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Brandenburg/Havel Jeden Tag viele kleine Erdbeben
Lokales Brandenburg/Havel Jeden Tag viele kleine Erdbeben
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14:58 27.02.2018
Sie wollen Tempo 30: Für ihre Forderung gehen die Rogäsener sogar bei eiskalten Temperaturen auf die Straße. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Rogäsen

Der Frust sitzt tiefer als der Frost. Weil sie mit ihrer Geduld am Ende sind, gingen am Dienstag an die 30 Anwohner der Rogäsener Ortsdurchfahrt bei minus 10 Grad auf die Straße. Sie klagen über Schäden an ihren Fassaden, verursacht durch die vielen kleinen Erdbeben, die Lkw und Schwerlasttransporte von morgens bis abends auslösen.

Die Wege zur Bushaltestelle sind lebensgefährlich geworden, seit die Dorfstraße den Umleitungsverkehr von und nach Brandenburg für Fahrzeuge über 16 Tonnen aufnehmen muss. Holztransporter, Containerfahrzeuge und andere Brummis donnern nicht selten mit über 50 Stundenkilometer durch Rogäsen und geben der ohnehin angeschlagenen L 96 den Rest. Mittlerweile ziehen sich Risse quer über die Fahrbahn, die der Dauerfrost hochfrieren lässt. Die akustischen Folgen sind in jedem Haus zu hören.

Tom Ledig zeigt einen von vielen Rissen, die es früher nicht gab. Fast jedes Haus in der Rogäsener Ortslage ist betroffen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Schon einmal hatten die Rogäsener wegen des schlechten Straßenzustandes mobil gemacht. Unterschriften wurden gesammelt. Das Land ließ sich auf eine Fahrbahnsanierung ein. Das ist fast 20 Jahre her. „Seit dieser Zeit warten wir vergeblich auf einen grundhaften Ausbau. Inzwischen hat der Verkehr deutlich zugenommen“, mahnt Bürgermeister Joachim Probst an. Deutlicher wird Heike Geisler, die seit 1979 in ihrem Haus am Rogäsener Ortseingang wohnt. Mit der Ausweisung der Lkw-Umleitung sei die Situation katastrophal geworden. „Spätestens ab 5 Uhr früh geht es los. Bei jedem Laster bewegt sich das ganze Haus. Die vorderen Zimmer zur Straße nutzen wir schon nicht mehr. Selbst im Garten ist es mit der Ruhe längst vorbei“, beschreibt die Anwohnerin den Verlust an Lebensqualität.

Wenige hundert Meter weiter sorgen sich Tom Ledig und Lisa-Marie Erler um ihr Haus, dass sie erst vor zwei Jahren gekauft haben. „Wir haben Risse in der Fassade, die es damals nicht gab. Ein Spalt geht sogar durch bis in die Küche“, berichtet das Paar. Gleich in der Nachbarschaft geht es den Hausbesitzern Frank Zürch und Bernd Kühn ähnlich. Die Erschütterungen im Straßenraum setzen den Fundamenten zu, die der Wucht der 40-Tonner nicht viel entgegenzusetzen haben. Auf der anderen Straßenseite muss Rentner Reinhard Stärke hilflos mit ansehen, wie sein Geburtshaus unter dem Lkw-Verkehr vor dem Eingang leidet. Risse machen sich vor allem über Fensterstürzen, an den Hausecken und über Türen breit.

Die Rogäsener Ortsdurchfahrt gehört mit der L 96 zur offiziellen Umleitungsstrecke für den Lkw-Verkehr von und nach Brandenburg. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Leider reden wir heute über die selben Probleme wie 1998/99. Nur ist die Belastung inzwischen viel schlimmer geworden“, berichten Christine und Reinhard Ahlert. Obwohl ihre Küche nach hinten liegt, ist das Scheppern der Achsen über Gullydeckel und Fahrbahnunebenheiten deutlich zu hören wie die Artillerie auf einem Truppenübungsplatz. In zwei Stunden zwischen 4 und 6 Uhr haben die Ahlerts 96 Laster vor ihrem Haus gezählt. Die in einer Kurve gelegene Grundstücksausfahrt mit dem Familienauto zu verlassen wird jedes Mal und trotz eines Verkehrsspiegels zum Abenteuer. Ihre drei Enkel bringt Christine Ahlert jeden morgen persönlich zum Schulbus auf die andere Straßenseite: „Alles andere wäre zu gefährlich.“

Auch bei Helga Stärke reißt die Fassade. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Wir wollen diesen Zustand nicht länger hinnehmen“, zieht Matthias Busse ein Fazit des Unmuts. Die Forderungen der Rogäsener sind klar. Sie wollen ein generelles Tempolimit bei 30 Stundenkilometer in der Ortsdurchfahrt. Um einen Antrag bei der kreislichen Verkehrsbehörde kümmert sich das Amt Wusterwitz. Verwaltungschefin Ramona Mayer sagte der MAZ: „Wir werden die Rogäsener bei ihrem Anliegen unterstützen. Dazu gehört auch eine entsprechende Beschlussvorlage für die Rosenauer Gemeindevertretung. Dann wird der Antrag kurzfristig auf den Weg gebracht. Auch über eine Bedarfsampel oder einen Schutzweg in Höhe der Bushaltestellen sollte sich die Gemeindevertretung eine Meinung bilden.“

Mögliche Schadenersatzansprüche wegen gerissener Fassaden und Wände muss allerdings jeder Hausbesitzer selbst mit dem Straßenbaulastträger ausfechten. Der Landesbetrieb sieht derzeit allerdings keine Notwendigkeit für Straßenreparaturen. Ein grundhafter Ausbau der Ortsdurchfahrt ist schon gar nicht in Sicht.

Von Frank Bürstenbinder

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