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Brandenburg/Havel Im Zuchthaus zugrunde gegangen
Lokales Brandenburg/Havel Im Zuchthaus zugrunde gegangen
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07:57 04.06.2018
Johannes Wüsten mit Gattin Dorothea in seinem Atelier in Görlitz. Das Foto entstand um 1930 Quelle: Repro: Sammlung Hesse
Brandenburg/H

Johannes Wüsten ist als vielfachbegabter linker Künstler überliefert. Er wirkte als Maler, Grafiker, Keramiker, Erzähler, Lyriker und Dramatiker, wechselte wiederholt von der Literatur zur Bildenden Kunst und umgekehrt.

Dabei thematisierte Wüsten mit wachsendem Engagement gesellschaftskritische Themen bis hin zur eindeutigen Kritik am NS-Staat. Und das hatte Folgen. Wüsten musste ins Exil und kam nach Verhaftung sowie Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus in Brandenburg auf dem Görden in Haft, wo er vor 75 Jahren an Tuberkulose verstarb.

Der erhaltene Teil seines umfangreichen Lebenswerkes fand allerdings nach 1945 wenig Verbreitung. Heute ist der Künstler in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Eine Ausnahme bildet seine langjährige Wirkungsstätte Görlitz.

Auswahl von Werken

Ein Großteil des künstlerischen wie auch literarischen Werkes von Jihannes Wüsten gilt als verloren. Viele Werke sind nach seinem Tode erschienen. Auswahl:

„Semper die Mumie“ und „Ywon“ erschienen 1921 in Hamburg.

„Die Lehre von Mariastern“ kam 1935 in Prag heraus, allerdings unter WüstensPeter Nikl“.

Vermutlich 1942 kam in LondonBessie Bosch“ heraus.

„Das Leben einer Buhlerin und andere Malergeschichten“ erschien 1951 in Berlin.

Weinsberg“ kam 1958 in Berlin heraus.

„Der Strom fließt nicht bergauf“ (Originaltitel Rübezahl) wurde 1963 in Rudolstadt verlegt.

„Drei Nächte des Jan Bockelson und anderes aus dem Erzählwerk“ wurde im Jahre 1972 in Rudolstadt veröffentlicht.

„Die Verrätergasse“ kam 1980 in Berlin heraus.

Johannes Wüsten wurde am 4. Oktober 1896 in Heidelberg geboren. Sein Vater war ein freireligiöser Prediger. Seine Mutter war die vermögende Tochter eines Schuhfabrikanten. Nach der Versetzung des Vaters nach Görlitz wuchs der Junge ab 1897 überaus behütet in der geschichtsträchtigen Neißestadt auf.

Seine Mutter war es, die sein Interesse auf die Kunst, Literatur und Geschichte lenkte. Der Predigersohn besuchte das Görlitzer Gymnasium. Nach einer Waffenaffäre flog er von der Schule.

Johannes Wüsten (1896-1943) zeichnete und aquarellisierte die Illustrationen für sein Heimatspiel "Die Verrätergasse", uraufgeführt 1932 in Görlitz. Quelle: Heiko Hesse

Anschließend absolvierte Wüsten in Dresden eine Lehre zum Kunsttischler. Dabei wuchs sein Kunstverständnis, das ihn 1914 bewog, in die damals blühende Künstlerkolonie Worpswede zu wechseln.

Hier kam er als Schüler in die Obhut von Heinrich Vogeler und Otto Modersohn. In der Naturidylle entwickelte sich Wüsten zum bildenden Künstler mit Bezug zu aktuellen Kunstströmungen. Danach arbeitete er kurz in einer Keramikfabrik in Bunzlau.

Der Erste Weltkrieg machte auch um den jungen Künstler keinen Bogen. 1916 wurde Wüsten eingezogen. An der Ost- und Westfront erlitt er mehrere Verwundungen, sammelte prägende Erfahrungen und gelangte zu gesellschaftskritischen Einsichten, die seine Selbstfindung als Künstler beförderten.

Vor den Toren der Stadt, am Rande des Gördenwaldes, ist das Zuchthaus in den 1920er Jahren errichtet worden - hier auf einem Foto um 1929. Das Foto ist in der Dauerausstellung zur Zuchthaus-Geschichte in der alten Direktorenvilla zu sehen. Quelle: Heiko Hesse

Nach dem Krieg ließ er sich zunächst in Hamburg als freischaffender Künstler nieder. Er wirkte als Expressionist, gehörte zu den Gründungsmitgliedern der „Hamburgischen Sezession“, schrieb seine erste Novelle, unternahm eine Studienreise durch die Niederlande mit dem Studium der alten Meister und vertiefte sich in die Keramik.

1922 kehrte Wüsten nach zwei gescheiterten Kurzehen auf Dauer nach Görlitz zurück. Er richtete eine Werkstatt für Keramik sowie Fayence ein, übernahm 1929 das Atelier von Erna von Dobschütz, seiner früheren Lehrerin und zählte zwischendurch zu den Gründungsmitgliedern der Görlitzer Malerschule, wobei er die Grafikklasse leitete.

Aufsätzen über die Lausitz und Schlesien

Dazu engagierte er sich angesichts der wachsenden faschistischen Gefahr immer stärker politisch. Das schlug sich in seinen historischen Aufsätzen über die Lausitz sowie Schlesien, in seinen gesellschaftskritischen Illustrationen und vor allem in seinen Novellen sowie Bühnenstücken nieder.

Wüsten löste sich als Künstler in diesen Jahren vom Expressionismus, wandte sich der Neuen Sachlichkeit zu und näherte sich der proletarisch-revolutionären Kunst an.

1932 Eintritt in die KPD

Für das Arbeiterensemble „Rote Bühne“ verfasste er das Schauspiel „Verrätergasse“, das 1932 in Görlitz Premiere hatte und anschließend auch in anderen Städten zur Aufführung gelangte. Im gleichen Jahr trat er der KPD bei. Das war sein Bekenntnis gegen die Nazis.

Nach deren Machtergreifung übernahm Wüsten die Leitung der illegalen Görlitzer KPD. Er organisierte Flugblattaktionen und die Flucht verfolgter Mitglieder ins Ausland.

Flucht aus Prag

Aber 1934 blieb auch ihm nur der Weg ins Exil. Wüsten lebte bis 1938 in Prag, schrieb und zeichnete für einige antifaschistische Zeitungen und verfasste 1937 seinen „Rübezahl“-Roman. Darin schildert der Autor den Berggeist als Beschützer der Armen sowie rebellierenden Weber des Riesengebirges. Doch in der „Internationalen Literatur“ gab es zunächst nur einen Vorabdruck. Der Einmarsch der Nazi-Truppen 1938 verhinderte die Buchveröffentlichung und zwang ihn zur erneuten Flucht.

Wüsten gelangte auf Umwegen nach Paris. Er schuf dort seine „Malergeschichten“ und wurde im September 1939 interniert. Er konnte fliehen und tauchte in Paris unter.

Von der Gestapo aufgegriffen

1941 wurde er „krank und halb verhungert“ aufgegriffen, von der Gestapo nach Berlin-Moabit gebracht und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ vom sogenannten Volksgerichtshof zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Wüsten war an Tuberkulose erkrankt. Im Brandenburger Zuchthaus starb der Künstler am 26. April 1943.

Nur ein Teil seiner Arbeiten blieb erhalten und wurde nach 1945 anteilig in der DDR veröffentlicht. Der Rübezahl-Roman erschien 1963 unter dem Titel „Der Strom fließt nicht bergauf“ und fand überregionale Verbreitung. Dazu gab es nach 1945 Ausstellungen in Berlin, Hamburg, Dresden, Heidelberg, in denen Arbeiten des Künstlers zu sehen. Vor allem in Görlitz zeigte man seine Werke.

Die letzten Zeilen, die Johannes Wüsten (1896-1943) im April 1943 aus dem Zuchthaus Brandenburg an seine Schwester schrieb. Er war an TBC erkrankt. Quelle: Sammlung Hesse

Die Kataloge bieten für Kunstfreunde einen interessanten Einblick zum Schaffen von Wüsten. 2007 brachte der MDR in der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ einen Beitrag über ihn.

In Görlitz erinnern ein Denkmal, eine Straße mit seinem Namen und neuerdings auch im „Kaisertrutz“, einem Teil des Kulturhistorischen Museums in Görlitz, eine Dauerausstellung mit dem Bereich „Johannes Wüsten, sein Kreis und der moderne Kupferstich“ an den herausragenden Künstler.

Von Martin Stolzenau

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