Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° Regen

Navigation:
„Ich schieß’ nur digital“

Wildtierfotograf Björn Bleiß „Ich schieß’ nur digital“

Die einen fotografieren schöne Landschaften, Björn Bleiß wartet auf wilde Tiere. Seit vier Jahren geht der Elektriker aus Fohrde mit der Kamera auf Pirsch. Die Wälder zwischen Havel und Beetzsee sind sein Revier. Mit welchen Tricks er dem scheuen Wild auf’s Fell rückt.

Voriger Artikel
Am Dienstag kocht ein Inder in der Mensa
Nächster Artikel
Schlau-Betriebsrat verhandelt für 60 Kollegen

Dicht aneinander gedrängt wartet ein junges Rotfuchs-Trio im Sonnenlicht auf die Rückkehr der Mutter.

Quelle: Björn Bleiß

Fohrde. Gleich drei Fuchswelpen trauen sich ans Tageslicht. Die Racker sind neugierig, wollen offenbar wissen, was vor dem Bau passiert. Sie drängen sich aneinander, suchen Sicherheit.

92618a4c-c2d4-11e7-a230-85edb80bc9d1

Die einen fotografieren schöne Landschaften, Björn Bleiß wartet auf wilde Tiere. Seit vier Jahren geht der Elektriker aus Fohrde mit der Kamera auf Pirsch. Die Wälder zwischen Havel und Beetzsee sind sein Revier. Mit welchen Tricks er dem scheuen Wild auf’s Fell rückt.

Zur Bildergalerie

Denn die Mutter ist nicht dabei. Wahrscheinlich wartet der Nachwuchs auf ihre Rückkehr – und die nächste Mahlzeit. Was die Jungen nicht ahnen: Sie werden beobachtet. In Sichtweite drückt Björn Bleiß (34) auf den Auslöser seiner Canon 7 D. Der Wind steht günstig, die Tarnung passt. Die possierliche Szene ist im Kasten.

Mit dem Tele nah dran

In der Regel ist Björn Bleiß mit zwei digitalen Spiegelreflexkameras des Herstellers Canon unterwegs. Beide Fotoapparate sind mit Videofunktion ausgestattet. Hauptsächlich konzentriert sich der Wildtierfotograf auf stehende Bilder. Zur Ausrüstung gehört ein Teleobjektiv mit bis zu 600 Millimeter Brennweite.

Zu sehen sind die Fotografien des Fohrders insbesondere auf seinen Seiten bei Facebook und Instagram. Käuflich erwerben kann jedermann bei Björn Bleiß den jetzt veröffentlichten Wandkalender 2018 mit den besten Aufnahmen des Jahres.

Vor jedem Ausflug bespricht sich der Wildtierfotograf im Interesse der eigenen Sicherheit mit dem zuständigen Jagdpächter. Außerdem soll eine Beunruhigung des Wildes vermieden werden. Laien sollten Schwarzwild nicht zu nahe kommen. Es ist das wehrhafteste Wild unserer Wälder.

Wieder einmal hat sich die Geduld des Fohrders gelohnt. Bleiß fotografiert Wildtiere. Manchmal betätigt er auch die Videofunktion. Nicht irgendwo in der afrikanischen Savanne oder auf den Galapagosinseln. Sein Revier liegt vor der Haustür. In den Wäldern zwischen Havel und Beetzsee schnüren, schleichen und stolzieren ihm vierbeinige Motive vor die Linse. Seit vier Jahren geht der gelernte Elektriker in der heimischen Gemarkung auf Fotosafari. Bei Schnee und Hitze sind tausende Fotos entstanden. Viele davon stellt der Naturliebhaber auf seine Facebook-Seite, die mittlerweile viele treue Fans hat.

Zum Fotografieren ist der Fohrder über das Angeln gekommen. „Früher habe ich mich mit kapitalen Karpfen verewigt. Doch seit dem ersten Familiennachwuchs ist es mit der Nachtangelei vorbei “, berichtet Bleiß. Ein neues Hobby musste her. Weil Vater Jörg Bleiß Jäger ist, lag es anfangs nahe ihn auf die Pirsch zu begleiten. Allerdings mit der Kamera in der Hand.

„Ich schieß’ nur digital“, sagt der Fotograf, der inzwischen dreifacher Vater ist. Er nutzt vor allem lange Sommerabende, die hellen Stunden vor dem Frühstück oder den Mittagsschlaf der Kinder für die freizeitintensiven Ansitze. Rückendeckung gibt es von Ehefrau Janine. Die Reittrainerin hat selbst von Berufswegen ein inniges Verhältnis zu Tieren.

Die Fotogalerien sind so abwechslungsreich, wie das Leben in den Wäldern. Mal geht Bleiß vor einem Dachsbau in Stellung. Dann wieder ruft die Rotwildbrunft. Mit Glück gelingen Aufnahmen von äsenden Wildschafen oder einem aufsteigenden Schwarzmilan. Einen Wolf hat er noch nicht gesehen, geschweige denn abgelichtet. Doch nichts lässt beim Fotografen den Adrenalinspiegel so ansteigen wie die Begegnungen mit Schwarzwild. „Wenn sich nur wenige Meter vor mir Überläufer raufen oder eine Bache ihre Frischlinge auf eine Freifläche führt, möchte man am liebsten den Atem anhalten“, schwärmt Bleiß.

Wer als Wildtierfotograf erfolgreich sein will, braucht nicht nur Geduld und gute Technik. Tricksen, täuschen und tarnen sind unabdingbare Voraussetzungen, um ins Reich der stets wachsamen Tiere zu gelangen. „Ich versuche mich in meiner wetterfesten Kleidung unsichtbar zu machen, gehe nicht mit dem Wind, und passe auf, wohin ich trete“, verrät der Fotograf. Schon eine falsche Bewegung könnte die Wildschweine zur Flucht veranlassen. Wert legt Bleiß auf ein gutes Verhältnis zu den Jagdpächtern und Waldbesitzern. Seine Ausflüge finden stets in Absprache mit den Revierverantwortlichen statt.

Seine Begeisterung für Wildtierfotografien teilt Bleiß mit einer großen Community im Internet. Die besten Aufnahmen werden jedes Jahr in einem Wandkalender vereint, dessen Herausgabe sein Arbeitgeber, die Elektroservice Brandenburg GmbH, fördert. Bei der Trophäenschau in Seelensdorf gehört der Fohrder inzwischen zu den ständigen Gästen. Nur zu einer Präsentation von gerahmten Aufnahmen im öffentlichen Bereich ist es bisher noch nicht gekommen. „Eine Ausstellung würde ich seh gerne machen. Das wäre eine neue Herausforderung“, meint Björn Bleiß.

Von Frank Bürstenbinder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg