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Brandenburg/Havel Judensau, gelber Fleck und Davidstern
Lokales Brandenburg/Havel Judensau, gelber Fleck und Davidstern
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18:01 29.09.2017
Juden mit markanten Hüten – Darstellung auf dem Altar, der ursprünglich in der Lehniner Klosterkirche gestanden hat. Quelle: Tobias Wagner
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Brandenburg/H

Im Kreuzgang des Brandenburger Doms findet man auf dem Kapitell einer Säule das Ornament eines Schweins, das seine Junge säugt. Erst auf dem zweiten Blick fällt auf, dass es einen menschlichen Kopf und einen Hut trägt. Ein jahrhundertealter Scherz? „Nein, es ist eine Judensau“, sagt Rüdiger von Schnurbein, Leiter des Dommuseums. Und spricht dabei von einer der Arten, mit denen Juden in der christlichen Kunst dargestellt wurden. Es sind diese Negativbilder, die in der Sonderführung „Guter Jude – Böser Jude“ am Donnerstag im Dom thematisiert wurden.

„Der provokante Titel der Führung ist absichtlich gewählt“, sagt von Schnurbein. Er soll an die polizeiliche Verhörtaktik „Guter Bulle, böser Bulle“ erinnern. Die sogenannte Judensau aus der Zeit um 1230 ist die älteste bekannte Darstellung dieser Art weltweit. Die Tiermetapher bezeichnet ein im Hochmittelalter entstandenes Bildmotiv, das Juden verhöhnen und ausgrenzen sollte. Schließlich gilt das Schwein im Judentum als unrein und unterliegt einem religiösen Nahrungstabu.

Das Hexagramm an der Westfassade der Domkirche. Quelle: Heiko Hesse

In aller Regel befinde sich diese Darstellung an der Außenseite eines Gebäudes und sollte so möglichst viele Menschen erreichen, sagt von Schnurbein. Den Kreuzgang mit dem Kapitell durften jedoch nur Geistliche betreten und keine einfachen Gläubigen. Die Aussage des Ornaments richtete sich also lediglich an Angehörige des Domstifts. „Leute fragen, warum wir es nicht einfach abschlagen“, sagt von Schnurbein. „Doch das Ornament gehört nun einmal zur nicht immer einfachen Geschichte des Doms.“

Ein Mensch säugt Ferkel: die sogenannte Judensau im Kreuzgang. Quelle: Tobias Wagner

Auf dem Domareal gibt es weitere Darstellungen, die Juden zeigen oder auf das Judentum hinweisen. An der Westfassade dere Kirche beispielsweise prangt seit Mitte des 15. Jahrhunderts ein Hexagramm. Dieses war in der Gotik ein beliebtes Ornament, das nicht nur als Zunftzeichen der Bierbrauer gilt, sondern allgemein Unheil abwehren soll. Das Symbol ist besser bekannt als Davidsstern. „Dieses Hexagramm sollte unter den Nazis durch ein Hakenkreuz ersetzt werden“, sagt von Schnurbein. „Zu diesem Umbau ist es glücklicherweise nie gekommen“.

Rüdiger von Schnurbein führt durch die Kirche. Quelle: Tobias Wagner

Im Mittelalter wurden Juden gezwungen Kleidung zu tragen, die sie als solche kennzeichnete, um eine Durchmischung mit Christen zu verhindern. Juden trugen zudem als Zeichen der Schande einen gelben Fleck auf der Kleidung, was die Nazis aufgriffen. Nach den Rassegesetzen als Juden geltende Personen wurden gezwungen, ab 1941 gut sichtbar einen gelben Stern tragen.

Auf einer Darstellung des Lehniner Altars neben der Krypta des Doms wird Saulus zum Paulus getauft. Auch hier unterscheiden sich Juden in ihrer Kleidung vom Rest der Dargestellten auf dem Bild. Die Bedeutung des Altars, der im Jahre 1378 von Gefolgsleuten Kaiser Karls IV. geschaffen worden ist, kann dahingehend gedeutet werden, dass auch Juden zum christlichen Glauben bekehrt werden sollten.

Das Königsmarck-Epitaph im Mittelschiff. Quelle: Tobias Wagner

Von Schnurbein führt die 15 Besucher in die Museumsräume und erläutert ihnen die Bedeutungen der Darstellungen auf dem Tafelbild „Volkreicher Kalvarienberg“, einem um 1470 entstandenen Werk. Hauptthema ist die Passion Christi. Auf dem Bild sind Juden jedoch deutlich plakativ dargestellt. Zu sehen ist ein Soldat, der einen sogenannten Judenhut trägt und würfelt. Der Hut war vom 11. bis zum 14. Jahrhundert Bestandteil der Tracht jüdischer Männer und wurde zeitweise von der nicht-jüdischen Obrigkeit vorgeschrieben. Gewürfelt wird die Zahl 11, die sich als Symbol der Sünde auf die Juden bezieht und diese diffamieren soll.

Der Volkreiche Kalvarienberg. Quelle: Tobias Wagner

Auch das Mittelschiff des Doms mit seinen Epitaphien ist Thema der Führung. Eines dieser Grabdenkmale wurde 1623 zum Gedächtnis von Adam von Königsmarck errichtet. Am Sockel des Epitaphs ist Ezechiel im Tal der Knochen abgebildet. Erzählt wird die Geschichte vom toten Volke Israels, das durch den Atem des Herrn wieder zum Leben erweckt wird.

So führt die Runde an manchen Dingen vorbei, die man sonst kaum wahrnimmt. „Normalerweise achtet man auf solche Kleinigkeiten gar nicht“, sagt von Schnurbein.

Von Tobias Wagner

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