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Jugendtheater: Publikum auf der Bühne

Brandenburg an der Havel Jugendtheater: Publikum auf der Bühne

Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten, anfühlen, der war hier richtig. Denn bei der Premiere von „Wenn der Mond lacht und die Sonne schläft – Sterne“ und des Tanztheaterstückes „Hoffnung – ein flüchtiges Märchen“ erlebten die Zuschauer die beiden Aufführungen direkt auf der Bühne.

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Die Akteure des Tanztheaterstückes „Hoffnung – ein flüchtiges Märchen“ des Brandenburger Jugendtheaters.

Quelle: Ann Brünink

Brandenburg/H. Ausverkaufte Premiere im Großen Haus des Brandenburger Theaters. Aber alle 450 Sitze im Saal bleiben leer. Wie das?

Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich die Bretter, die die Welt bedeuten, anfühlen, der war hier richtig. Denn am Wochenende bei der Premiere von „Wenn der Mond lacht und die Sonne schläft – Sterne“ und des Tanztheaterstückes „Hoffnung – ein flüchtiges Märchen“ erlebten die Zuschauer die beiden Aufführungen direkt auf der Bühne. Kuschelkissen und Decken luden dazu ein, sich gemütlich nieder zu lassen. Allerdings fanden pro Aufführung nur 76 Zuschauer Platz.

Eindringlich und stellenweise beklemmend, manchmal auch richtig übermütig, auf jeden Fall aber nahezu unglaublich, was die 16 jungen Leute mit dem Tanztheaterstück „Hoffnung – ein flüchtiges Märchen“ unter der Leitung von Inga Lehr-Ivanov auf die Bühne gestellt haben. Die anspruchsvollen Texte – teilweise mehrsprachig vorgetragen – und die Musik stammen überwiegend aus der Feder der Jugendlichen. Wie groß Not und Verzweiflung vor allem der Kinder manchmal sind, lässt sich treffend mit dem Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ beschreiben. Samuel Ivanov war für die Produktion der Videos und Filmeinspieler verantwortlich, die auf einer riesigen Leinwand als Bühnenbild eingesetzt wurden.

„Angst ist ein ständiger Begleiter. Angst – was geschieht in unsrem Land. Wohin wird der Wind uns treiben. Unbekannter, fremder Strand.“

Es ist schwer, den Horror von Krieg und Flucht nachzuempfinden. Aber vor dem Video der Syrischen Landschaft, wo allerorten Bomben detonieren, bekommen die Zuschauer zumindest eine Ahnung davon, wie beängstigend die Situation in diesem geschundenen Land ist. Da bleibt nur noch die Flucht, um das nackte Leben zu retten. „Fort hinaus, hinaus aufs Meer. Diese Fahrt wird weit und schwer. Schaut nach vorn, schaut nicht zurück. Fremdes Land bringt fremdes Glück.“ Dieser Text sowie auch die meisten anderen Lied-Texte und die jeweilige Musik stammen von Julia Müller.

Liedermacher Sebastian Block bei seinem Auftritt im Theater

Liedermacher Sebastian Block bei seinem Auftritt im Theater.

Quelle: Jacqueline Steiner

Da stehen Menschen in einer Schlange. Davor steht ein anderer Mensch. Er hat die Macht zu entscheiden, wer bleiben kann und wer gehen muss. Freude hier, Verzweiflung dort. Auch, dass die Flüchtlinge nicht von jedem gern gesehen sind, kommt in dieser Aufführung vor. Dennoch haben sich die Jugendlichen für einen optimistischen Schluss entschieden.

Inga Lehr-Ivanov hat das Projekt betreut und ist stolz auf die Jugendlichen. „Ich bin deshalb so glücklich, da das Endprodukt, also die Aufführung, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nicht die Hauptsache ist, sondern der Weg dahin, die Begeisterungsfähigkeit, die Kreativität, die Motivation. Wenn man das fördern kann, ist auch die Vorstellung ergreifend, weil Gefühle beim Zuschauer ankommen.“

Einen ganz anderen Weg hat die Schauspielerin und Regisseurin (Film „Platzangst“) beschritten. Sie hat sich auf Sternenreise begeben und mit sieben Kindern und Jugendlichen und einer erwachsenen Frau einen Film von 16 Minuten Länge zur Flüchtlingsproblematik gedreht, die bei ihr „Zugereiste“ heißen. „Wenn der Mond lacht und die Sonne schläft – Sterne“ heißt der Film, der eingebettet ist in deutsche und ausländische Märchen. Die Zuschauer nehmen eine ungewohnte Perspektive ein. Die Leinwand schwebt oben im Theaterhimmel. Am besten sieht, wer sich auf die Kissen, die auf der Bühne des Großen Hauses bereit liegen, legt und nach oben schaut. Zur Einstimmung hat Sebastian Block Songs von seiner CD „Der Mond ist schuld“ live zur Gitarre gesungen.

Die Idee zu diesem Projekt, das vom Förderprogramm „Tanz und Theater machen stark“ unterstützt wurde, stammt noch von Katja Lebelt.

Von Ann Brünink

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