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Brandenburg/Havel Jazz international im Rathaushof
Lokales Brandenburg/Havel Jazz international im Rathaushof
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00:18 30.08.2017
Gut gefüllt war wie immer der Innenhof des Altstädtischen Rathauses, viele Zuhörer haben seit Jahren Stammplätze. Quelle: Ruediger Boehme
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Brandenburg/H

„Summertime“ haucht eine faszinierende Frauenstimme ins Mikro. Das lässt an die großartige Ella Fitzgerald denken. Auf der Lions-Bühne am Altstädtischen Markt steht jedoch Anett Höfer. Den Schreibtisch in der Stadtverwaltung hat sie an diesem Freitagabend gegen einen Platz auf der Bühne eingetauscht. Eine schöne Stimme, die sie zur Musik der Big Band der Freien Musikschule Brandenburg erklingen lässt. Felix-Otto Jacobi steht als Leiter vor dem 2010 gegründeten Ensemble und gibt mit Verve und äußerstem Fingerspitzengefühl die Einsätze vor. Die Hobbymusiker haben das 22. Jazzfest mit ihrem Programm eröffnet. Große Anerkennung und Begeisterung kommt aus dem Publikum, das sich eine Zugabe erklatscht. Die Band drückt noch einmal ordentlich auf die Tube mit Schlagzeug-und Bläsersoli zu „Swing, swing, swing, swing“.

Diese Klänge in der Altstadt zu hören, ist so wohltuend anders und gibt der Stadt ein internationales Flair, ein Gefühl von sommerlicher Leichtigkeit.

Natürlich sieht man auf dem Fest die altbekannten eingefleischten Jazzfans, sogar deren Lieblingsstandort ist mittlerweile ein Gesetz. Aber es mischen sich auch immer wieder neue Gesichter darunter. „Das sind oft Freunde und Bekannte der Musiker“, erklärt Markus Angelstein vom Vorstand der Jazzfreunde e.V.

14 Bands über drei Tage verteilt, das ist geballte Jazzpower, die vor Spiel-und Gesangsfreude strotzt und eine erstaunliche Vielfalt dieses Genres präsentiert. Da fällt die Entscheidung für einen der beiden Spielorte schwer. Auch wenn das Wandern vom Hof des Altstädtischen Marktes zum Bürgerhaus in der Bäckerstraße zum Konzept des Festes dazu gehört, ist die Angst etwas zu verpassen durchaus berechtigt. Denn beide Bühnen haben ein ganz besonderes und sehr unterschiedliches Programm zu bieten.

Das Tim Rag Department mit seiner Swingmusik der Goldenen Zwanziger besteigt mit einem witzig ulkigen „dumdumdumdum“ die Lions Bühne und spielt sich mit professioneller Hingabe und Titeln wie „Royal Garden Blues“ sofort in die Herzen des Publikums. Mit ihrer unglaublichen Spielfreude steigern sie sich immer mehr und mehr bis diese kochende Begeisterung einfach überschwappt und in laut tosendem Beifall endet.

Grundsätzlich experimenteller geht es auf dem Hof in der Bäckerstraße zu. Das Contrast Trio aus Frankfurt am Main ist ein absolutes Highlight am Freitagabend. Der aus der Ukraine stammende Yuriy Sych (Klavier) erklärt, dass sich zu Timothy Roth (Kontrabass) und Martin Standke (Schlagzeug) noch ein Musiker gesellt hat. Mit Florian Dreßler(Percussion) nennen sie sich nun Contrast Trio plus eins. Was da auf der Bühne passiert, ist ernsthafte Arbeit, die wie aus dem Ärmel geschüttelt wirkt, doch jedes Detail stimmt punktgenau. Das Klavier ist melodieführend, Effektspielereien am Synthesizer eingeschlossen. Bass und Schlagzeug nehmen gleichberechtigt den Rhythmus und das Thema auf, tragen es mit, alle verschmelzen zu einer absoluten Einheit. Die vier Musiker füllen den Hof randvoll und absolut perfekt mit ihrem ganz eigenen Sound.

„You can dance, if you want, because it’s a Bossanova“, sagt Nanghiti auf der Lions Bühne. Eine Stimme, wie ein Instrument, bietet die aus Suriname stammende Sängerin wunderbare Soul-Funk-Nummern, die von zwei Backgroundsängerinnen unterstützt werden. Das findet jedoch leider nicht allzu viele Anhänger.

Anders das Miramode Orchestra. Die sieben Musiker der Berliner Band haben sich mit der Sängerin Mara von Ferne einen Gast dazu geholt, der das Publikum geradezu in Exstase versetzt. Sie scheinen wie füreinander geschaffen zu sein.

Wer das ganze Programm des Jazzfestes ausgekostet hat, ist durch viele musikalische Erdteile gereist und durfte auch Brandenburger Musiker erleben.

Von Ina Schidlowski

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