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Irakische Lyrik: Autorinnen lesen im Theater

Brandenburg/H. Irakische Lyrik: Autorinnen lesen im Theater

Literatur, geschrieben und veröffentlicht von irakischen Frauen? Frauen, die nicht geflüchtet sind, Frauen wie Amal Ibrahim al-Nusairi (Jahrgang 1969), die in Bagdad lebt und schreibt. Sie hat vier Söhne und eine Tochter. „Der Himmel, so nah“ lautet der Titel eines Gedichts von ihr. Gemeinsam mit einer Autorenkollegin las die Lyrikerin jetzt im Brandenburger Theater.

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Amal Ibrahim al-Nusairi (l.) und Laila Chamaa.

Quelle: Foto: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H. Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Und auch viele kleine Schritte führen zum Ziel. Aber Literatur, geschrieben und veröffentlicht von irakischen Frauen?

Frauen, die nicht geflüchtet sind, Frauen wie Amal Ibrahim al-Nusairi (Jahrgang 1969), die in Bagdad lebt und schreibt. Sie hat vier Söhne und eine Tochter. „Der Himmel, so nah“ lautet der Titel eines Gedichts von ihr. Von der Sorge der Mutter um die Tochter handelt es, von den Launen der Männer (unsicher wie Treibsand), von dem Glauben an Gott, von Liebe und von Enttäuschungen, und von Krieg. „Komm lass uns beten, Krieg um Krieg, lass uns den Toten gratulieren zu ihrem Frieden. Im Schlaf habe ich sie gesehen. Sie lächelten. Da habe ich verstanden: Wir sind ein einziger Witz.“

„Mit den Augen von Inana“ heißt das Buch, das die Journalistin Birgit Svensson herausgegeben hat mit Gedichten und Geschichten von 19 irakischen Autorinnen. Zwei der schreibenden Irakerinnen, neben Amal Ibrahim al-Nusairi war es noch Wafa’ al-Rabi’i (geboren 1957 in Bagdad), und die Herausgeberin haben es am Montagabend in der Gesprächsreihe „Im Dialog“ Im Brandenburger Theater vorgestellt. Das Buch ist 2012 zunächst in Bagdad auf Arabisch erschienen und war schnell vergriffen. 2015 ist es dann in deutscher Übersetzung veröffentlicht worden. Inzwischen liegt es auch in französischer Sprache vor. Besonders stolz ist die Herausgeberin darauf, dass alle Versionen des Buches im Irak auf einer deutschen Maschine gedruckt worden sind.

Mit den Augen von Inana

Die Frauen aus de Schreibwerkstatt haben für das allererste Buch, das im Irak ausschließlich Texte von Frauen veröffentlicht, diesen Titel gewählt.

Inana war eine der großen sumerischen Göttinen. Sie wurde als Morgen- und als Abendstern verehrt. Ihre heilige Stadt war Uruk.

Sie war die Göttin der Liebe und des Geschlechtslebens. Sie war süchtig nach Krieg und Eroberung.

Inana gilt als Göttin aller Weiblichkeit, aber auch als Göttin des Königtums und Herrscherin.

Wer könnte besser als Inana die Vielfältigkeit der irakischen Frauenseele versinnbildlichen.

Arabisch ist eine melodische Sprache. Sie kann aber auch hart klingen. Die beiden Autorinnen lasen ihre Gedichte zunächst auf arabisch vor. Es war ein Erlebnis, eine Sprache gesprochen zu hören, von der man kein Wort versteht. Doch Amal Ibrahim al-Nusairi, die nicht deutsch spricht, fühlte sich ganz offensichtlich wohl in ihrer Muttersprache.

Die Dolmetscherin und Übersetzerin Leila Chamaa – sie hat auch einen Teil der Texte im Buch übersetzt – hat die Gedichte anschließend auf Deutsch vorgelesen und auch die Podiumsdiskussion souverän und flüssig gedolmetscht, so dass im Anschluss an die Lesung ein munteres Gespräch mit den Zuhörern in Gang kam. Inka Thunecke, Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg, hat moderiert.

Die Journalistin Birgit Svensson lebt und arbeitet in Bagdad, ganz freiwillig. Freitags ist sie am liebsten in der Mutanabi-Straße unterwegs, der großen und beliebten Büchermeile in Bagdad, wo jeder Bücher kaufen und verkaufen kann. Hier hatte sie auch die Idee, die Frauenliteratur im Irak zu fördern.

Kamen zum ersten Literaturworkshop, den sie veranstaltet hat, nur 15 Frauen, so kamen zu den folgenden Schreibseminaren schon 25 und mehr. Die schreibenden Frauen im Irak werden immer mutiger, trauen sich immer öfter zu Festvals zu fahren und ihre Texte öffentlich zu lesen. „Schreiben ist Leben“, habe eine Teilnehmerin gesagt.

„Ist es gut, dass Saddam Hussein gestürzt wurde, oder hat er das Land stabilisiert?“ so lautete eine Frage aus dem Publikum. „Es ist gut, dass er gestürzt wurde“, sind sich alle einig. Dass jetzt Chaos, Krieg und Terror herrschten, das sei auch der 35-jährigen Gewaltherrschaft von Saddam geschuldet, sagt Amal Ibrahim al-Nusairi. Er habe das Land zerstört. Er habe es in den Iran-Irak-Krieg geführt, in den Kuweit-Krieg, er sei schuld gewesen an der Besetzung des Irak, er sei verantwortlich gewesen für kulturelle und wirtschaftlich Sanktionen. Saddams Nachfolger haben seine Politik leider fortgesetzt.

„Jetzt wächst eine neue Generation heran. Die irakische Gesellschaft versucht, das Land wieder aufzubauen, wenn auch zunächst in kleinen Schritten“, so Amal Ibrahim al-Nusairi. Es wäre schön, wenn einzelne Projekte unter internationaler Schirmherrschaft realisiert werden könnten.

Von Ann Brünink

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