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Hunderte Euro weniger als ihre Kollegen

Protest der Tageseltern in Brandenburg Hunderte Euro weniger als ihre Kollegen

Tageseltern in Brandenburg an der Havel sind die Billigheimer der Branche. Sie verdienen im Schnitt hunderte Euro weniger im Monat als ihre Kollegen in den Nachbarregionen. „Ich wundere mich, wie ich es schaffe“, sagt Tagesvater Ronny Müller. Er betreut an 50 Stunden die Woche fünf Kleinkinder: „Wir kämpfen um unsere Existenz.“

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Andrea Senf und Ronny Müller mit ihren Schützlingen. Sie betreuen zehn Kleinstkinder. Dafür mussten sie Räume in der Steinstraße anmieten. 500 Euro im Monat zahlt Müller dafür an Miete.

Quelle: Marion von Imhoff

Brandenburg/H. Sie betreuen 104 Babys und Kleinkinder in der Stadt Brandenburg, doch ihre finanzielle Situation scheint am Limit zu sein, die 21 Tagesmütter und zwei Tagesväter. „Wir verdienen im Schnitt 1000 Euro weniger als unsere Berufskollegen in Potsdam-Mittelmark“, sagt Tagesmutter Andrea Senf. Ihre Kollegin Rowena Georg kündigte am Mittwoch sogar an, im Sommer wohl das Handtuch zu schmeißen. „Die finanzielle Lage ist autsch“, sagt die 42-jährige. „Die Arbeit mit den Kindern macht so viel Spaß, aber die Bezahlung reicht einfach nicht.“

Tagesvater Ronny Müller arbeitet eigenen Angaben nach 50 Stunden die Woche. Er kommt auf 1200 Euro netto, von denen er und seine eigenen beiden Kinder leben müssen. „Und da habe ich noch kein einziges Spielzeug und Buch für die Tageskinder gekauft.“ 2015 haben Tageseltern in den politischen Ausschüssen ihre Lage erneut öffentlich gemacht. Geändert hat sich nichts. „Ich muss mittlerweile private Rechnungen schieben, um die Tagespflege-Stelle halten zu können“, sagt Ronny Müller.

257 Euro pro Kind weniger als in Potsdam

Seit Jahren weiß die Stadt um die Nöte der Tageseltern. Zwar gibt es seit 2014 für diese einen Mietkostenzuschuss von rund 100 Euro im Monat. Für eine bessere Bezahlung der Tageseltern stehen aber nach Angaben von Sozialbeigeordneten Wolfgang Erlebach (Die Linke) „keine zusätzlichen Haushaltsmittel zur Verfügung“. Es gebe dafür zudem auch keinen entsprechenden politischen Auftrag an die Verwaltung.

Schon vor einem Jahr bilanzierte das Jugendamt, dass die Stadt Brandenburg die „Tätigkeit der Tagespflegepersonen am geringsten vergütet“ im Vergleich zu Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder), Potsdam-Mittelmark und Havelland. Die Differenz liegt danach zwischen 29 Euro (Cottbus) und 257 Euro (Potsdam) pro Kind.

Vorwurf der fehlenden Wertschätzung

„In Potsdam-Mittelmark bekommen Tageseltern für die sechsstündige Betreuung eines Kindes schon mehr als wir für die zehnstündige“, sagt Andrea Senf. In Mittelmark erhalten Tageseltern 442 Euro im Monat für jedes Kind, das sie sechs Stunden täglich betreuen. In Brandenburg gibt es für den gleichen Job 146 Euro weniger. „Wir erwarten eine annähernde Angleichung an die Sätze von Potsdam-Mittelmark“, sagt Ronny Müller.

Derzeit betreut der 37-Jährige fünf Kinder zwischen einem und zweieinhalb Jahren. Das ist die maximale Platzzahl einer Tagesgruppe. „Wir kämpfen um den Erhalt unserer Tagespflegestellen und um die Sicherung unserer Existenz. Wenn eine zehnstündige auf eine achtstündige Betreuung herunterbricht, kann ich hier eigentlich schon die Tür abschließen. Ich wundere mich, wie ich es jeden Monat schaffe“, sagt Ronny Müller. Derweil krabbeln um ihn und seine Kollegin zehn Jungen und Mädchen herum und fordern volle Aufmerksamkeit. „Es ist ganz schön traurig“, so Andrea Senf. Sie wirft der Stadt mangelnde Wertschätzung der verantwortungsvollen Aufgabe vor.

Stadt sucht ständig Tagesmütter und -väter

982 Mädchen und Jungen aus Brandenburg besuchen eine Krippe. Gemessen an dieser Zahl, besuchen elf Prozent dieser Altersgruppe eine Tagespflegegruppe. Mehr als jeden zehnten Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren halten also Tageseltern vor. Seit Jahren wirbt die Stadt daher um neue Tageseltern, auch aktuell, wie Sozialbeigeordneter Erlebach bestätigt.

Von Marion von Imhoff

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