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Humor und Tragik: Lesung von Saša Stanišić

Brandenburg an der Havel Humor und Tragik: Lesung von Saša Stanišić

Dieser wunderbare Wechsel zwischen Humor und Tragik: Der preisgekrönte Schriftsteller Saša Stanišić entführte die Gäste seiner Lesung im Sommerrefektorium des Brandenburger Doms in die magische Erzählwelt seines ersten Romans. Das Buch „Wie der Soldat das Grammophon repariert“ spielt im serbischen Višegrad zur Zeit des Jugoslawienkrieges.

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Gäste der Lesung mit Saša Stanišić (re.) im Sommerrefektorium des Doms.

Quelle: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H. Nicht nur die 50 Zuhörer haben sich am Mittwochabend bei der Lesung im Sommerrefektorium des Brandenburger Doms wieder neu in die Texte von Saša Stanišic verliebt. Dem Autor ging es beim Vortrag aus seinem ersten Roman „Wie der Soldat das Grammophon repariert“ genauso. „Aus dem habe ich schon lange nicht mehr gelesen und jetzt bin ich wirklich gespannt auf den nächsten Satz“, erklärte Stanišic nach dem ersten Kapitel mit einem Augenzwinkern. Der Dom-Förderverein hatte zu der Veranstaltung eingeladen.

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Der preisgekrönte Schriftsteller Saša Stanišić entführte die Gäste seiner Lesung im Sommerrefektorium des Brandenburger Doms in die magische Erzählwelt seines ersten Romans. „Wie der Soldat das Grammophon repariert“ spielt im serbischen Višegrad zur Zeit des Jugoslawienkrieges.

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Diese Begeisterung für den Protagonisten Aleksandar, den Stanišic aus seiner kindlich-fantasievollen Perspektive erzählen lässt, wie das damals war in der kleinen Stadt Višegrad in Jugoslawien mit der ganzen großen Familie und vor allem dem viel geliebten Opa Slavko, teilten im Erscheinungsjahr 2006 auch die Kritiker. Zahlreiche Literaturpreise schmücken das Werk, unter anderem eine Nominierung für den deutschen Buchpreis. Schon im Jahr davor wurde der Autor für eine Erzählung mit dem Publikumspreis im Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb belohnt.

„Angefangen hat alles mit jugendlichem Gedichteschreiben“, erklärte Stanišic, der 1978, wie sein Protagonist Aleksandar, in eben dieser Stadt Višegrad geboren wurde. Diese Gedichte, die damals im Alter von zwölf bis 14 Jahren in der Heimat in der serbo-kroatischen Muttersprache entstanden sind, liegen noch heute dort auf dem Dachboden und erzählen vom ersten Weltschmerz und der ersten nicht gerauchten Zigarette.

Roman mit autobiografischen Zügen

Wer autobiografische Züge im Werk von Saša Stanišic entdeckt, liegt nicht ganz daneben. Wie der junge Aleksandar musste Stanišic seine Heimat mit dem Beginn des Bosnienkrieges verlassen. „Heute würde ich auf der selben Route, die wir damals genommen haben, nur bis Ungarn an den Stacheldrahtzaun kommen“, erklärt der Autor ganz nebenbei.

In Deutschland musste der Neustart gelingen – und er gelingt auch. In Heidelberg folgen Abitur und Studium und natürlich von Anfang an eine ganz neue Sprache. In dieser bewegt sich Saša Stanišic jetzt so gekonnt, dass er mit deutschen Worten eine ganze verlorene Welt vor den Augen der Leser wieder zum Leben erwecken kann. Der naive Blick des jungen Erzählers in seinem ersten Roman sorgt zudem für einen wunderbaren Wechsel zwischen Humor und Tragik, von dem sich das Publikum während der Lesung begeistert zeigte.

Beeindruckende Episoden aus dem Erzählband „Fallensteller“

Nicht nur in seinem Debütroman ist der erzwungene Bruch durch den Krieg ein zentrales Thema. Aus dem im Jahr 2016 erschienenen Erzählband „Fallensteller“ las Stanišic eine Episode vor, in der wieder eine Enkel-Großvater-Beziehung im Mittelpunkt steht. Vor allem geht es auch um den Abstand oder gar Abgrund, der sich in den Jahren seit der Flucht zwischen dem alten und dem neuen Leben gebildet hat.

Auf der einen Seite der Enkel, der in Deutschland erfolgreich geworden ist und auf der anderen Seite der geliebte, im Sterben liegende Großvater, der immer noch in der alten Heimat lebt, in die der Enkel nie wieder, nicht einmal zu Besuch, zurückgekehrt ist. „Das ist eine Komponente, die viele Geflüchtete in sich tragen – auch wenn sie im neuen Leben angekommen sind, bleibt doch oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie an das Zurückgelassene denken.“

Von Christine Lummert

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