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Junge Schülerlotsen regeln den Straßenverkehr

Brandenburg an der Havel Junge Schülerlotsen regeln den Straßenverkehr

Mit neongelber Weste, ebenso gelber Mütze und roter Kelle ausgestattet stehen seit Montag zehn Kinder als ausgebildete Schülerlotsen vor der Fontanesschule in Brandenburg an der Havel. Vor und nach dem Unterricht sorgen sie dafür, dass ihre Mitschüler sicher über die Straße kommen. Ohne Nervosität legten sie ihre Prüfung aber nicht ab.

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Halt, hier geht’s nicht weiter: Mit Warnweste und Kelle bewaffnet regelten die Kinder am Montag den Verkehr am Wredowplatz.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. „So, meine Damen und Herren: Seid ihr vollzählig?“ Mit kräftiger Stimme versammelt Polizeioberkommissarin Freya Lindauer-Schulz zehn Kinder in grell-gelben Westen um sich. An diesem Montagmittag ist die Truppe der angehenden Schülerlotsen an der Fontane-Schule nicht vollständig. Nur zehn der elf Kinder starken Lotsen-Mannschaft sind anwesend. Dabei ist es ein wichtiger Tag. „Wenn ihr euch benehmt, folgt heute noch die Prüfung“, lockt Lindauer-Schulz. „Und dann seid ihr ausgebildete Schülerlotsen.“ Begeistert schnattern die Kinder drauf los. Und dann geht es auch schon Richtung Straße, ihrem Einsatzgebiet.

Wir haben das Sagen

Wir haben das Sagen! Die zehn jungen Lotsen haben am Montag ihre Prüfung abgelegt.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Zehn Wochen dauert die Ausbildung zum Schülerlotsen insgesamt. Die elf Jungen und Mädchen sind allesamt Schüler der fünften Klassen und zwischen zehn und elf Jahre alt. Für den Unterricht kommt Oberkommissarin Lindauer-Schulz einmal in der Woche an die Grundschule und lehrte die Kinder alles, was es über den Straßenverkehr und das richtige Verhalten als Lotse zu wissen gibt. Wann kann ich auf die Straße gehen? Was tue ich, wenn mich ein Autofahrer ignoriert? Wie halte ich meine Kelle?

Die Ausbildung findet in enger Zusammenarbeit mit der Schule statt. Die Lehrerinnen Kerstin Raase und Andrea Wach unterstützen den Unterricht und werden nach der Ausbildung mit den Kindern an der Straße stehen. „Zwischen der Schule und der Polizei herrscht ein sehr harmonisches Verhältnis“, sagt Raase. „Das ist auch wichtig“, ergänzt Lindauer-Schulz. „Sonst wäre die Arbeit deutlich schwieriger“.

Kinder als Unfallbeteiligte

Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Projekte wie die Ausbildung von Schülerlotsen sollen helfen, die Kinder auf den Straßenverkehr vorzubereiten und eine selbstbewusste Rolle als Verkehrsteilnehmer zu spielen.

In Brandenburg an der Havel gab es im Jahr 2016 dennoch 32 verunglückte Kinder im Straßenverkehr.

Das ist eine Steigerung um 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2015 waren es noch 16 Kinder zwischen 0 und 14 Jahren. Zwölf dieser Unfälle waren Schulwegunfälle, 25 Kinder waren als Radfahrer und sieben als Fußgänger beteiligt.

Die meisten Unfälle passierten beim Einbiegen oder Kreuzen. Keines der Kinder wurde tödlich verletzt.

Die ersten sechs Ausbildungsstunden müssen die Nachwuchslotsen Theorie büffeln. Dann gibt es eine theoretischen Prüfung. Ist die bestanden, dürfen die Kinder in die praktische Ausbildung. Dazu haben sie zuerst auf den gepflasterten, sicheren Wegen vor dem Schulgebäude geübt. Aber sehr bald schon ging es in die Jacobstraße. Die hat direkt vor der Schultür einen großen Zebrastreifen. Täglich queren dort hunderte Kinder die Straße, die sicher die Seiten wechseln wollen.

Auf das Kommando „Achtung“ von Lehrerin Kerstin Raase vergewissert sich jeweils ein Kind auf jeder Straßenseite, ob die Straße frei ist. Ist kein Auto in Sicht, stellen sich die beiden breitbeinig auf den Rand des Zebrastreifens, die Kelle im 45 Grad-Winkel vom Körper weghaltend. Sie warten ab, bis die Kinder, Rollstuhlfahrer und andere Passanten den Zebrastreifen passiert haben. Auf das Kommando „Zurück“ blicken die beiden Lotsen über die Schulter und nicken sich zu, dann treten sie von der Straße. Der Autoverkehr rollt wieder an ihnen vorbei.

„Ich finde den Kurs toll“, sagt Jonas Semmelroth (11), einer der Lotsen. Warum? „Weil ich den Kindern sicher über die Straße helfen kann.“ Auch seine Lotsen-Kollegin Gina Niklaus ist begeistert. „Endlich dürfen wir mal den Autofahrern sagen, wo es lang geht“, ergänzt die Elfjährige. Zum Schluss können sich die beiden und ihre Mitschüler freuen: „Ihr seid zwar etwas hippelig, aber das war die Prüfungssituation,“ sagt Lindauer-Schulz zum Abschluss. „Ein ganz großes Lob von mir.“ Nach Hause gehen alle mit bestandener Prüfung.

Von Annika Jensen

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