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Brandenburg/Havel In die Nase gebissen: Prozess um den Gewaltausbruch eines Psychose-Kranken
Lokales Brandenburg/Havel In die Nase gebissen: Prozess um den Gewaltausbruch eines Psychose-Kranken
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11:12 30.11.2018
Im aktuellen Prozess vor dem Landgericht Potsdam geht es nicht nur um Bestrafung, sondern auch um die Frage, ob der Angeklagte anderthalb Jahre nach dem Angriff auf seine Freundin in die Psychiatrie eingewiesen wird. Quelle: Uli Deck/dpa
Brandenburg/H

Wer die Worte des Staatsanwaltes hört, vermutet, dass ein brutaler Schläger angeklagt ist vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Potsdam. Doch Sascha S. (29) wirkt auf seiner Anklagebank eher höflich, bedächtig und über sich selbst erschrocken.

Für den jungen Brandenburger geht es in dem mehrtägigen Strafprozess vor allem um die Frage, ob die Richter ihn zwangsunterbringen in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Der 26. März 2017 scheint eine Zäsur darzustellen im Leben des Metallbearbeiters, der als Kind wegen seiner Konzentrationsstörungen eine Förderschule besucht, später aber seine Lehre erfolgreich beendet hat.

Schicksalstag

An dem besagten Vormittag gipfelt sein in den vorherigen Monaten und Jahren unstetes, von Drogenkonsum geprägtes Leben in einen Ausbruch von Gewalt. Schon längere Zeit lebte Sascha S. mit seiner fünf Jahre jüngeren Freundin in einer gemeinsamen Wohnung in Nord. Beide haben sich 2015 in der Psychiatrie des Asklepios-Fachklinikums kennengelernt.

Trotz ihrer Krankenvorgeschichte verstehen sich beide Partner zunächst sehr gut. Doch die Beziehung, die sie dominiert, wird schlechter. Beide Partner gehen fremd, es gibt immer häufiger lautstarke Auseinandersetzungen, allerdings stets nur mit Worten, nie handgreiflich. Cannabis gehört zum Alltag des Paares, das nicht oder höchstens sporadisch arbeiten geht.

Am 26. März des vergangenen Jahres macht Sascha S. die Nacht durch, raucht Cannabis, trinkt Bier und nimmt bei seinen Nachbarn, die „tonnenweise Rauschmittel verbrauchen“, wohl auch Speed ein. Am frühen Morgen weckt er seine Partnerin, die in der Zeit keinen Sex mehr mit ihm will.

Biss in die Nase, dass sie blutet

Schnell geht das Geschrei los, auf beiden Seiten. Sascha S. erinnert sich nur noch daran, dass er irgendwann „über das Sofa gehoppelt ist“. Was dann geschieht, bestreitet er nicht, doch hat er den Ablauf offenbar nicht mehr vor seinem geistigen Auge.

Er schubst seine Freundin aufs Sofa, wirft sich auf sie, würgt sie, beißt ihr in die Nase, dass sie blutet. Als sie um Hilfe schreit, reißt er ihren Mund auf, fasst mit der Hand hinein und ruckelt ihren Kopf hin und her, sodass der Nacken knackt.

Die junge Frau versichert als Zeugin vor Gericht, dass ihr Sascha dabei keinen Sex erzwingen wollte, sondern nur nicht mehr Herr seiner Sinne war, als Schizophrener in dem Moment seine böse Seite zeigte.

Pistole auf ihre Füße gerichtet

Das alles dauert nicht sehr lang, sie stößt ihn mit den Beinen von sich, er lässt sie gewähren. Sie flüchtet sich ins Schlafzimmer und schließt ab. Er bricht die Tür auf und steht mit seiner – nicht geladenen – Gasdruckpistole, für die er keinen Waffenschein hat, vor ihr. Er droht, ihr in die Füße zu schießen, und zielt entsprechend. Dann gibt er einen Schuss in die Luft ab und zielt erneut auf ihre Füße.

Schließlich lässt er sie gehen. Die junge Frau bringt sich bei einem Freund in Sicherheit und zeigt den Partner an. Nach diesem einmaligen Gewaltausbruch leben die beiden zwar nicht mehr zusammen, „doch er schläft bei mir im Bett“, versichert die Zeugin dem Gericht.

Beide weinen im Gerichtssaal. Sascha S., der nach der Tat vier Wochen lang in der Psychiatrie behandelt wird, nimmt seither Antidepressiva und andere Medikamente. „Nach der Klinik war er wie ausgewechselt, wieder komplett normal, wieder mein kleiner Sascha“, versichert die Zeugin Gericht.

Psychotische Störung

Allerdings hat der Wandel seinen Preis, denn die Nebenwirkungen der Medikamente sind: Er hat seither von 66 auf 86 Kilo zugelegt.

Der Angeklagte hat nach eigenem Bekunden seit Februar eine feste Arbeit und nimmt keine Drogen mehr. Er wolle irgendwann heiraten, Kinder haben und ein Haus bauen, berichtet er.

Nach den Aussagen des psychiatrischen Sachverständigen leidet der Angeklagte an einer psychotischen Störung, womöglich einer Schizophrenie.

Einweisung

Die Strafkammer wird an den nächsten Prozesstagen nicht nur über die gefährliche Körperverletzung befinden und darüber, ob Sascha S. zur Tatzeit womöglich ganz oder eingeschränkt schuldfähig war. Zentral geht es um die Frage, wie gefährlich er womöglich ist und ob die Richter in seine Freiheitsrechte eingreifen müssen.

Von Jürgen Lauterbach

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