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Brandenburg/Havel Jugend offen für ein Pflichtjahr
Lokales Brandenburg/Havel Jugend offen für ein Pflichtjahr
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07:05 05.11.2015
Ehrenamtliche Helfer arbeiten seit Wochen unermüdlich, um Flüchtlinge zu versorgen. Das könnten auch Jugendliche als Pflichtdienst leisten, sagen einige CDU-Politiker. Quelle: epd-NDS
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Brandenburg/H

Aus der Union wird angesichts der Flüchtlingskrise der Ruf laut nach einem Pflichtjahr für Jugendliche, das diese entweder bei einer sozialen Einrichtung oder bei der Bundeswehr ableisten sollen. Wer seinen Schulabschluss in der Tasche habe, egal ob junger Mann oder junge Frau, solle sich einer solchen Dienstpflicht unterziehen, lautet der Vorschlag des haushaltspolitischen Sprechers der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion Eckhardt Rehberg: „Wir brauchen die Dienstpflicht, anders werden wir den Zufluss an Flüchtlingen und deren Integration nicht bewältigen.“ Ehrenamtliche Helfer seien mit ihren Kräften am Ende. Rehberg glaubt, dass sich binnen eines halben Jahres diese Erkenntnis bei vielen Politikern durchsetzen werde. Kritiker bemängeln, durch ein Pflichtjahr werde die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht wieder eingeführt.

Andreas Griebel, Vorstand im Brandenburger Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes, sieht keine Notwendigkeit für ein Pflichtjahr: „Wir haben allein in den Kirchenkreisen 60 bis 100 Ehrenamtliche. Und wir verhindern im Vorfeld, dass jemand ausgebrannt ist. Die Helfer kommen von sich aus. Das ist wichtig. Würde es Pflicht werden, würde die Qualität leiden.“

Doch wie sehen es Jugendliche selbst? Die MAZ hörte sich am Brandenburger Dom-Gymnasium um, was dort Schüler des Abschlussjahrganges von einer solchen Dienstpflicht halten.

Jan Deutschmann lehnt ein Pflichtjahr für Jugendliche entschieden ab. Quelle: mai

Auf die Frage, was er einmal werden möchte, sagt Jan Deutschmann: „Glücklich!“: Und weiter: „Ich bin gegen eine solche Dienstpflicht für Jugendliche. Es sollte keine Pflicht sein. Wenn mehr Menschen gebraucht werden für die Versorgung der Flüchtlinge, soll der Staat mehr dafür werben. Eine Pflicht einzuführen, ist völlig falsch, weil sich jeder von uns etwas vorgenommen hat und das ein zu großer Eingriff in das Leben des einzelnen wäre. Ich selbst kann mir vorstellen, ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. Aber ich möchte das selbst entscheiden und nicht vorgeschrieben bekommen.“

Kira-Jayde Langhoff denkt selbst über ein soziales Jahr nach. Sie glaubt aber, dass sie es als junge Frau vielleicht schwieriger hätte, mit Flüchtlingen zusammen zu arbeiten. Quelle: mai

Kira-Jayde Langhoff, 18 Jahre, aus Bollmannsruh, möchte Psychologie studieren. Sie sagt: „Ich finde grundsätzlich ein Pflichtjahr gut, weil viele junge Leute noch nicht wissen, was sie später beruflich machen möchten. Ich finde auch gut, wenn sich junge Leute mit Flüchtlingen beschäftigen und ihre Erfahrungen selbst sammeln und nicht nur den Medien entnehmen. Ich selbst überlege, ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren, aber ich weiß nicht, ob ich tatsächlich mit Flüchtlingen zusammen arbeiten möchte, weil ich nicht weiß, wie sie auf Frauen reagieren. Im Islam gelten Frauen ja als Menschen zweiter Klasse.“


Hannes Haeberle, 17, Dom-Gymnasiast aus Märkisch Luch, liebäugelt nach dem Abitur mit einem Medizinstudium. Seine Antwort auf die MAZ-Frage

Hannes Haeberle besucht die 12. Klasse im Dom-Gymnasium. Quelle: Marion von Imhoff

nach einem Pflichtjahr differenziert zwischen den Berufszielen der Schulabgänger: „Ich bin nicht generell gegen ein solches Pflichtjahr, aber es sollte nicht für jene Schulabsolventen gelten, die schon einen Studienplatz haben. Studenten verbringen Jahre damit, sich ohne Bezahlung fortzubilden. Für alle anderen sollte ein solches soziales Jahr ruhig Pflicht werden. Auszubildende verdienen ja auch schon während ihrer Lehre, anders eben als Studenten.“

Friedericke Mayerl sagt, besser ein Pflichtjahr zugunsten der Gesellschaft als ein Jahr herum zu hängen. Quelle: Marion von Imhoff

Friedericke Mayerl, 17, aus Brandenburg, möchte in die Finanzwirtschaft oder den Polizeidienst: „Ich bin für ein Pflichtjahr, weil viele nach der 12. Klasse noch nicht wissen, was sie werden wollen. Sonst sitzen sie ein Jahr zuhause herum und haben dann eine Lücke im Lebenslauf. Aber dieses Pflichtjahr sollte als Wartezeit auf einen Studienplatz angerechnet werden. Das Studium ist ja ziemlich lang und es wäre blöd, dann noch ein Jahr zu verlieren.“ Auch Friedericke Mayerl hat sich schon Gedanken um ein freiwilliges soziales Jahr gemacht. Auch ein Jahr dafür ins Ausland zu gehen, käme für sie in Frage.

Von Marion von Imhoff

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