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Jugendamt holt Kinder aus Wohnungen

Verwahrlost und ohne Strom Jugendamt holt Kinder aus Wohnungen

Gekappte Stromversorgung ist nicht der alleinige Grund, aber oft ein Begleitumstand, wenn Brandenburger Jugendamtsmitarbeiter eingreifen: Drei Kinder hat das Jugendamt in den vergangenen zwölf Monaten aus Wohnungen in der Stadt Brandenburg geholt, die kalt und dunkel waren. Dabei arbeiten Behörden und Stadtwerke daran, genau das zu verhindern.

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Jugendamt, Stadtwerke und Jobcenter wollen das verhindern: eine Familie in einer Wohnung, in der der Strom abgestellt wurde.

Quelle: dpa

Brandenburg an der Havel. Aus der Steckdose kommt kein Strom mehr. Kein Licht geht mehr, kein Essen oder Fläschchen kann warm gemacht werden und auch die Heizkörper im Winter bleiben kalt, weil die Eltern auf Rechnungen und Mahnungen nicht reagiert haben. Drei Kinder haben Jugendamtsmitarbeiter in den vergangenen zwölf Monaten aus solchen Wohnungen in der Stadt Brandenburg geholt, in denen der Strom abgestellt war. Doch das sind die großen Ausnahmen. Nach Angaben der Stadwerke Brandenburg (StWB) und des Jugendamtes wird bis zuletzt nach einer Lösung gesucht, um die Kappung der Stromzufuhr zu verhindern, wenn Kinder zum Haushalt gehören.

Im vorigen Jahr haben die Stadtwerke 681-mal die Stromzufuhr in Wohnungen gestoppt wegen ausstehender Rechnungen. „Das fängt bei 100 Euro an und können auch schon mal 1000 Euro sein“, sagt StWB-Sprecherin Beate Dabbagh. „Hängt Kindeswohl daran, suchen wir nach Lösungen“, sagt Ina Lübke, für Kinderschutz zuständige Sachgebietsleiterin im Jugendamt. Beate Dabbagh bestätigt: „Bei Kunden mit Kleinkindern oder bei älteren, insbesondere kranken Menschen – wenn wir Kenntnis davon haben – arbeiten wir in engem Kontakt mit den Sozial- und Jugendämtern und dem Job-Center und versuchen unter Einschaltung dieser Behörden eine Regelung zur Bezahlung zu finden und somit Sperrungen in diesen sozialen Härtefällen zu vermeiden.“

Hilfe in letzter Sekunde vor dem Stromabstellen

Ute Pantke von der Sozialberatungsstelle Wildo 19 des VHS-Bildungswerkes pflichtet dem bei: „Wenn Kinder betroffen sind, gewährt das Jobcenter ein Darlehen, damit der Strom wieder fließt oder gar nicht abgestellt wird. Wer in die Puschen kommt und auf die Mahnungen reagiert, kann Stromabstellen bis zuletzt verhindern.“ Martin Blatt, Bereichsleiter im Jobcenter Brandenburg bestätigt das. „Wir lassen keinen Kunden hängen.“ Seine Erfahrung aber: „Die meisten kommen erst in der letzten Sekunde angerannt, wenn ihnen die Stromsperrung droht.“

Gekappte Stromversorgungen sind Begleitumstände in vielen verwahrlosten Haushalten. „Da kommt dann mehr zusammen“, sagt Ina Lübke. Die Kosten einer Inobhutnahme sind bedeutend höher als die offenen Stromrechnungen. Sie liegen zwischen 160 und 320 Euro am Tag. Findet das Kind Obdach und Hilfe im Kinder- und Jugendnotdienst sind es monatlich zwischen 4880 Euro und 9760 Euro. Die Kosten sind von der Stadt zu tragen, in der das Kind aufgegriffen wurde und abhängig vom örtlichen Kindernotdienst.

Von Marion von Imhoff

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