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Brandenburg/Havel Hundecouch vermittelt soziale Kompetenz
Lokales Brandenburg/Havel Hundecouch vermittelt soziale Kompetenz
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12:43 06.10.2016
Juliane Nowakowski mit Schafpudel Grisu. Die 34-Jährige betreibt in Deetz bei Groß Kreutz (Havel) eine Hundeschule. Quelle: Marion von Imhoff
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Deetz

Nun ist es doch passiert, Goethe hat sich vor Schreck auf die Zunge gebissen. Der Schafpudel Grisu hat dem jüngeren Briard – etwas zu robust - die Rangordnung klar gemacht. Goethe und Grisu gehören zu den sieben Hunden, die an diesem Nachmittag auf einer umzäunten Wiese in Deetz toben. Ihre Halter haben das Angebot „Spielstunde“ der Hundeerzieherin Juliane Nowakowski gebucht. Die gebürtige Potsdamerin hat vor zehn Jahren in Deetz die Hundeschule Kumpane gegründet. Dort bietet die 34-Jährige Kurse für Hundehalter und ihre Lieblinge an.

Zu der Spielstunde sind zwei Männer und fünf Frauen aus den umliegenden Orten gekommen. Fünf Euro zahlen sie jeweils für diese Lerneinheit, in der sich ihre Tiere sozialverträgliches Verhalten aneignen sollen.

Grisu, Goethe, Maike, Piri, der blonde Howavard Gundel, Raika und Tayson ahnen davon wenig. Sie rennen, rempeln und schnuppern sich durchs Gelände. Besonders an Gundel sind die Rüden interessiert. Die junge Hündin wird bald läufig. Das sorgt für ein wenig mehr Temperament in der Runde.

„Sie sollen Kontakt zu anderen Hunden bekommen“, erläutert Juliane Nowakowski das Prinzip. „Das ist besonders auf dem Land wichtig, wo manche Hunde selten anderen begegnen.“ Andernfalls drohen „Angstverhalten und Aggressivität bei Spaziergängen“.

Tipps für Hundehalter

Hundeverhaltenstrainerin Juliane Nowakowski hat einige Tipps für Hundehalter:

Geraten zwei Hunde in eine Beißerei, sollten die Besitzer nicht dazwischen gehen, sondern sich in entgegengesetzten Richtungen entfernen. Die Hunde lassen im besten Fall voneinander ab und folgen ihren Haltern.

Wird ein Jogger von einem Hund angegriffen und hat er eine Trinkflasche dabei, kann es helfen, dem Hund Wasser in die Augen zu spritzen.

Hundeerziehung sollte schon beim Welpen eine Woche nach dessen Einzug in die Familie beginnen.

Kündigt sich die Geburt eines Babys in der Familie an, sollte man den Hund schon rechtzeitig vorher auf seine Kinderfreundlichkeit prüfen. Juliane Nowakowski rät, mit dem angeleinten Tier an einem Kindergarten vorbeizugehen und zu schauen, ob das Tier gelassen bleibt. Gefährlich ist, wenn der Hund vorher Babyersatz war und die erste Geige in der Familie gespielt hat. Krabbelnde Kinder können den Jagdreflex im Hund auslösen. Die Folge könnten besonders gefährliche Verletzungen sein.

Weitere Infos unter www.kumpane.net.

Es ist ein offenes Angebot, dem sich Hundehalter einfach anschließen können. An diesem Tag ist die „Strammtruppe“ zusammengekommen, wie Juliane Nowakowski es sagt. Aus Berlin, Potsdam und der nahen Umgebung stammen ihre Kunden. Anti-Jagd- und Kind- und Hund-Kurse gibt sie. Dazu Training in Einzelstunden und Gruppen für junge und ältere Hunde. Beim Anti-Gift-Köder-Kurs sollen die Vierbeiner lernen, nichts vom Boden zu fressen. 50 Euro kostet diese fünfstündige Lehreinheit. Nowakowski kann von ihrer Hundeschule leben. Im Nebenerwerb bewirtschaften sie und ihr Mann noch 20 Hektar Land und versorgen drei Milchkühe, einen Bullen und drei Kälber. Zum Haushalt gehören zudem vier eigene Hunde.

In Gruppen stehen die Hundehalter beieinander. Man kennt sich. „Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit“, beschreibt eine Mittvierzigerin die Symptome einer überstandenen Krankheit ihres Tieres. Renate Baller ist mit ihrer 37 Kilo schweren Schäferhündin Piri dabei. Nach dieser Tobestunde „ist sie immer k.o. und entspannt“, sagt die Lehrerin. Piri ist ihr vierter Hund. Dennoch birgt das Leben mit ihr doch Überraschungen. Auch deswegen ist Renate Baller Kundin bei der Hundeverhaltenstrainerin. „Warum? Bei Kindern würde ich sagen, sie lernen soziale Kompetenz.“ Nicht völlig anders ist es bei Hunden. „Andere Hundehalter wollen einen Schäferhund nicht an ihr Tier lassen.“ In der Deetzer Hundeschule hat Piri nun die Gelegenheit, mit Artgenossen zu spielen.

Juliane Nowakowski, Mutter eines Sohnes, kam in Hamburg auf die Idee, Hundeverhaltenstrainerin zu werden. Während ihres Jura-Studiums dort half sie, eine Hundeschule aufzubauen. Vor der Tierärztekammer des Landes Schleswig-Holstein legte sie schließlich nach diversen Kursen bei Verhaltensforschern und Biologen die Prüfung zur zertifizierten Hundeerzieherin und -verhaltensberaterin ab. Sie ist Mitglied im Bundesverband und Sachverständige für die Begutachtung von Kampfhunden nach der Brandenburgischen Hundehalterverordnung. Ihre eigenen Hunde sind lammfromm und als Therapiehunde anerkannt. Ihr Studium schloss sie ab, als Juristin gearbeitet hat sie nie. Der Job mit den Tieren an der frischen Luft zog sie vor.

Bei der Spielstunde greift die sportlich und durchtrainiert wirkende blonde Frau selten ein. Nur, wenn ein Tier von der Gruppe gemobbt wird, ist das anders. „Wenn eine Gruppe einen einzelnen Hund umstellt und ihn tyrannisiert, sollte man das nicht zulassen.“

Was ein Hund können muss? „Er sollte kommen, wenn man ihn ruft.“ Auf Kommando sitzen oder liegen und auch entspannt bleiben, wenn das Herrchen mit ihm an einer Pferdekoppel vorbeigeht und einem Reh nicht hinterherjagen. Das Verhalten der Hundehalter möchte Juliane Nowakowski ändern, damit diese auf ihre Tiere einwirken können. Hunde seien kein Sportgerät, kein Prestigeobjekt oder Kindersatz. „Gut erzogene Hunde sind in unserer Gesellschaft wichtig. Erst dann kann man ihn überall hin mitnehmen“, sagt die Mutter eines siebenjährigen Sohnes.

Goethe jedenfalls hat gelernt. Er wird sich wohl Grisu beim nächsten Spielen unterwürfiger nähern. Auf den Schreck der Rempelei stürzt sich der Hirtenhund auf den gemeinsamen Wassernapf und löscht mit blutiger Zunge seinen Durst. Auch das ist ein gutes Zeichen. Alle Hunde sind wieder und wieder zu diesem Napf gerannt. „Keiner hat ihn verteidigt“, lobt Juliane Nowakowki die Meute. Das soziale Training – es funktioniert.

Von Marion von Imhoff

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