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Im Schlamm gewühlt und Kunst gefunden

Poetry Slam im Brandenburger HdO Im Schlamm gewühlt und Kunst gefunden

Muss Kunst auch weh tun? Aua, das tat es. Nur war das leider anfangs keine Kunst. Was den acht Dichtern da am Freitagabend im Haus der Offiziere (HdO) am Freitagabend zu einem verstörenden Foto eingefallen ist.

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Blockflöte des Todes mit E-Gitarre: Matthias Schrei.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Kunst muss auch weh tun? Aua, das tat es. Nur war das leider anfangs keine Kunst. Was den acht Dichtern da am Freitagabend im HdO zum verstörenden Foto (dicker Mann, nur mit String-Tanga bekleidet, im Vierfüßlerstand mit Hunde-Halstrichter) spontan aus der Feder floss, versprach zwar die Aussicht auf weitere unterhaltsame, kreative Texte, bediente aber erst einmal die unterste Schublade des Humors. Frei nach der Idee, schön versaut, mit Worten, wie Sperma und Oralsex um sich zu werfen, funktioniert immer, riefen die Texte natürlich wie auf Bestellung eunuchenähnliche Brüller hervor.

Wer die pornografische Runde überstanden hatte, bekam zum Lohn dann doch noch anspruchsvolleres Material für die nach Sprachgewalt dürstenden Ohren. Juston Buße, las einen Text aus seinem druckfrischen Buch „Der neue Job“. Das sind 15 Geschichten, die von Jobs erzählen, zu denen der Autor von der Arbeitsagentur gezwungen wurde. Dem entwindet er sich und bitterböse, zynisch bissige Worte sprudeln aus seinem Mund, als er stattdessen einen Redner im Park mimt, an einem selbst eingerichteten Speakers Corner und mit frauenfeindlichen, spießbürgerlichen Hasstiraden den Nerv der sich versammelnden Menge trifft.

Piet, der einzige Brandenburger Slammer, lässt es thematisch ganz aktuell brennen. Sein Text zur unverständlichen Abneigung gegen Flüchtlinge liest er vom Handy ab. Vers-Torben lernt das Erziehungs-Outsourcing im Supermarkt am eigenen Leibe kennen. Samson, träumt von einer Pflegestufe, weil er eh viel lieber sitzt und findet, dass die Beine der neue Blinddarm des Menschen sind und Giovi, der Italiener aus Tirol mit Hut, hat lieber Bücher in den Ohren, oder im Kühlschrank, oder im Spülbecken, als Bretter im Kopf.

Vux, die an diesem Abend auf der HdO-Bühne gleich mehrere Liebeserklärungen bekommt, raucht lieber eine Zigarette Misanthropie und lässt die Hüften schwingen, weil: „Tanzen ist am schönsten im Licht einer brennenden Welt“. Sie ist eine verzweifelte Rebellin: „Wozu rebellier’n? Fang mich ein, gliedere mich ein, will nicht mehr alleine sein“. Doch der Gewinner des Abends ist eindeutig Luise. Rotzigfreche Worte wählt auch sie und schickt ihren Amor nicht mit einem lumpigen Pfeil, sondern gleich mit einem Raketenwerfer los. In Richtung Vux.Tiefe Verehrung für die Slamkollegin brennt in der 18-Jährigen, die so ehrlich daher kommt, dass selbst das Publikum ganz gerührt ist, als sie sagt: „Würdest du ein Buch schreiben, müsste ich jede Seite umknicken, weil sie mir so gut gefällt“.

Matthias Schrei, alias die Blockflöte des Todes, zu erleben, ist ebenso verstörend , wie lebensverändernd. Der 34-jährige Wortakrobat und Multi-Instrumentalist dreht und fummelt an seiner Gitarre, während er schwarzhumorig erzählt. Ob er nun zum „Mampfe Mango mit mir“ oder zur „Pigamie“ mit Frauen Mathe lernt, seine Texte sind skurril, überraschend, herrlich spaßig. Aber auch bitter, als er „Mit Krücken“ anstimmt. Damit könne er Mücken zerdrücken, singt er, und dass er sich zum ersten Mal über seine Gehbehinderung gefreut habe.

Von Ina Schidlowski

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