Er wurde sofort festgenommen, saß kurzzeitig in den provisorischen Hafträumen, die die Sowjets im Keller des Hauses der Schultheiß-Brauerei (heute Hotel am Molkenmarkt) eingerichtet hatten.

Von dort brachte man ihn in ein Lager auf dem Görden und im November schließlich in ein Kriegsgefangenenlager in der UdSSR. Zweieinhalb Jahre saß er in einem Lager zwischen Moskau und Leningrad (heute wieder St. Petersburg).

Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft

Anfang 1948 kehrte Horst Flakowski mit schweren gesundheitlichen Schäden in seine Heimatstadt zurück. „Mit seiner Behinderung hieß es nun ständig leben. Doch ließ er sich nie etwas davon anmerken“, heißt es in dem Portrait.

Das Kaufhaus war seit dem Tod des Vaters von der Mutter „gemeinsam mit der tüchtigen Geschäftsführerin Frau Böhmer recht erfolgreich weitergeführt“ worden. Nun übernahm Horst Flakowski die Geschäfte.

Flucht in den Westen

1949 heiratete er Eveline. Die Kinder Kornelia und Mathias erblickten das Licht der Welt. Die Zeiten für selbstständige Geschäftsleute wurden immer schwerer. Etliche Unternehmer flohen in den Westen.

Im Jahre 1953 war der staatliche Druck auf Horst Flakowski dermaßen groß, dass er jederzeit eine Verhaftung befürchten musste. Bei Nacht und Nebel packte die Familie ein paar Habseligkeiten, ließ Brandenburg hinter sich und floh nach Westdeutschland.

Das Grab von Horst Flakowski auf dem Neustädtischen Friedhof. Quelle: Heiko Hesse

Beruflich begab sich der Brandenburger Kaufmann auf eine regelrechte Odyssee. Er begann in Kaiserslautern. Der gelernte Kaufmann bekam dort eine Stellung im Hause Karstadt. Zwei Jahre hielt es die Flüchtlingsfamilie im Rheinland-Pfälzischen.

Dann hieß es wieder Koffer packen: Diesmal ging es in den Westteils Berlins, wo Flakowski abermals für die Karstadt AG tätig war und sich in der Filiale in Moabit sogar bis zum Geschäftsführer hocharbeiten konnte.

Zentralverwaltung des Versandhauses Quelle

Nächste Stationen waren Remscheid, Bremerhaven und erneut West-Berlin. Auch andere Kaufhäuser machten ihm Angebote. So leitete er unter anderem die Zentralverwaltung des Versandhauses Quelle und wechselte in den siebziger Jahren zur deutschen Niederlassung des amerikanischen Großkonzerns Ponds nach München.

In seiner Familie schlug das Schicksal zu. Der Sohn wie auch die Tochter litten an einer seltenen Erbkrankheit. Beide sollten diese nicht überleben. Sohn Mathias starb 1956, die Tochter Kornelia 1967.

Von München nach Gröbenzell

Von seiner ersten Frau trennte sich Horst Flakowski, heiratete wieder und zog mit seiner zweiten Frau Christa von München in das bayerische Gröbenzell. Ein langes Glück sollte auch der zweiten Ehe nicht beschieden sein: Seine Frau Christa starb, gerade einmal 50-jährig, an Krebs.

Wie so viele Brandenburger, die gegen ihren Willen ihre Heimatstadt verlassen haben, empfand Horst Flakowski den Fall der Mauer als großes persönliches Glück. „Den Kontakt zu seiner Heimatstadt hatte er nie verloren“, heißt es im Portrait über den Stifter.

Geburtshaus in der Jacobstraße

Als einer der ersten, die einen Antrag über Rückübertragung ihres Vermögens gestellt, erhielt Horst Flakowski sein Eigentum zurück – das Kaufhaus in der Hauptstraße, sein Geburtshaus in der Jacobstraße und die Grundstücke. Das war 1991.

Sofort bemühte er sich, das Kaufhaus zu veräußern. Er war inzwischen Rentner, zu alt, um so einen Betrieb selbst zu führen. Die Karstadt AG zahlte ihm umgerechnet fünf Millionen Euro für das Kaufhaus.

Erstes SOS-Kinderdorf in Ostdeutschland

Die Hälfte gab er SOS-Kinderdorf als Anschub, um in Brandenburg an der Havel eine Einrichtung zu bauen. Mit der anderen Hälfte gründete er eine Stiftung, die unter anderem bedürftigen Menschen hilft.

Sein Geburtshaus ist seit vielen Jahren als „Haus der Begegnung“ eine feste Größe im sozialen Leben Brandenburgs. Dafür erhielt er den Deutschen Stifterpreis und die Ehrenbürgerwürde.

Ehrenbürgerwürde

Was Horst Flakowski wütend machte, war die Unterstellung, er habe sich die Ehrenbürgerwürde regelrecht erkauft. Er mischte sich ein, scheute keine Auseinandersetzung, focht für Themen, die ihm wichtig waren.

Er starb am 18. Februar 1999, mit 80, aber zu früh. Eigentlich hatte er noch viel vor gehabt.

Von Heiko Hesse

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