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Jutta Pelz kämpft für die Gegenwartskunst

Brandenburg an der Havel Jutta Pelz kämpft für die Gegenwartskunst

Jutta Pelz lädt mit Arbeitshandschuhen zur Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst ein. Die Künstlerin aus Brandenburg an der Havel zeigt mit ihren Arbeiten Perspektiven und Sichtweisen auf – und lässt den Betrachter ganz bewusst selbst entscheiden.

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Jutta Pelz ist Lehrerin uns Künstlerin in Brandenburg an der Havel.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Die Rolle der bildenden Kunst, sagt Jutta Pelz, „wird häufig unterschätzt“. Kunst werde oft nicht ganz verstanden. Vor allem die Gegenwartskunst müsse erklärt werden: „Man braucht Wissen dazu.“

Und was ist Gegenwartskunst? Wie definiert sie diesen Begriff? „Es ist das, was aktuell an Ideen da ist und künstlerisch umgesetzt wird.“ Während die schlanke, sportlich wirkende Frau mit der gerade geschnittenen Bob-Frisur spricht, weicht ihr Blick keinen Moment von ihrem Gegenüber ab. Die ernsthaften braunen Augen beobachten genau. Die Künstlerin Jutta Pelz ist offen und neugierig und eine sehr konzentrierte Zuhörerin. Dabei verschenkt sie kein Lächeln als Bonus vorweg.

Projekt „Offene Kokons“, Temporäre Installation auf der Dominsel 2004

Projekt „Offene Kokons“, Temporäre Installation auf der Dominsel 2004

Quelle: privat

Lächeln und Lachen sind Ausdruck wirklich tief empfundener Freude. Zu beobachten vor allem, wenn sie über ihre Bilder spricht, erklärt, was es zum Beispiel mit den von ihr verwendeten Wäschebändern auf sich hat. Kleidung wurde früher oft mit solchen bestickten Namensetiketten versehen. Die in Bonn geborene Künstlerin wohnt seit 1994 in Brandenburg an der Havel. Sie setzt sich seitdem intensiv mit den gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüchen nach der Wende auseinander.

Das kursiv bestickte Wäscheband „brandenburgadhavel“ soll zum einen auf die veränderte Beziehung zu Kleidungsstücken in unserer heutigen Zeit hinweisen und zum anderen die Frage der eigenen Zuordnung, der persönlichen Identität aufwerfen.

Verbunden mit gesellschaftlichen Umbrüchen, stellt sich auch die Frage nach den Wurzeln immer wieder neu. Was ist ursprünglich da gewesen? Für Jutta Pelz ist es die Landschaft, die Stadt. Diese findet sich in ihren Werken als stilisierter Stadtplan wieder. Häufig variiert sie ihn und nutzt ihn als eine von mehreren Bildebenen. „Um in den Bildern Tiefe zu schaffen“, erklärt die Künstlerin.

Überhaupt ist es die Variation, die sie fasziniert, mit der sie neue Gedankenräume öffnen, zu neuen Ideen anregen will.

Gymnasiallehrerin und Künstlerin

Jutta Pelz, in Bonn geboren, studierte Freie Kunst, Kunstgeschichte und Romanistik an den Universitäten Bonn, Mainz, Toulouse, Lissabon und Osnabrück. Sie legte das erste und zweite Staatsexamen für Gymnasien ab.

Seit 1994 lebt sie in der Stadt Brandenburg.

Als freischaffende Künstlerin in den Bereichen Malerei, Installation und Kunst im öffentlichen Raum arbeitet sie seit 1997.

Das Amt der Vorsitzenden des Brandenburgischen Landesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler bekleidet Jutta Pelz seit mittlerweile vier Jahren.

Sie erhielt zahlreiche Stipendien und beteiligte sich an diversen Kunstprojekten und Ausstellungen.

Eine kleine Auswahl: Stadt und Kern (Brandenburger Theater 1998), Schränke und Schubladen (Installation auf dem Brandenburger Marienberg 2000), Künstlermesse Art Brandenburg (Potsdam 2005), Installation „Brandenburg mein Land“ (Landtag Potsdam 2010), „Raumstücke“ (Freie Volksbühne Berlin 2015-2016) und Märzausstellung (Kunstverein Haus 8, Kiel 2016).

Einen Überblick über ihre unterschiedlichen Arbeiten und Projekte findet man im Internet unter www.juttapelz.de.

Gerade auch an ihren eigenen Bildern und Installationen wird deutlich, was sie meint, wenn sie sagt, dass Gegenwartskunst Vermittlung braucht. Mit diesem entsprechenden Wissen, lässt sich in den Werken von Jutta Pelz Erstaunliches entdecken. Zudem kann es auch eine Reise in die eigene Welt der Ideen und Phantasie sein. Um dieses Spiel der Variationen noch zu potenzieren, benutzt sie Worte, mit denen sie in Form von Anagrammen arbeitet.

Interieur (Malerei auf Leinwand), 2013 

Interieur (Malerei auf Leinwand), 2013. 

Quelle: privat

Die Installation „Brandenburg mein Land“, bestehend aus neunzehn Ziegeltafeln mit den einzelnen Buchstaben und ein Paar Arbeitshandschuhen lud im Jahr 2010, während der Ausstellung im Brandenburger Landtag in Potsdam, zur Interaktion ein. Wieviele Möglichkeiten sich beim Verdrehen der Buchstaben und Wörter auftun, veranschaulichten vier Texttafeln im Hintergrund.

Mit dieser Installation gewann Jutta Pelz im Jahre 2010 den ersten Preis der 4. Kunstausstellung Spektrale „Schauplatz Gegenwart“ in Luckau. Auch in ihrem Werk „abhebend land gravur“ hält das Anagramm in gestickter Form Einzug und der stilisierte Stadtplan gehört auch hier als Bildebene dazu. In diesem Bild bezieht sich die Künstlerin mit der Darstellung von Strümpfen auf die Geschicke der Stadt Premnitz und dem Zusammenbruch der dort ansässigen Industrie, der Chemiefaserproduktion und dem damit verbundenen demografischen Wandel.

Jutta Pelz studierte Freie Kunst, Kunstgeschichte und Romanistik an den Universitäten Bonn, Mainz, Toulouse, Lissabon und Osnabrück und legte das 1. und 2. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. Seit 1997 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. Doch auch als Lehrerin ist sie am Von-Saldern-Gymnasium weiterhin tätig. „Nach dem Abi wollte ich erst Restauratorin werden“, sagt sie. Dass sie nun Künstlerin ist, entspringt ihrer Überzeugung, das zu machen, wozu man sich wirklich hingezogen fühlt. „Ich hatte aber in meinem Umfeld kein Vorbild, niemanden, der von der Kunst gelebt hätte“, erklärt sie und dass ihr das reine Künstlerdasein zu riskant war. Deswegen sei sie Lehrerin geworden.

Installation „Brandenburrg mein Land“, 2010

Installation „Brandenburrg mein Land“, 2010.

Quelle: privat

Viel Zeit verbringt Jutta Pelz in ihrem kleinen, hellen Atelier am Packhof, das von der Wohnung über eine Treppe erreichbar ist, nicht. „Wenn ich zweimal in der Woche hier arbeite, bin ich froh“.

Als Vorsitzende des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler ist sie sehr engagiert. Ein Netzwerk sei für Künstler sehr wichtig. „Die Gegenwartskunst muss gesehen und wahrgenommen werden, so unterschiedlich, wie sie ist“. Damit werde auch ihre Wertigkeit besser verstanden. Veranstaltungen wie die Kunstmesse „Art Brandenburg“ in Potsdam können gut dazu beitragen. Hier bringt sich die Künstlerin auch als Pädagogin mit ein, in dem sie unter anderem die Kunstvermittlung an Schüler fördert.

Die bildende Kunst sei auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, gibt sie zu bedenken. „Die Kunsthalle Brennabor in der Havelstadt Brandenburg ist mit ihrer Ausstellungsmöglichkeit ohne eigene Sammlung einzigartig.“ Dieser Standort sei sehr wichtig.

Fritze Bollmann heißt eines ihrer neuesten Werke. „Ich gebe gerne Titel“, sagt die Frau, die es liebt, mit ihrem Zweisitzer-Pouch-Faltboot auf Brandenburger Gewässern zu paddeln. Wieder finden sich Anagramme aus dem Namen Fritze Bollmann auf dem Kunstwerk, dass bildbestimmend und zentral den Unterboden eines Autos zeigt, sowie einen Markierungspunkt, wie man ihn von GPS-Systemen kennt. Drumherum glaubt man einen Flusslauf zu erkennen. Es sind oft spannungsgeladene Themen, die die Künstlerin aufgreift. Dabei bleibt sie immer angenehm wertungsfrei. Zeigt Perspektiven, Sichtweisen auf und lässt den Betrachter entscheiden.

Völlig anders wirken dagegen ihre Interieur-Bilder. Besonders habe es ihr die holländische Interieurmalerei des 17. Jahrhunderts angetan, erzählt sie. Früher war die Wäsche der Schatz des Haushalts. „Ich finde es interessant, dass sich das geändert hat.“ Von diesem Interesse zeugt das Bild „Interieur Wäsche“. Sie benutzt gern Tempera, Ölfarben, Acryl. Es sind oft sehr farbenfrohe Werke.

Unter einem ihrer Kunstwerke kann man sogar entlang schwimmen. Es ist die von ihr 1999 mit dem Titel „Netze“ gestaltete Wand der 25-Meter-Schwimmhalle im Brandenburger Marienbad.

Von Ina Schidlowski

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