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Brandenburg/Havel Im Angesicht der Zerstörung: Die Magie von Ruinenbildern
Lokales Brandenburg/Havel Im Angesicht der Zerstörung: Die Magie von Ruinenbildern
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06:04 27.10.2018
Zerstörte Paulikirche in Brandenburg an der Havel, Bild von Walter Garski. Quelle: Stadtmuseum Brandenburg an der Havel
Brandenburg/Havel

Als Brandenburg an der Havel in Trümmern lag, war jeder Gang durch die zerbombte Stadt ein Wagnis. Die Monate und Jahre nach 1945 waren gefährlich, auch und im Besonderen für Künstler. Blindgänger, unwegsames Gelände und zahllose Leichen, dazu Plünderer: „Wer sich vor den Ruinen hinsetzte und malte, lief zudem Gefahr von Besatzungssoldaten aufgegriffen zu werden“, sagt Thomas Sander.

Der Bauhistoriker war am Mittwochabend im Gotischen Haus zu Gast. In seinem Vortrag „Ruinenbilder: Dokumente oder Kunst“ widmete er sich den Malern der Überreste von Potsdam, Brandenburg an der Havel und Dresden.

Vortrag im Gotischen Haus in Brandenburg/Havel Quelle: Ansgar Nehls

Sander zeichnete nach, wie Künstler wie Walter Bullert oder Walter Garski das Ausmaß der Zerstörung abbildeten, sich zum Teil Ausweise des Dezernenten der Stadt besorgten – offiziell um die Stadt zu dokumentieren. Doch ihre Bilder sind viel mehr als neutrale Darstellungen. „Wer wirklich nur hätte dokumentieren wollen, der hätte auch damals schon einen Fotoapparat genommen“, sagt Sander. Er sieht die Ausweise der Künstler eher als eine Unterstützung seitens der Stadtverwaltung, ein Entgegenkommen für die Maler.

Ihre Bilder seien Stimmungsbilder im Angesicht der Zerstörung, sagt Sander. So malte Garski, der einen Großteil seines Lebens in Brandenburg an der Havel verbrachte, die Saldria am Gotthartdkirchplatz hinter knorrigen, schwarz-vertrockneten Bäumen. Über der ganzen Szenerie liegt ein dichter, bedrückender Nebel. Er gibt dem Bild eine düstere, unheimliche Atmosphäre. Bei dieser Betrachtung wird klar, was Sander meint, wenn er sagt, dass diese Bilder mehr sind als nur Dokumentation.

Ein zweites Bild von Garski zeigt die Ruinen der Paulikirche in der Abenddämmerung. Das Kaminrot der Ruine, das Farbenspiel am Himmel: „Irgendwie bekommt das Ganze eine fast schon romantische Stimmung“, sagt Sander.

Ruinen als Motiv der Romantik

Wenn Künstler sich mit Zerstörung auseinandersetzen, sagt er, muss immer auch eine künstlerische Note hinzukommen. Bei Garski war diese Note wohl vor allem an die Werke von Frühromantik-Großmeister Caspar David Friedrich angelehnt. Kenntnisreich zeigt Sander an ähnlichen Werken Friedrichs die Parallelen und Inspirationsquellen für Garskis Brandenburg-Bilder.

Es sind genau diese Momente, an denen Sanders Vortrag am stärksten ist. Detailverliebt kreist er mit dem Laserpointer immer wieder Einzelmotive auf den Bildern ein, die der Beamer im Gotischen Haus an die Wand wirft. Häufig stellt er den Bildern der Künstler historische Fotografien mit gleicher Perspektive gegenüber, zeigt Unterschiede auf, die erst auf den zweiten Blick auffallen. Für die Zuschauer, die am Abend zahlreich gekommen sind und fast alle aufgestellten Stühle besetzen, ergibt sich so ein stimmiges Gesamtbild.

Die Bilder mahnen, sagt der Bauhistoriker

Und trotzdem, so sagt Sander, „können die Bilder nicht annähernd das Grauen wiedergeben, das die Künstler beim Malen dieser Bilder im Inneren erfasst haben muss.“ Er schließt mit einem Appell. Nicht zu politisch wolle er werden, sagt Sander – und wird es dann doch. Denn die Bilder, über die er zum Ende seines Vortrages rund eineinhalb Stunden gesprochen hat, sie seien eben nicht bloß historische Dokumente.

„Diese Bilder haben etwas Mahnendes“, sagt er. Hellwach müsse deswegen jeder in der aktuellen politischen Situation sein. Nach einem dritten großen Krieg, so sagt Sander, seien wohl nicht einmal mehr Ruinen übrig, die gemalt werden könnten. Er fordert auch deswegen mehr Aufmerksamkeit für diese Werke: „Man sollte über diese Künstler sprechen – und ihre Bilder zeigen.“

Von Ansgar Nehls

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