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Komplettverhüllung ist ein großes Problem

Brandenburger Wissenschaftlerin kämpft gegen Krebs Komplettverhüllung ist ein großes Problem

Barbara Seliger ist Wissenschaftliern und forscht mit einem ehrgeizigen Ziel: Sie will die Krebsrate bei Frauen in islamischen Gebieten senken. Die Frauen dort, so die These, bekommen aufgrund der Komplettverhüllung zu wenig Vitamin D.

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Die Burka verschleiert die Frau nahezu komplett.

Quelle: dpa

Brandenburg an der Havel. Heute Orlando, morgen Neapel, nächste Woche Doha. Barbara Seliger verbringt oft mehr Nächte im Flugzeug als in ihrem Brandenburger Haus. Die Wissenschaftlerin ist im Dienste der Krebsforschung weltweit unterwegs. Die 57-Jährige gilt als eine der Koryphäen in ihrem Metier.

Der heimtückischen Krankheit Krebs nähern sich die Wissenschaftler von zwei Seiten: Die Mediziner operieren, bestrahlen, mixen Chemo-Cocktails. Barbara Seliger gehört zu der anderen Gruppe der Immunologen. Sie kann ihre Arbeit selbst am besten volkstümlich erklären: „Wir helfen dem Körper, sich selbst zu helfen.“

Da chirurgische Eingriffe oder zytotoxische Therapien der Mediziner starke Nebeneffekte haben, wird seit Jahren gezielt nach alternativen Therapien gesucht. Dazu gehören beispielsweise der Einsatz von Antikörpern oder Hemmstoffen. Daneben gewinnen so genannte Immuntherapien an Bedeutung – dabei wird das körpereigene Abwehrsystem gestärkt, um das Tumorwachstum zu bekämpfen.

Das von Barbara Seliger geleitete Institut für Medizinische Immunologie der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) befasst sich derzeit beispielsweise mit der Frage, wie Tumore der Immunerkennung entkommen und wie diese so moduliert werden können, dass sie im Körper wieder erkannt werden können, beispielseise mit so genannten Tumormarkern.

Die Professorin ist weltweit unterwegs als Gutachterin, gefragte Kongressreferentin – aber auch um zu arbeiten. Ab Januar wird sie beispielsweise für einige Monate in Doha am Sidra Medical and Research Center weiterforschen. Die nichtgenommenen Urlaube der vergangenen Jahre braucht sie dafür auf. Zweimal war sie schon in der Hauptstadt des Wüstenstaates Katar.

Lehre von der Abwehr einer Infektion

Unter Immunologie versteht man die Lehre der Abwehr einer Infektion durch den Körper.

Die Tumorimmunologie befasst sich im Wesentlichen mit der Erforschung der Immunreaktionen gegen Tumore und den Mechanismen, weshalb Tumore teilweise der Immunantwort entkommen können.

Diese Erkenntnisse werden dann zur Entwicklung und Optimierung von innovativen Immuntherapien eingesetzt.

Das Institut für Medizinische Immunologie an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) wird seit dem Jahr 2004 von Professor Barbara Seliger (Jahrgang 1957) geleitet.

Während ihrer Doktorarbeit war sie am Beatson Institute für Krebsforschung in Glasgow (Großbritannien) sowie am Heinrich-Pette-Institut für Immunologie und Virologie in Hamburg tätig. Danach kehrte sie nach Göttingen an das Max-Planck-Institut zurück.

Nach der Postdoktoranden-Zeit ging sie für drei Jahre als Assistenzprofessorin an das Karolinska Institut/Ludwig-Institut für Krebsforschung nach Stockholm. Hier befasste sie sich mit molekular- und zellbiologischen Fragestellungen in Gehirntumoren.

Erste Professur war an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Vor wenigen Tagen hat sie überraschend den höchsten Wissenschaftspreis der Qatar Foundation für die beste Wissenschaftsleistung Gesundheit bekommen. „Ich wollte nur ein Gutachten und Drittmittelanträge für die Forschung schreiben, da bekam ich die Einladung, mich am Abend von einer hochrangigen Jury – darunter zwei Nobelpreisträger – examinieren zu lassen“, erzählt sie nach ihrer Rückkehr, einen Tag bevor der Flieger schon wieder in Richtung San Antonio abhebt.

Die Scheichs treiben die Forschung mit viel Geld voran. Etwa 500 Millionen Dollar jährlich geben sie allein für das Sidra-Center aus, kaufen sich wissenschaftlichen Sachverstand aus aller Welt ein. Es gibt Riesenprobleme bei der Gesundheit der Kataris. Nur jeder siebte Einwohner des Zwei-Millionen-Staates ist ein Inländer. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Und gerade bei den Frauen gibt es eine überdurchschnittliche Brustkrebsrate.

Die stark vereinfachte Erklärung dafür klingt einleuchtend: Wegen der strengen Verschleierung kommt nicht genügend Sonne an die Haut, es kann kein Vitamin D gebildet werden, das wiederum wichtig für die Abwehrkräfte ist.

„In Katar habe ich beispielsweise die Möglichkeit der Genomentschlüsselung bei einer ausreichenden Zahl von Probanden. Das würde in Deutschland etwa zwei Millionen Euro kosten. Das Geld stellt hier kaum jemand zur Verfügung“, erzählt Barbara Seliger. Natürlich handeln die Scheichs zuallererst aus Eigeninteresse. Doch die Wissenschaftler sind international, sie veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse, nehmen ihr Wissen wieder mit nach Hause – so kommt es allen zugute.

Barbara Seliger beispielsweise hat mehr als 200 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Sie ist Gutachterin für die Deutsche Forschungsgesellschaft, das Bundesforschungsministerium und internationale Gremien.

Seit drei Jahren wohnt sie in Brandenburg an der Havel. Ihr Haus – eine Bauhausvilla – hat sie im Internet entdeckt und sich sofort in die Immobilie verliebt. Recht selten sieht sie ihr Heim, doch ihr Mann ist bei ihren Reisen häufig an ihrer Seite – Lebensgefährte Michael Hötzel ist internationaler Fotograf.

Von André Wirsing

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