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Hunderte Schwalben fliegen auf Wenzlow

Kolonie wird immer größer Hunderte Schwalben fliegen auf Wenzlow

Ein Paradies für Schwalben gibt es in Wenzlow (Potsdam-Mittelmark). In der Hofeinfahrt von Familie Schindler haben die Zugvögel über 60 Nester gebaut. Mittlerweile wird die zweite Brut großgezogen. Für Menschen bringt die Einflugschneise einige Einschränkungen mit sich.

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Dicht an dicht drängen sich die Schwalbennester in der Hofeinfahrt von Familie Schindler.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Wenzlow. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Würde man die alte Bauernregel ernst nehmen, müsste über Wenzlow unentwegt die Augustsonne lachen. Waltraud und Eckhard Schindler brauchen nämlich kein Willkommensschild für die Zugvögel an ihrer Fassade. Seit Generationen sind die Insektenvertilger in der Dorfstraße zu Hause. Über 60 Nester hat das Ehepaar in diesem Jahr unter ihrem Torbogen gezählt – so viele wie noch nie. Dicht an dicht kleben die lehmigen und halbkugligen Behausungen über der Hofzufahrt.

Ganzjährig geschützt

Am Haus brütende Schwalben gelten als Glücksbringer und bedeuten im Volksglauben Schutz vor Wetterunbilden. Schwalbennester sind durch das Bundesnaturschutzgesetz ganzjährig geschützt. Aus Angst vor Kotspuren werden Schwalben bei Nestbauversuchen oft von Menschen verscheucht.

Das schwalbenfreundliche Anwesen kam 1903 in den Besitz von Familie Schindler, die eine Landwirtschaft betrieb und die Gastwirtschaft zunächst verpachte. 1947 eröffneten Werner und Hildegard Schindler das Gasthaus „Zur Sonne“, das bis 2001 betrieben wurde.

Die freiliegenden Deckenbalken sind ein beliebter Bauplatz für die Schwalben, deren Population sich wohl durch zurückkehrende Jungvögel aus den Vorjahren immer weiter vergrößert. Entsprechend zugenommen haben die Starts und Landungen. Mittlerweile füttern die geselligen Mehlschwalben die zweite Brut durch. Zu Dutzenden kurven die schwarz-weißen Flugakrobaten über den Innenhof der Schindlers, um dann mit Beute im Schnabel Kurs auf das eigene Nest zu nehmen. Dort wartet schon der Nachwuchs mit aufgesperrtem Rachen auf die Fütterung.

Eckhard Schindler in seiner Hofeinfahrt

Eckhard Schindler in seiner Hofeinfahrt.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Für die Menschen ist die Anwesenheit so vieler Schwalben mit einigen Einschränkungen verbunden. „Selbstverständlich respektieren wir die Vögel. Dafür sollte man besser nicht das Auto im Freien stehlen lassen“, berichtet Eckhard Schindler. Alle zwei, drei Tage fegt der Hausherr einen Eimer Kot zusammen. Und Ehefrau Waltraud kann die Wäsche der Familie nur weit abseits der Einflugschneide zur Schwalbenkolonie zum Trocknen aufhängen. Die Schwalben danken es den Schindlers mit einer fast mückenfreien Zone. Denn die für Menschen lästigen Fluginsekten gehören zur Hauptnahrung der geselligen Vögel.

Ihr Material für die kunstvoll zusammengeklebten Nester holen sich die Schwalben vermutlich von den Randbereichen des nahen Verlorenwasserbachs. Lehmhaltige Erde ist eine wichtige Voraussetzung für die Ansiedlung von Schwalben, die früher auf keinem Bauernhof gefehlt haben. Ihre Nester bestehen aus hunderten Kügelchen, die die Schwalben mit ihrem Speichel zusammenkleben. „Auf dem Hof herrscht unentwegt Bewegung“, berichtet Eckhard Schindler. Aber es kann schon mal aufregender kommen. Wie im vergangenen Jahr als die Schwalben zu später Stunde durch eine offen stehende Tür in ein beleuchtetes Zimmer flogen. Es dauerte Stunden bis die Ordnung wieder hergestellt war.

Eine Mehlschwalbe

Eine Mehlschwalbe.

Quelle: DPA

Aufwärts ging es mit der Kolonie ab Mitte der 1970er-Jahre. Damals waren die Balken unter das Tor eingezogen worden. Von Jahr zu Jahr kamen mehr Brutvögel hinzu.

Das Massenspektakel auf dem Anwesen des einstigen Gasthofs „Zur Sonne“ spielt sich noch bis Ende September ab. Dann finden sich die Schwalben auf den Hausdächern zum Flug in den Süden zusammen. Innerörtliche Freileitungen als Sammelplatz gibt es in Wenzlow nicht mehr.

Von Frank Bürstenbinder

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