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Jugendtheater im Haus der Offiziere

Premiere für Kiju-Stück Jugendtheater im Haus der Offiziere

Alles fing damit an, dass Kevin Adam, Student der Sozialarbeit an der Fachhochschule Potsdam, im vergangenen Jahr ein Praktikum im Kinder- und Freizeitclub „KiJu“ gemacht hat. Mit den Jugendlichen ging er der Frage nach „Was ist Theater?“ Entstanden ist ein Stück mit philosophischen Dimensionen. Es hatte am Donnerstag Premiere.

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Jugendliche bei der Premiere des Kiju-Stückes am Donnerstagabend im Brandenburger Haus der Offiziere.

Quelle: Foto: Heike Puhlmann

Brandenburg/H. Zum Schluss flossen sogar Tränen. Nein, nicht weil alles schief gegangen wäre. Im Gegenteil: Elf Jugendliche um Kevin Adam (22) im Alter von 10 bis 15 Jahren standen zum ersten Mal auf der Bühne.

Sie haben alles selbst gemacht. Das Bühnenstück geschrieben, die Kulissen gebaut, Videoeinspieler produziert und gespielt. Premiere war am Donnerstagabend im Haus der Offiziere (HdO). Es waren Tränen der Erleichterung und der Freude. Nie hätten sie geglaubt, dass sie es schaffen würden. Und dann das: Stehende Ovationen. Besser kann eine Aufführung nicht enden.

Alles fing damit an, dass Kevin Adam, Student der Sozialarbeit an der Fachhochschule Potsdam, im vergangenen Jahr ein Praktikum im Kinder- und Freizeitklub „Kiju“ im Brandenburger Stadtteil Hohenstücken gemacht hat. Mit den Jugendlichen ging er der Frage nach „Was ist Theater?“ Welche Themen werden im/mit Theater behandelt? „Kinder und Jugendliche haben viele Themen“, erinnert er sich. Sie haben die Themen gesammelt. Nach und nach kristallisierte sich ein roter Faden heraus, Das Stück entstand. „Jugendliebe – Jugendhass“ haben sie es genannt. Im September vorigen Jahres fingen sie an zu proben.

Entstanden ist ein Stück mit philosophischen Dimensionen. Um Freiheit des Individuums geht es und um Identität. „Wie kann ich Ich sein?“ so die zentrale Frage. Und: „Was wollen wir?“ „Perfekt sein“, lautete ausnahmslos die Antwort, die im Chor gegeben und immer und immer nochmal wiederholt wurde, bis sie in lautem Gebrüll endete. Wie groß die Veralberung der Menschen durch die Politik ist, zeigten die jungen Theatermacher in einer Szene, in der eine Königin ihrem Volk wichtige Nachrichten ankündigt. Alle erwarten bahnbrechende Fortschritte, beispielsweise in der Bildungspolitik. Doch das, was die Königin schließlich verkündet, das hat nun wirklich niemand erwartet: „Mehr Kekse für alle! Und in die Schule müssen nur Kinder, die es sich finanziell leisten können.“

Die Jugendlichen haben eine Statistik der Jugendsünden vorgestellt. Demnach konsumieren 14,2 Prozent der Jugendlichen unter 14 Jahren Alkohol, 60 Prozent haben schon mal einen Alkohol-Absturz erlebt, 80 Prozent haben schon mal eine Zigarette geraucht, 50 Prozent haben schon einmal Cannabis ausprobiert und 70 Prozent sind mit ihrem Körper nicht zufrieden. Eine Umfrage unter den Zuschauern nach ihren Jugendsünden wurde leider nicht richtig ernst genommen.

Am Beispiel einer Oetkerwerbung wurde das Frauenbild der fünfziger Jahre vorgestellt – einfach nur gruselig. Die Unechtheit der Heilsversprechen fernöstlicher Religionen, wenn sie für Entspannungsseminare in unserem Kulturkreis missbraucht werden, wurde demonstriert, der Hype moderner Kommunikation – klickklickklickklickklick – wurde vorgeführt und die Gefahr von Burnout bei Überforderung.

Das Lebensgefühl von Jugendlichen in der modernen Welt bewegt sich zwischen den Polen Angst, Bevormundung und Perfektionismus: „Wie sollen wir uns selbst finden, wenn uns ständig einer sagt, wie wir zu sein haben?“

Aber es gibt sie, die Träume, groß wie Elefanten. Und dann erleben auch Jugendliche ganz besondere Momente: „Es kommt ein Moment, wo ich mein Leben genießen, es annehmen kann. Ich fühle mich frei.“

Von Ann Brünink

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