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Jakobsweg mit Hindernissen

Ein Paar erzählt von außergewöhnlichen Wander- und Herbergserlebnissen Jakobsweg mit Hindernissen

Die Medizinstudenten Robert Röder (32) und Franziska Rahn (30) waren auf dem Jakobsweg unterwegs - suchten Entspannung und Abstand vom Unistress. Doch die Pilgerstrecke verlangte ihnen einiges ab. Krämpfe in den Füßen, Wände aus Papier: Die Reise brachte beide an körperliche Grenzen.

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Begegnungen unter Pilgern.

Quelle: Privat

MAZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Franziska Rahn: Wir sind beide Medizinstudenten und wollten uns nach bestandenem Physikum Abstand vom Unistress gönnen. Vom Filmdrama „Dein Weg“ fühlten wir uns vollends inspiriert.
 
Wann und wo sind Sie gestartet?
Robert Röder: Am 5. Juni starteten wir ohne große Erwartungen in León in Spanien. Wir hatten uns für den Küstenweg entschieden, den Camino del Norte.
 
Wie lang waren Sie unterwegs?
Röder: Insgesamt brauchten wir 13 Tage, bis wir am Ziel, in Santiago de Compostela, ankamen. Der Weg bestand aus 13 Etappen.

Was trugen Sie alles mit sich?
Rahn: Wir hatten nur das Nötigste bei, nämlich knappe zehn Kilo. Darunter drei Hosen und T-Shirts, zwei Pullover, aber auch ein Outdoorbuch und eine Wäscheleine sowie Reiseapotheke.
 
Wie lief Ihr Tag ab?
Rahn: Vor sieben Uhr mussten wir aufstehen, dann Sachen zusammenpacken. Anschließend sind wir – mit einem Kaffee oder Keks in der Hand – losgelaufen. Gefrühstückt wurde erst nach zwei Stunden. Abends mussten wir uns eine Herberge suchen. Dort wuschen wir unsere Wäsche und uns selbst, bemühten uns um Essen und konnten erschöpft schlafen gehen.
 
Wie lang liefen Sie täglich?
Röder: Durchschnittlich 25 Kilometer, das Minimum waren 20 und das Maximum 36 Kilometer. Da wir pünktlich zurück sein wollten und natürlich auf einen Schlafplatz angewiesen waren, mussten wir unseren Laufplan zwingend einhalten. Das war anstrengend!
 
Gab es Momente, in denen Sie absolut keine Lust mehr hatten?
Rahn: Der zweite Tag brachte uns fast zum Verzweifeln. Die 32 Kilometer waren für den Anfang einfach zu viel. Unsere Schultergürtel und Arme fingen aufgrund des Rucksacks an zu schmerzen.
Röder: Ich bekam einen Krampf im Fußmuskel. Da stellten wir gereizt den Weg infrage.
 
Blieb das so?
Röder: Aber nein. So anstrengend war es nur die ersten Tage, denn nach einer Weile gewöhnt sich der Körper ans Laufen und die Schmerzen gehen zurück. Probleme mit Blasen hat man mit passendem Schuhwerk auch nicht so sehr.
 
Wen trafen Sie auf Ihrem Weg?
Rahn: Menschen aus allen möglichen Nationen, von Briten bis zu Chinesen. Die meisten waren Ältere, man sah selten unter 30-Jährige. Zudem lernten wir total lustige italienische Glaubensbrüder des Franziskanerordens kennen.
 
Um gleich daran anzuknüpfen: Hatten Sie spirituelle Erlebnisse?
Röder: Die Pilgermesse in Santiago. Das war eine Andacht in verschiedenen Sprachen. Man traf dort viele Pilger wieder, die man von unterwegs kannte. Obwohl ich überzeugter Atheist bin, musste ich mir während der Andacht manche Träne verkneifen.
 
Gab es auch Dinge, die nicht so toll waren an der Reise?
Röder: Die Bekanntschaften waren auf jeden Fall eine Bereicherung. Was nicht gerade prickelnd war, waren einige Herbergen.
 
Was war denn so schlimm?
Röder: Die Wände waren teilweise wie aus Papier. Die meiste Zeit schläft man ja sowieso mit vielen Leuten in einem Raum, da ist es laut und muffig. Eine private Herberge in Foncebadon toppte alles. Das Pilgermenü war schlecht und brachte mir eine Lebensmittelvergiftung ein. Die Unterkunft im Keller war dreckig und die Sanitäranlagen zusammengeschustert.
 
Was war Ihr schönster Moment?
Rahn: Der schönste Moment ist sehr individuell. Ich hatte nicht einen schönsten Moment, sondern mehrere. Für mich war das Gefühl am besten, abends ins Bett zu gehen und sich über das zu freuen, was man am Tag geschafft hat.

Der Jakobsweg

Wer kennt ihn nicht, den Pilgerweg in Spanien? 1993 rückte er durch Aufnahme ins Unesco-Kulturerbe in den Fokus der Öffentlichkeit.
 Spätestens seit dem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist der Jakobsweg oder „Camino de Santiago“ ein beliebtes deutsches Urlaubsziel.
 Menschen, die diesen Weg gehen, tun dies aus verschiedenen Gründen. Für viele hat es religiöse Ursachen, manche machen es der Fitness wegen und für andere ist es einfach nur eine Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen und ihre „innere Mitte“ zu finden.
 Etliche fragen sich zunächst, wie viel Zeit das Pilgern nach Santiago de Compostela, wo angeblich der Apostel Jakobus begraben liegt, in Anspruch nimmt. Bekanntlich führen viele Wege nach Rom, Entschuldigung, Santiago de Compostela.
 Es gibt nicht den einen Jakobsweg, nur ein Wege-Netz. Wenn man in Vezelay in Frankreich beginnt, hat man 1700 Kilometer zu bewältigen. Läuft man vom spanischen Ponferrada aus, sind es 210 Kilometer.
 Bekannte Wege sind der Camino Francés, Camino Inglés, Camino de la Costa, Camino Primitivo und die Via de la Plata. ad

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