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Jahrzehntelange Geduldsarbeit

Edwin Pekrul züchtet Bonsai und Ginkgo Jahrzehntelange Geduldsarbeit

Vergessen Sie den „Zimmerbonsai“ aus dem Baumarkt! Wer die edlen Bonsai-Gehölze in Vollendung sehen möchte, sollte sich am Wochenende nach Havelberg aufmachen, wo sie in der Stadtkirche Sankt Laurentius unter dem Motto „Kleiner Baum ganz groß“ gezeigt werden. Oder gleich zur Baumschule Pekrul nach Marzahne fahren.

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Edwin Pekrul hat praktisch ein Abonnement auf Buga-Medaillen: Vor zwei Jahren bei der IGS in Hamburg brachte er 19 Stück davon nach Hause.

Quelle: J. Steiner

Marzahne. Hier hütet Edwin Pekrul seine Schätze im wahrsten Sinne des Wortes. „Als Bonsai taugen alle heimischen Arten. Man braucht aber unendlich viel Zeit, Geduld und Liebe.“ Von den so genannten Zimmerbonsais lässt er höchstens die Bayanfeige (Ficus microcarpa) durchgehen. Ungleich spannender geht es allerdings in seiner Baumschule und in seinem privaten Bonsai-Reich zu. „Ich verwende überhaupt keine Japan-Importe. Die heimischen Gewächse geben genug her. Und fast alle Bäume habe ich selbst gestaltet“, erzählt der 74-Jährige.

Blutbuche, Latschenkiefer, Schwarzkiefer – sie alle gibt es in Miniaturausführung. Einen besonders schönen Pinus sylvestris (Waldkiefer) nennt er liebevoll „Claudia Schiffer“, weil er so toll gewachsen ist. Es finden sich aber auch Zieräpfel und Japanische Blütenkirschen in Pekruls Garten – alle von Hand aufgezogen.

Bonsai kommt aus dem Japanischen und bedeutet nichts anderes als „Baum im Gefäß“: Der Baum wird klein gehalten und dazu schön und natürlich geformt, dies geschieht durch Beschneiden und Einengen der Wurzeln in kleinen Gefäßen mit harter, wenig gedüngter Erde. Alle zwei, drei Jahre ist ein Umtopfen nötig. Und immer wieder schneiden und zupfen – der Meister ist nie ohne seine Gartenschere unterwegs.

Aber nicht mit so einem Krummsäbelmonster wie wir es kennen, vielmehr benutzt er ein gerades und schlankes Schneidgerät. Eine „Damenschere“ für 8,50 Euro tut die besten Dienste. Mindestens eineinhalb Stunden täglich gießt er seine Kreationen – sie müssen ständig feucht gehalten werden, dürfen aber auch nicht dauernd nasse Füße haben.

„Das Beschäftigen mit Bonsai ist ein geduldiges Lernen von der Natur, ist das Bemühen, die Schönheit alter Bäume nachzugestalten“, hat Wilhelm Elsner in seinem in der DDR erschienenen Bonsai-Buch schon 1985 geschrieben. Er war einer der Väter der unzähligen Bonsai-Clubs, wie sie in allen größeren Städten entstanden, nachdem die Welle in den 1980er-Jahren über England nach Deutschland schwappte. „Wir haben damals eine sehr schöne Ausstellung im Museumshof veranstaltet – da kamen mehr als 10.000 Menschen“, erinnert sich Pekrul.

Er hat den Meistern viel abgeschaut, neben Elsner ist das Hermann Göritz – der einzige schon zu DDR-Zeiten freischaffende Gartenarchitekt. Zudem der Landschaftsarchitekt und Floristmeister Peter Herling, der unzählige IGA-Schauen in Erfurt gestaltete. Er wird auch die Bonsai-Schau in Havelberg dekorieren.

Unter anderem auch mit Ginkgo, Pekruls zweiter Leidenschaft. Auch da gibt es neben dem klassischen Ginkgo Biloba Abwandlungen in Ahorn und Ulme. Vorhandene Bäume in der Brandenburger Linienstraße hat er teilweise dafür genutzt, einzelne Reiser veredelt und zu neuen Bäumen gezogen. „Die gab es schon ganz früh in Europa wie Steinkohleabdrücke beweisen. Über China wurden sie wie der Mammutbaum oder Sumpfzypresse in die neue Zeit gerettet.“

Leidenschaftlich spricht Pekrul über den Ginkgo, lobt seine Riesenvorteile – gerade heute als Straßenbaum: In der Pyramidalis-Säulenform wird er nicht ausladend, kennt keine Schädlinge, ist unheimlich industriefest, schluckt alle Emissionen. Die männlichen Bäume färben sich im Herbst goldgelb, der erste Raureif lässt alle Blätter mit einmal abfallen – wegkehren, sauber!

Von André Wirsing

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