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Brandenburg/Havel 6 Jahre Haft für Würger vom Gördensee
Lokales Brandenburg/Havel 6 Jahre Haft für Würger vom Gördensee
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09:16 27.04.2016
Der Angeklagte (Mitte) wird abgeführt und verlässt den Gerichtssaal Quelle: Jürgen Lauterbach
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Brandenburg/H

Zu sechs Jahren Gefängnis verurteilte die 4. Strafkammer des Landgerichts Potsdam am Dienstag den 39 Jahre alten Patienten der Gerichtspsychiatrie, der am 31. Mai 2015 während seines Ausgangs am Gördensee eine Joggerin überfallen, mit einem Messer bedroht, gewürgt und an einen Baum gefesselt hat. Das Opfer erkannte den kahlköpfigen Mann im Gerichtssaal wieder. Der Angeklagte bestritt die Geiselnahme.

„Es tut mir leid, was der jungen Frau passiert ist, aber ich bin nicht der Täter“, versichert Marcel B. am Dienstag in seinem Schlusswort. Die Richter sehen das nach einem mehrtägigen Indizienprozess anders. Sie sind überzeugt davon, dass der einschlägig vorbestrafte, persönlichkeitsgestörte Mann seinen Angriff an jenem Frühsommertag geplant und sich der Geiselnahme mit Körperverletzung schuldig gemacht hat.

Sein zufälliges Opfer, eine 33 Jahre alte Mathematiklehrerin, hatte an jenem Sonntag das schöne Wetter genutzt, war erst von ihrem Wohnort zum Gördenwald gejoggt und wollte dann dort um den See zu laufen. Marcel B. kam ihr auf der Laufstrecke entgegen, sie hatte gleich ein mulmiges Gefühl.

Ins Gebüsch gezerrt, gewürgt und mit Messer bedroht

Tatsächliche würgte er sie wenige Augenblicke später mit seinem Arm von hinten und zerrte sie ins Gebüsch, wo er sich auf ihren Rücken setzte. Er bedrohte sie mit einem Küchenmesser, angeblich wollte er „nur reden“. Um sie ruhig zu stellen. würgte er sie mit den Händen und klebte ihr ein Band vor den Mund.

Anschließend musste sich die Joggerin an einen Baum setzen, an den er sie fesselte. Aus nicht bekannten Gründen ließ er bald danach von ihr ab und lief davon. Die Joggerin konnte sich befreien und erreichte die Straße, wo Passanten sich um die an Hals, Gesicht und Beinen verletzte Frau kümmerten.

Die 4.Strafkammer mit dem Vorsitzenden Axel Gerlach hält Marcel B., der bis auf sein Schlusswort nichts zu den Vorwürfen sagte, als Täter für überführt. Für die drei Berufsrichter und zwei Schöffen ist dabei wesentlich, dass die Lehrerin ihren Peiniger auf der Anklagebank aufgrund seiner stechenden Augen und seines „eindringlichen Blicks von unten“ sicher erkannt hat.

Die eigene Facebook-Seite überführte den Angreifer

Wesentlich ist für die Strafkammer außerdem, dass die Fesselschnur aus dem Wald sowohl seine als auch ihre DNA-Spuren aufwies und dass Zeugen Marcel B. zur fraglichen Zeit eilig in das Haus seiner Wohngruppe auf dem Asklepios-Gelände gehen sahen. Die erste von zwei Durchsuchungen ist ebenfalls von Belang für das Gericht. Denn in seinem Zimmer kam die gleiche Art Schnur zum Vorschein, die der Täter im Wald als Fessel genutzt hatte.

Außerdem trug der Angeklagte auf Bildern, die er unter dem Pseudonym Michael Baum auf einer inzwischen gelöschten Facebookseite im Internet veröffentlicht hatte, die wahrscheinlich selbe Tarnfleckenhose, mit der er während seines Überfalls bekleidet war. Die hatte zu Hause er gerade in die Waschmaschine gestopft, als die Polizei erschien.

Marcel B. bleibt in geschlossener Psychiatrie

Marcel B. muss im Maßregelvollzug bleiben. Das hat die 4. Strafkammer mit ihrem Urteilspruch angeordnet. Der Gerichtsgutachter Jens Köhler hält Marcel B. für sehr gefährlich und die Wahrscheinlichkeit für hoch, dass er wieder eine solche Tat begeht. Sogar Tötungsdelikte seien bei ihm nicht auszuschließen.

Seit den 90-er Jahren ist der gerade erneut verurteilte 39-Jährige Patient der geschlossenen Gerichtspsychiatrie. Zur Tatzeit am 31. Mai 2015 genoss er allerdings die höchste Stufe der Lockerung, lebte in einer Wohngruppe außerhalb des umzäunten Klinikgeländes und durfte zeitweise frei rumlaufen. Solche Freiheiten bekommen Patienten, die in absehbarer Zeit entlassen werden sollen.

Im Alter von 14 Jahren beging Marcel sein erstes Sexualdelikt. Es folgten mehrere Gewaltverbrechen, darunter Vergewaltigung, Körperverletzung und Raub.

Tätige Reue ist wie verminderte Schuldfähigkeit ein Strafmilderungsgrund. Laut Strafgesetzbuch bedeutet tätige Reue, dass der Täter freiwillig die weitere Ausführung der Tat aufgibt. Die Potsdamer Richter gehen im Falle von Marcel B. davon aus, dass er Sex von der Joggerin wollte, darauf aber doch verzichtete.

Rechtsanwalt Steffen Voigt will mit seinem Mandanten prüfen, ob er Revision gegen das Urteil einlegt.

Die Potsdamer Richter hielten dem psychisch schwer gestörten Marcel B. bei der Strafzumessung seine verminderte Steuerungs- und Schuldfähigkeit zugute sowie seine „tätige Reue“. Denn er habe am Ende von seinem Opfer abgelassen und habe sie nicht sexuell geschädigt.

Staatsanwältin Mareen Laggies hatte acht Jahr Haft für Marcel B. gefordert. Dessen Verteidiger Steffen Voigt plädierte auf Freispruch. Er wies dabei auf widersprüchliche Zeugenaussagen hin und auf Ermittlungsfehler der Polizei, welche auch die Strafkammer erkannte, aber nicht für entscheidend hielt.

Von Jürgen Lauterbach

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