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Insektenpapst gibt seine Sammlung ab

Klaus Liebenow ist einer der letzten Entomologen Insektenpapst gibt seine Sammlung ab

Klaus Liebenow gibt nach fast 50 Jahren Insektenforschung seine riesige Sammlung an das Naturkundemuseum in Berlin ab. „Es ist keine Entscheidung, die Hals über Kopf zu treffen war. Aber ich möchte die Dinge aufarbeiten, so lange ich es noch selbst kann“, erzählt der 79-Jährige, bekannte Entomologe.

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Klaus Liebenow hat Käfer und Wanzen in mehr als 250 Schaukästen katalogisiert.

Quelle: J. Steiner

Brandenburg an der Havel. So sind beispielsweise noch einige Dublettenkästen zu vervollständigen – Ordnung muss schließlich sein. Im August ist es 50 Jahre her, dass der junge Lehrer für Biologie und Polytechnik in einem Lehrgang am Deutschen entomologischen Institut in Eberswalde saß und sich die ersten Kenntnisse über die Krabbeltierchen erwarb.

Er selbst sammelte damals noch in Zigarrenkisten, weil die Schaukästen nur schwer zu bekommen waren. An seinen Arbeitsstätten wie der Neubauerschule am Dom fand er alte Insektensammlungen. Doch waren oft nur noch die Nadeln da, weil die Käfer unsachgemäß gelagert waren und somit von Artgenossen wie Museumskäfern abgefressen werden konnten. Später bekam er von dem Berliner Museum die Kästen. In Absprache mit den Fauna-Profis sollte er sich zudem spezialisieren – also wählte Liebenow den Schmalbock.

Sein eigentliches Interesse galt immer den Borkenkäfern, auch wenn sie einen zweifelhaften Ruf haben. „Das lag sicher daran, dass ich immer mal Förster werden wollte.“ Im Potsdamer Wildpark beispielsweise hat er den Efeu-Borkenkäfer entdeckt und vor 20 Jahren im Auftrag des Landes auf die Rote Liste gesetzt. Heute darf er noch nicht einmal mehr nachschauen, was aus der Population geworden ist – eine Sammelerlaubnis gab es nur noch für die Kreise Mittelmark, Havelland und die Stadt Brandenburg.

Im Auftrag des Käfers

Seit nunmehr 50 Jahren beschäftigt sich Klaus Liebenow mit Insekten, seit 25 Jahren auch mit Wanzen.
80.000 Insekten hat er präpariert und katalogisiert, davon sind etwa 30.000 Wanzen.
Die besten Stücke verwahrt er in mehr als 250 Schaukästen.
Etwa 5500 Arten an Insekten gibt es im Land Brandenburg, darunter sind allein 80 Käferfamilien.
Mehr als 300 Bände Insektenliteratur stehen in seinen Bücherregalen.
Eines der Standardwerke „Fauna Germanica“ wurde von Edmund Reitter 1911 herausgegeben. Liebenow erstand es zu DDR-Zeiten für 75 Mark, heute kostet das fünfbändige Werk 300 Euro.
Expeditionen unternahm Liebenow unter anderem nach Spanien, Portugal oder Zypern. Allein in Griechenland war er 14-mal im Auftrag des Käfers.
Eine Fachgruppe Entomologie mit sechs Mitgliedern trifft sich regelmäßig in Brandenburg an der Havel, die Mitstreiter kommen aus Rathenow, Garlitz, Dessau und Genthin.
Die deutsche Bürokratie behindert die Insektenforschung. Um die Tierchen zu sammeln, brauchte er eine Ausnahmegenehmigung vom Landesumweltamt zum Naturschutzgesetz – vier Seiten Antrag waren in achtfacher Ausfertigung auszufertigen, bis er die Genehmigung bekam.

Das war früher einfacher. Richtig glücklich war er im Lehrerberuf wohl nicht, erst recht nicht als er zum „Fachberater Polytechnik“ geschlagen wurde. Da fand sich eine Stelle im Pionierhaus – dort baute er den Fachbereich Umweltschutz auf und leitete bis vor wenigen Jahren eine Arbeitsgemeinschaft „Junge Insektenforscher“. Die Kinder waren mit Feuereifer dabei, vor allem bei Spezialistenlagern in Lehnin.

Dabeigeblieben ist später keiner. „Unsere Gattung stirbt aus. Es gibt dann nur noch wenige Entomologen, die Geld dafür bekommen, dass sie Umweltverträglichkeitsgutachten schreiben.“ Ein Grund mehr, die Insekten-Sammlung nun dem Museum zu überlassen.

Aber für Gerda und Klaus Liebenow gibt es noch einen anderen Grund. In ihrer Wohnung in Nord können sie wohl nicht bleiben, sie sind die letzten Mieter in ihrem Aufgang. Dort muss die Wobra irgendwann sanieren. „In den leer stehenden Wohnungen müssen die Fußböden, Innentüren instandgesetzt und die Wände renoviert werden“, sagt Geschäftsführer Klaus Deschner. Liebenow spricht auch von teilweisem Schimmelbefall. Die Wobra plant aber erst im kommenden Jahr ihre anstehenden Sanierungen.

Einige Gespräche mit dem Ehepaar gab es schon, sagt Deschner. Liebenow bestätigt dies, beklagt aber, dass es „weder Verbindliches, noch Schriftliches“ gebe. Mann lasse das Ehepaar nicht hängen, verspricht Deschner. „Ende Juni wären wir sowieso noch einmal an die Familie herangetreten. Wir werden einige Angebote unterbreiten und die Liebenows auch unterstützen.“

Von André Wirsing

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