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Johanniskirche wird Vergnügungsstätte

Juwel am Havelufer Johanniskirche wird Vergnügungsstätte

Fast vier Jahre dauerte das Sanieren der im 13. Jahrhundert errichteten Kirche Sankt Johannis am Havelufer. Es war eine millionenschwere Meisterleistung, die Ruine überhaupt vorm Einsturz zu bewahren. Jetzt soll sie in den Sommerhalbjahren als Kulturstätte genutzt werden.

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Der hypermoderne Zementestrich im Kontrast zum ehrwürdigen Gemäuer.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Sankt Johannis wird komplettiert. „Allerdings gibt es keine Vollausstattung wie das Paulikloster, sondern wird für einen Sommerbetrieb hergerichtet“, sagt Alexander Wesch, Projektchef im Büro Krekeler, welches bereits das dreijährige Sanieren von 2012 bis 2015 übernommen hatte.

Was zur Hallenschaunutzung zur Bundesgartenschau im Vorjahr noch gefehlt hatte, war beispielsweise der Fußboden – lediglich die mit dem Bauwerk verbundene Stahlbetonplatte war vorhanden. „Es hätte mit einem modernen Belag auch nicht funktioniert, die Anordnung der Ausstellungsposamente war im Wesentlichen ähnlich, dadurch auch die Laufwege der Besucher. Wenn mehr als 100.000 Menschen die Schau gesehen haben, hätte man heute ein deutliches Muster im Belag“, sagt der Experte.

Also wurde eine Schicht Tragestrich aufgebracht, obenauf ist nun ein mineralischer Zementestrich, der nur 25 Millimeter dick ist. Einige Male noch wird dieser mittels Schleifen geglättet, bevor am Ende eine Kunststoffversiegelung aufgetragen wird. Diese sinkt allerdings in den Werkstoff ein, damit er weiterhin schön matt erscheint. In dem hellgrauen Estrich sind auch Kunststoffpartikel, die für ein schnelles Aushärten sorgten. Im Laufe der Jahre bildet sich eine leichte Patina heraus, die sich durch unterschiedliche Nutzung und das Bewegen des Publikums aber gleichmäßiger entwickelt, als wenn es nur eingeschränkte Laufwege gibt.

Nach der Philosophie des Krekeler-Teams wurde erhalten, was geht, nachträgliche Einbauten wurden bewusst nicht auf „Alt“ getrimmt, sondern modern gestaltet, so auch die Westfassade aus Stahl und Glas, die bereits für vielfaches Staunen gesorgt hat. Der neue Boden reicht nicht ganz an die Mauern heran, als „Übergang“ wurden die Seitenstreifen mit größeren hellen Kieseln ausgelegt. Beleuchtung ist bereits vorhanden, die Dutzenden Strahler in 17 Metern Höhe lassen sich in Gruppen beinahe stufenlos schalten, so dass maximal 500 Lux Lichtstärke am Boden ankommen. Es gibt in der Apsis eine Starkstromanschluss, sowie im Kirchenschiff sechs Elektro-Bodentanks. In der Sakristei ist ein Wasseranschluss mit Becken installiert. Heizung oder gar Klimaanlage wird es nicht geben.

Mitte Februar ist die Kirche dann endgültig gebrauchsfertig, sie ist seit 2012 für etwa 3,3 Millionen Euro komplett saniert worden. So wurden beispielsweise alle Fugen und Risse im Mauerwerk mit Kieselsäureester vor dem Bröckeln und Aussanden geschützt. Die sich neigenden Strebepfeiler auf der Südseite sind von innen mit Stahlkonstruktionen zu stabilisiert.

Bewegte Kirchengeschichte

1237 wechselte das Franziskanerkonvent von Ziesar in die Altstadt.

1240 Bau einer turmlosen Saalkirche mit nur acht Metern Höhe.

Ende des 13. Jahrhunderts Anbau tonnengewölbter Sakristei an Nordseite.

Um 1300 Brand und Zerstörung Kirche und Kloster.

1460 Bau des Turmes, ähnlich italienischer Glockentürme.

1546 Nutzung als Hospital.

1562 Aufhebung des Klosters.

18. Jahrhundert Nutzung als Garnisonkirche.

1865 Abbruch Klosteranlage für Saldria.

1945 Zerstörung des Westjochs durch US-Bomben.

1985 Einsturz Dach, Pläne zum Abriss.

2012 Sanierungsbeginn.

Die Mauern bekamen „Betonfüße“, ein riesiger Ringanker aus Beton auf der Traufkante sorgt für Verwindungssteifigkeit. Erst dann konnte das nachgebaute Dach mit gotischer 60-Grad-Neigung aufgesetzt werden. Die neue Westfassade mit Knick ist insgesamt 25 Meter hoch. Eine mittelalterliche Malerei ist freigelegt und gesichert. Sie stammt von dem anonymen deutsche Maler „Meister der Spielkarten” und zeigt eine Szene von Jesus am Ölberg — offensichtlich eine Skizze für die bekannte Radierungen-Reihe „Jesus und Maria”. Außer Jesus, einem Engel und einem Stück Weidezaun ist nicht so viel zu erkennen. Doch die Restauratoren haben nichts nachgemalt oder gar dazu gezeichnet, es ist lediglich der Ist-Zustand konserviert, die Fehlstellen mit Schlemme kaschiert. Für weitere Restaurationen wird derzeit noch gesammelt.

Von André Wirsing

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