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Kampf um Ofen 12: Stahlwerk wird Museum

Brandenburg an der Havel Kampf um Ofen 12: Stahlwerk wird Museum

Der Förderverein für das Industriemuseum in Brandenburg an der Havel besteht seit 25 Jahren. Die Mitglieder blicken auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Der Beginn der Vereinsarbeit war alles andere als einfach, denn am Anfang war die Auflösung. Das Stahlwerk – zu DDR-Zeiten mit etwa 10 000 Mitarbeitern größter Arbeitgeber in der Stadt – wurde abgewickelt.

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Besucher in der neuen Ausstellung des Industriemuseum.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. Nee, also mit beten allein hätten sie das nicht geschafft. Aber weil nun Reformationsjahr ist und weil am Sonntag Rogate war (das ist der 5. Sonntag nach Ostern und Rogate bedeutet beten), zog Marius Krohn, Leiter des Industriemuseums in Brandenburg an der Havel, in seiner Begrüßungsrede Parallelen zwischen der Museumsarbeit und der Arbeit in der Landwirtschaft.

Zum Saisonauftakt werde hier wie dort gebetet, dass die Saat aufgeht und reiche Ernte beschert. Im Fall des Industriemuseums wären die Veranstaltungen die Saat, die möglichst viele Besucher anlocken soll. Im Kirchenjahr feiere man im Herbst Erntedank. Das Industriemuseum lade im Herbst zu der Veranstaltung „Feuer und Flamme“ ein, wo Bilanz gezogen werde.

Besucher in der neuen Ausstellung des Industriemuseum

Besucher in der neuen Ausstellung des Industriemuseum.

Quelle: Jacqueline Steiner

Am Tag des Offenen Museums, konnten die etwa sechzig Mitglieder des Fördervereins Stahlmuseum Brandenburg e.V. auf 25 Jahre seit ihrer Gründung im März 1994 zurückblicken. Der Tag des Offenen Museums war eine gute Gelegenheit, den Besuchern die neue Ausstellung zu präsentieren, die in Wort und Bild die vergangenen 25 Jahre Revue passieren lässt.

Am Anfang war Auflösung. Das Stahlwerk – zu DDR-Zeiten mit etwa 10 000 Mitarbeitern größter Arbeitgeber in der Stadt – wurde abgewickelt. Von den zwölf Siemens-Martin-Öfen stand nur noch einer, die Nummer 12. Und der sollte als Industriedenkmal erhalten werden, da er der letzte Siemens-Martin-Ofen in Westeuropa war. Obwohl die Idee in der Öffentlichkeit zunächst wenig Freude auslöste, wurde im März 1992 eine zwölfköpfige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eingerichtet, die das Projekt Industriemuseum vorbereiten sollte. Arbeitsgrundlage war ein wissenschaftliches Konzept des Berliner Wirtschaftshistorikers Gerd Henninger.

Die Front der Bedenkenträger war massiv. Kein Mensch glaubte, dass ein Haufen Schrott, wie der Siemens-Martin-Ofen despektierlich genannt wurde, irgendjemanden interessieren würde. Und schon gar nicht sei zu erwarten, dass Besucher in Scharen nach Brandenburg strömen würden. Ein Irrtum, wie sich zeigte. Im Jahr 2016 konnten 15 500 Besucher im Industriemuseum begrüßt werden. Sie kommen aus ganz Deutschland, aus Europa und sogar aus Übersee.

„Das geht nicht, hörten wir immer nur“ , erinnert sich Jeannette Goldmann vom Förderverein. „Aber klein und bescheiden, wie wir waren, blieben wir immer die Stärkeren. Noch die kleinsten Zugeständnisse der Gegner haben wir erfolgreich nutzen können.“ Sieglinde von Treskow, langjährige Leiterin des Industriemuseums, die von Anfang an dabei war, erinnert sich an Glücksmomente. „Als der Bescheid vom damaligen Kulturminister Steffen Reiche kam, dass der Ofen und die Halle unter Denkmalschutz gestellt worden waren.“ Völlig überrascht waren alle Aktiven von der großen Resonanz, die eine tolle Aktion am Tag des Offenen Museums 1998 auslöste: Massenhaft strömten Besucher herbei, etwa tausend an diesem einen Tag. Ein weiterer freudiger Höhepunkt sei natürlich die Eröffnung des Museumshauses in der Ofenhalle im Jahr 2000 gewesen, erinnert sich von Treskow.

Impressionen von der Ausstellung

Impressionen von der Ausstellung.

Quelle: J. Steiner

Wenn man sich die 25 Schautafeln ansieht, dann kann man kaum glauben, dass der Förderverein diese unglaubliche Aufgabe geschafft hat und nun Betreiber des Industriemuseums ist. Schließlich mussten Fördermittel nicht nur beantragt werden, es mussten auch korrekte Verwendungsnachweise geschrieben werden. Überhaupt das Geld. Das sei sehr zermürbend, dass die finanzielle Situation nach wie vor so schwankend ist. Derzeitig werde das Industriemuseum mit 80 000 Euro Landesmitteln pro Jahr gefördert. 120 000 Euro gibt die Stadt dazu. Aber bei einer Haushaltssperre kann es passieren, dass manchmal mehrere Monate ohne Geld überbrückt werden müssen – für ein Museum, das 20 Prozent der Finanzierung aus Eigenmitteln, also Eintrittsgelder und Vermietungen – aufbringen muss, kaum machbar.

Wie man so etwas aushält? „Wenn ich in die Gästebücher der vergangenen Jahre schaue und von all der Begeisterung der Besucher lese, dann weiß ich, dass wir wichtig sind“, sagt Sieglinde von Treskow, die aus eigenem Entschluss im Januar 2015 die Leitung an Marius Krohn übergeben hat. „Ich wollte, dass er in die Arbeit hineinwächst und bei der Einarbeitung begleitet wird.“

Von Ann Brünink

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