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Lokales Brandenburg/Havel Alte Geschichte trifft auf moderne Technik
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05:03 29.08.2018
Das Siegel des Magdeburger Erzbischofs Wichmann von Seeburg aus dem Jahr 1161 unter dem Streifenlichtscanner. Quelle: Christine Lummert
Brandenburg/H

Seine größten Schätze fasst der Leiter des Domstiftsarchivs Uwe Czubatynski nur ganz vorsichtig und mit weißen Handschuhen an. Eine Urkunde aus der Gründungszeit des Domstifts, noch dazu mit dem originalen Siegel versehen, gehört zu diesen so wertvollen Stücken. Es stand jetzt im Mittelpunkt eines ganz besonderen Projekts.

In Magdeburg entsteht gerade das neue Dommuseum Ottonianum, benannt nach Kaiser Otto dem Großen (912-973), der im Madgeburger Dom bestattet wurde. Im Spätherbst soll der neue Kulturort eröffnen, der direkt gegenüber der Westfassade des Doms, im ehemaligen Gebäude der Reichsbank eingerichtet wird.

Domarchivleiter Uwe Czubatynski (r.) schaut Tim Pommerening beim 3D-Scan eines Siegels aus dem Jahr 1161 zu. Quelle: Christine Lummert

„Im Mittelpunkt der Dauerausstellung stehen Exponate, die einen Zeitraum abdecken, der von Otto dem Großen bis hin zum ausgehenden Mittelalter reicht“, sagte die Magdeburger Historikerin Sophie Hubbe. Vor allem archäologische Funde, die im und um den bedeutenden Sakralbau bei verschiedenen Ausgrabungen gemacht wurden, stehen im Fokus. Darunter sind auch Stücke, die dem Magdeburger Erzbischof Wichmann von Seeburg (etwa 1116-1192) zuzuordnen sind.

Genau dieser Kirchenmann führte die Ausstellungsmacher jetzt ins Domstift. Er hatte mit einer Urkunde und dem dazugehörigen Siegel im Jahr 1161 offiziell die Gründung des Brandenburger Domkapitels bestätigt.

Fachmann hat schon Nofretete-Büste gescannt

Mit einem 3D-Scanner wurde das Siegel dieser Gründungsurkunde jetzt ganz genau vermessen. „Das geht mit einem Streifenlichtscanner“, erklärte Tim Pommerening. Der Fachmann, der für die Berliner Spezialfirma Trigonart arbeitet, die vor einigen Jahren schon die weltberühmte Nofretete-Büste mit dem gleichen Verfahren ganz genau abgebildet hat, erklärte den Mitarbeitern des Domstifts die besondere Technik.

Viele Millionen Messpunkte

„Für die dreidimensionale Erfassung werden sogenannte Weißlichtstreifen in ganz engem Muster auf die Reliefoberfläche des Siegels projiziert, die dann durch zwei parallel laufende Videokameras aufgezeichnet werden.“ Aus den vielen Millionen Messpunkten, die so im Computer erfasst werden, kann dann ein dreidimensionales Abbild errechnet werden. Eine gute halbe Stunde dauert es, bis Pommerening das Siegel im Kasten hat.

Originalgetreue Kopie des Siegels soll entstehen

Dort soll es aber natürlich nicht bleiben. Die virtuelle Welt ist nur eine Zwischenstation. „Mit einem Fräsverfahren, ähnlich er CNC-Technik in der Industrie, wird eine originalgetreue Kopie des Siegels für das Magdeburger Dommuseum angefertigt“, sagte der Berliner Experte.

Die Mitarbeiter des Domstifts zeigten sich fasziniert von dem Verfahren. „In früheren Zeiten wurden natürlich auch schon Abdrücke von bedeutenden Siegeln für Sammlungen gemacht“, sagte Czubatynski. „Wie genau das im Gipsabdruckverfahren funktioniert hat, ohne das die Originale Schaden genommen haben, können wir nicht mehr richtig nachvollziehen.“

Der 3D-Scan funktionierte berührungslos, gibt Museumsbesuchern aber die Chance, selbst der Geschichte am Modell mit eigenen Händen nachzuspüren.

Von Christine Lummert

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