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Brandenburg/Havel Jeden Mittwoch kommt Schmöker-Uwe
Lokales Brandenburg/Havel Jeden Mittwoch kommt Schmöker-Uwe
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00:19 16.06.2015
Uwe Voigt hat einen leichten Stand bei den Frauen in Nord. Zuverlässig liefert der Gollwitzer jeden Mittwoch Lesenachschub – vom dicken Roman bis zum Groschenheft. Quelle: J. Steiner
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Brandenburg an der Havel

„Wir warten schon immer drauf“, versichert Rentnerin Ingeborg Lange, die seit acht Jahren ihren Bücher- und Heftebestand am Stand des Gollwitzers Uwe Voigt (51) auffrischt. Noch länger ist Marianne Schleese schon Stammkundin. „Hier ist es einfach günstiger als im Geschäft“, erklärt sie.

Überwiegend, aber keineswegs ausschließlich sind es ältere Bürger, die bei Uwe Voigt ihr Leseheil suchen. Vom anspruchsvolleren Roman bis zu Heftchen mit Titeln wie „Mutti ist die Liebste“ und „Fürstenkinder: Tom lebt gefährlich“. Nicht nur Frauen finden Gefallen an dem, was hochnäsige Leute als Schundromane verachten. „Wenn nichts im Fernsehen kommt, lese ich jeden Abend Courths-Mahler, Heimat- und Arztromane, Hauptsache was zu schmökern“, erzählt Rentner Wolfgang Dennert. Western und Krimis sind ihm dagegen schnuppe.

An Uwe Voigts Stand herrscht ständiges Kommen und Gehen. Das System hat seinen Charme. Der durchschnittliche Bücherwurm kommt mit einem ausgelesenen Stapel Alltagsliteratur zum Wochenmarkt und trägt einen frischen Stapel mit nach Hause.

Der Händler nimmt die alten Hefte in Zahlung, trotzdem bleibt am Ende ein kleiner Schnitt, weil seine Kunden für die Frischware ein paar Euro drauflegen. „Ist gut so, Uwe“, ruft ein älterer Herr, der das Wechselgeld ausschlägt. „Der ist eben in Ordnung“, erklärt Wolfgang Dennert, seit gefühlten zwanzig Jahren Stammkunde. Um einen Euro lässt sich hier ohnehin niemand lumpen. Auch Uwe Voigt nimmt es nicht zu genau. Wenn einmal jemand nur 50 Cent drauf legt, ist das auch okay. Ob er selbst liest, was er verkauft? „Ne“, sagt Uwe Voigt und winkt ab.

Der gebürtige Brandenburger, der seit 15 Jahren in Gollwitz lebt, ist nicht nur eine Institution auf dem Wochenmarkt in Nord, sondern mit Sicherheit auch eine der ältesten Ich-AGs in der Stadt. Eine Kleinstfirma, die sich zwar verändert, die Jahre aber überlebt hat.

Ich-AGs in Brandenburg

Dreieinhalb Jahre förderte der Staat zuvor arbeitslose Kleinstunternehmer bundesweit als sogenannte Ich-AGs: vom 1. Januar 2003 an bis zum Auslaufen des Programms Mitte 2006.
Die Arbeitsagentur in Brandenburg förderte in diesem Zeitraum in der Stadt und in der Umgebung etwa 1200 Ich-AG-Existenzgründungen.
Zumindest das erste Förderjahr hielten die meisten Ich-AGs durch. 77 Prozent der Existenzgründer erreichten das zweite Förderjahr, 53 Prozent das dritte. Ich-AG-Gründer erhielten im ersten Jahr monatlich 600 Euro, im zweiten 360 und im dritten 240 Euro.
Gründungszuschuss hieß ab Juli 2006 der Nachfolger der Ich-AG.

Der gelernte Maurer suchte sich ein neues Standbein, als es Ende der neunziger Jahre in seinem Beruf schwierig wurde. Zwei Jahre war er noch auf Baustellen in Holland tätig, dann kehrte er zurück nach Deutschland und gründete vor zwölf Jahren seine Ich-AG.

„Reinigung nach Hausfrauenart“, so pries er anfangs seine Entrümpelungsfirma an. Auf den Zusatz verzichtet er inzwischen wegen der Handwerkskammer. Doch er entrümpelt und schwingt den Besen weiterhin, wenn er gerufen wird. Das geschieht zumeist, wenn Angehörige eines Verstorbenen jemanden suchen, der anpackt. Keine einfache Aufgabe, etwa wenn der Tote wie einst zwei Monate lang unbemerkt in seiner Wohnung gelegen hat.

Ob er von den Einkünften seines Mini-Unternehmens leben kann? „Meine Frau hat eine feste Stelle“, antwortet der Ich-AGler. Vor ihm liegt ein Großprojekt. Denn Uwe Große hat seine „Große Trödelei“in der Großen Münzenstraße geschlossen. Uwe Voigt kümmert sich darum, den verbliebenen Hausrat an Mann und Frau zu bringen. Heute und morgen lädt er von 9 bis 16 Uhr zum Hausflohmarkt in den früheren Bäckerladen Sawatzki.

Dort können alle zweibeinigen Wühlmäuse stöbern, Trödel und Kuriositäten hervorkramen. „Wir Trödler tun doch etwas Gutes“, sagt Uwe Voigt. „Wir recyceln Sachen, die die Leute sonst wegwerfen würden.“

Von Jürgen Lauterbach

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