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Brandenburg/Havel Im Ratskeller braut sich wieder was zusammen
Lokales Brandenburg/Havel Im Ratskeller braut sich wieder was zusammen
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19:10 09.05.2016
Leona und Frank Heymann mit einigen ihrer Biersorten. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Wenigstens ein Anfang beim Wiederbeleben des seit 2005 leer stehenden Gastronomiekomplexes im Altstädtischen Rathaus: Die Stadt bereitet derzeit das Vermieten des ehemaligen Bierkellers vor, lediglich Formalitäten sind noch zu klären, bestätigt Bürgermeister Steffen Scheller. „Wir sind dabei, eine Umnutzungsgenehmigung zu erteilen. Das Konzept, welches uns der Interessent vorgelegt hat, erscheint vielversprechend.“

Der künftige Pächter ist Frank Heymann, der gemeinsam mit seiner Frau Leona Anfang vergangenen Jahres eine Privatbrauerei gegründet hatte. Im vergangenen Oktober haben sie ihren Produktionsstandort aufgeben müssen, sind seitdem auf der Suche nach einem geeigneten Objekt. „Der Start war hervorragend, auf Anhieb haben sich Liebhaber unserer Biersorten gefunden. Derzeit haben wir sehr viele Anfragen, müssen noch eine Weile mit den Restbeständen leben“, sagt Leona Heymann. Ihr Mann werde im Bierkeller als Brauer tätig sein, sie selbst arbeitet seit vergangenem Herbst als Lotsendienst-Chefin für Existenzgründer im Havelland, hat ihr Büro bei der Arbeitsfördergesellschaft Premnitz. Frank Heymann war zu Wochenbeginn im Ausland unterwegs.

Heymann will selbst den Braumeister geben

Die Biersorten heißen Onkel Rüdiger, Onkel Arthur, Fräulein und Herr Heymann oder Opa Helmut – die Palette reicht vom naturtrüben Weißbier bis zum Ale (obergäriges Bier aus gemälzter Gerste). Es gibt regionale Kooperationen, etwa mit der Mosterei Ketzür, die den Holunderblütensirup für das leichte Fräulein-Heymann-Ale liefert, das auch in der Ausflugsgaststätte „Neue Mühle“ erhältlich war.

Alles ist bei den Heymanns Handarbeit: Nicht nur das Brauen, sondern auch Etiketten kleben, Desinfizieren, Auswaschen und Befüllen der Flaschen, die einzeln per Hand verschlossen werden, ohne Automatisierung.

470 Quadratmeter

Fürs Betreiben der Gastronomie insgesamt 470 Quadratmeter Nutzfläche (ohne Garten) zur Verfügung.

Im Erdgeschoss gibt es das Restaurant mit 134,70 Quadratmetern Fläche und 80 Plätzen.

Der Gastraum im Kellergeschoss (Bierkeller) hat eine Fläche von 98,50 Quadratmetern.

Im Garten hin zur Straße am Parduin stehen 177,50 Quadratmeter für 50 Plätze zur Verfügung.

Seit 2005 steht die Gastronomie fast durchgehend leer.

„Der künftige Pächter ist nicht unbedarft beim Brauen, ihm eilt ein guter Ruf voraus“, lobt der Bürgermeister. Zudem habe er ein mehrstufiges Konzept vorgelegt. Mit dem reinen Brauen soll es losgehen sowie einem Direktvertrieb. Läuft es gut, wird auch vor Ort ausgeschenkt. Es sei sogar denkbar, dass der Pächter später den ganzen Ratskeller übernimmt. Seit 2005 versucht die Verwaltungsspitze den historischen Ort zu vermarkten, verstärkt noch einmal seit Herbst 2007 nach dem kompletten Sanieren des Rathauses. Dieses stellt mit seinen Staffelgiebeln und dem Maßwerk an den Eingangsportalen ein herausragendes Zeugnis norddeutscher Backsteingotik dar.

Immense Mietkosten im Ratskeller

Das Rathaus wurde in der Zeit um 1460/1480 erbaut. Seinem ursprünglichen Zweck diente das Rathaus bis zum Jahr 1715. Im Jahr 1911 erwarb die Stadt das baufällige Gebäude zurück und ließ es 1912 zum Festhaus der Stadt mit einem Restaurant im Erdgeschoss und vorgelagertem Rathausgarten und einem Festsaal im Obergeschoss umbauen. 2007 wurde auch der Ratskeller vollständig denkmalgerecht saniert. Die Küche ist mit einer Klimadecke sowie teilweise mit Küchengeräten ausgestattet. Im Lager befinden sich drei moderne Kühl- und Gefriereinrichtungen.

Immer wieder wurde nach Pächtern und Betreibern gesucht. Doch die verlangte Gesamtpacht von 2200 Euro plus Mehrwertsteuer sowie immense Betriebskosten durch die Gasheizung ließ potenziell Interessierte immer wieder zurückschrecken.

Auch Leona Heymann bremst nun etwas die Begeisterung. „Vorerst will mein Mann erst mal mit dem Brauen und Vertreiben anfangen. Es gibt bereits viele Nachfragen – von Gastronomen und Händlern wie auch von Privatpersonen.“

Von André Wirsing

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