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In der Spirale der Organisierten Kriminalität

Brandenburger Geschäftsführer verurteilt In der Spirale der Organisierten Kriminalität

Die Richterin sieht einen Brandenburger der seit 20 Jahren in Deutschland lebt, als großen Verlierer. Der ehemalige Geschäftsführer einer Baufirma hat 2,2 Millionen Euro Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile auf Kosten der Sozialkassen unterschlagen. Doch heute hat er eine halbe Million Euro Schulden. Wurde er zum Bauernopfer?

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Betrug am Staat geahndet.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. „Unterm Strich ist er der große Verlierer“, erklärte Richterin Bettina Thierfeld im Potsdamer Amtsgericht, als sie über den ehemaligen Unternehmer Fatmir T. (Name geändert) urteilte. Der 42-Jährige aus Brandenburg an der Havel hat im Jahr 2014 in seiner Baufirma, die unter anderem den eingestürzten Rewe-Markt in Falkensee (Havelland) wieder mit aufbaute, mehr als 2,2 Millionen Euro Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile auf Kosten der Sozialkassen unterschlagen. Zwei Jahre auf Bewährung und 150 Sozialstunden lautete das Urteil gegen den Familienvater in dieser Woche.

Eigentlich war Fatmir T. stets ein unbescholtener Bürger. Er hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Die Integration gelang nicht komplett bei dem Vater einer heute 14-jährigen Tochter. Eine Ausbildung konnte der Kosovo-Albaner nie beenden, spricht nach 20 Jahren in Deutschland nur gebrochen Deutsch. Das Abitur hatte er im Kosovo unterbrechen müssen, als er wegen des Krieges floh. Hierzulande wurde er lediglich als Eisenflechter angelernt.

Ihm wurde das schnelle Geld versprochen

Als er von einem Mann namens „Dragan“ in einem Restaurant angesprochen wurde, versprach der ihm das schnelle Geld. Er ließ sich darauf ein und geriet offenbar in eine Spirale des organisierten Verbrechens, wie der Staatsanwalt in seinem Plädoyer anmerkte. Fatmir T. ließ sich zum Geschäftsführer machen und wurde damit zum Strohmann, dem nach eigenen Angaben nie bewusst war, wie viel Geld wirklich abgezweigt wurde. Den vollen Namen des Hintermannes kennt T. nicht oder er verrät ihn nicht. „Er hat Angst, dass er mit seinem Leben bezahlt“, bemerkte sein Verteidiger Horst-Holger Winzer. Ein Zeuge bestätigte während des Gerichtsverfahrens die Existenz des Mannes. Manche nannten ihn „Dragan“, andere „Toni“. Auf dem Bau soll er als Polier tätig gewesen sein.

Involviert war auch ein Berliner Steuerunternehmen, das von den Zollbehörden wegen etlicher Verstrickungen dieser Art bereits ins Visier genommen wurde. Doch bei der Durchsuchung fanden die Beamten dort keinerlei Unterlagen oder Computer. Auch in der 2015 aufgelösten Brandenburger Firma Puplaki in der Kurstraße 68, die lediglich ein Jahr unter der Geschäftsführung von Fatmir T. agierte, war das der Fall. „Das Ganze lässt darauf schließen, dass wir es mit einem Unternehmen zu tun haben, das hochprofessionell vorgegangen ist“, sagte der Staatsanwalt. Nicht etwa im Graubereich, vielmehr im Bereich der illegalen Schwarzarbeit.

Brandenburger hat mehr als eine halbe Million Euro Schulden

Allein im September 2014 verfügte Fatmir T. über 200 000 Euro, von denen er zumeist selbst die Gehälter seiner Angestellten in bar bezahlte. Die hatten legale Arbeitsverträge. Auf die Schliche kamen ihm die Zollfahnder durch eine Anzeige der Berliner Volksbank, die den Verdacht auf Schwarzgeldwäsche hatte. Der Brandenburger sitzt heute auf rund 560000 Euro Schulden. Als Kranfahrer verdient er in Brandenburg an der Havel rund 1500 Euro. Vermögen, war sich die Richterin sicher, hat er durch seine Taten nicht angehäuft. Nun zahle er sein Lehrgeld ab, denn die Familie werde große Probleme bekommen, die Restschulden an das Finanzamt abzuführen.

Strafmildernd wirkte sich auf das Urteil nicht nur das frühere straffreie Leben von Fatmir T. aus, sondern auch sein Geständnis. „Der Angeklagte hat Glück gehabt“, sagte die Richterin, die mit ihrer Strafe sechs Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft lag. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Christin Iffert

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