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Kantor trifft den richtigen Ton

Neues Klavier im Wolliner Pfarrhaus Kantor trifft den richtigen Ton

Auch das beste Klavier hat mal ausgedient: Im Wolliner Pfarrhaus wird am Sonntag ein rund 120 Jahre altes Tasteninstrument gegen einen modernen Nachfolger ausgetauscht. Die Anschaffung finanzierte der Kirchenkreis Elbe-Fläming. Kantor Thorsten Fabrizi kann nun wieder den richtigen Ton treffen.

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Kantor Thorsten Fabrizi am vom Kirchenkreis angeschafften Rönisch-Klavier

Quelle: Volkmar Maloszyk

Wollin. Der Klavierbauer A. Wagner war mal eine große Nummer in der Branche. Aber das ist lange her. Zu den noch existierenden Tasteninstrumenten zwischen Elbe und Havel gehört ein rund 120 Jahre altes Exemplar, das dem evangelischen Kirchspiel Flämingtor in Wollin lange Zeit ein treuer Begleiter war. Im Pfarrhaus dient es zur Unterstützung von Chorproben, Gemeindeabenden oder Gottesdiensten, die wegen grimmiger Kälte nicht in der Kirche stattfinden können. Doch jetzt muss sich das betagte Wagner-Klavier mit Oberdämpfermechanik endgültig sein Gnadenbrot verdienen – es hält den Kammerton nicht mehr und ist überhaupt nur noch begrenzt bespielbar.

Rege Konzerttätigkeit

Thorsten Fabrizi, Jahrgang 1974, erhielt seinen ersten Klavierunterricht an der Jugendmusik- und Kunstschule Wesel und bei Professor Karl-Heinz Hämmerling in Hannover. Sein Klavierstudium absolvierte er an der Hochschule für Musik Detmold und an der Hochschule der Künste Berlin.

Es folgte ein Studium der Kirchenmusik mit dem Schwerpunkt Historische Tasteninstrumente. Nach Erfolgen bei nationalen und internationalen Klavier- und Kammermusikwettbewerben führte ihn eine rege Konzerttätigkeit durch Deutschland. Seit 2014 ist er als Kantor im Kirchenkreis Elbe-Fläming beschäftigt.

„Um den musikalischen Ansprüchen gerecht zu werden, musste ein Neuanschaffung her“, berichtet Kantor Thorsten Fabrizi. Er spielt nicht nur Orgel und Trompete, sondern hat auch Klavier als Kirchenmusik studiert. Der länderübergreifende Kirchenkreis Elbe-Fläming erhörte den Ruf aus Wollin und finanzierte den Kauf eines Klavieres. Das schnörkellose Instrument ist gebraucht, hat aber nicht die Patina des mit Schnitzereien und Ausmalungen versehenen Vorgängers. „Dafür haben wir jetzt ein schön klingendes Arbeitspferd“, freut sich der Kantor, dessen Tätigkeitsschwerpunkt seit 2014 die kirchenmusikalische Arbeit im Kirchenkreis Elbe-Fläming ist. Insbesondere ist Fabrizi für die Pfarrbereiche Ziesar, Wollin, Wusterwitz und Tucheim zuständig.

Zahlreiche Projekte hat der aus Wesel stammende Fabrizi bisher erfolgreich umgesetzt, um neue Töne in der Kirchenmusik anzuschlagen. Dazu gehört auch die Gründung eines Regionalchores, dessen Mitglieder sich aus allen Kirchspielen zusammensetzen. Einmal die Woche treffen sich die über 30 Männer und Frauen im Wolliner Pfarrhaus zur Probe – begleitet vom Kantor am Klavier. Das wird ab sofort ein Instrument des Herstellers Rönisch sein. Ein Unternehmen, dass von 1845 bis heute erstklassige Klaviere und Flügel produziert. Erst in Dresden, nach 1945 in Leipzig.

Dieses über 100 Jahre alte Klavier geht in den Ruhestand

Dieses über 100 Jahre alte Klavier geht in den Ruhestand.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Eingeweiht wird die Anschaffung am Sonntag um 17 Uhr im Rahmen der Veranstaltung „Gottesdienst anders“. Auch so ein Projekt des Kirchenmusikers Fabrizi, das beim Wolliner Pfarrer und Hausherren Thorsten Minuth auf offene Ohren stieß. Die seit einem Jahr laufende Reihe kommt bei den Gemeindemitgliedern gut an. Anders sind nicht nur Ort und Zeit des Gottesdienstes.

Zwar hat Pfarrer Minuth die Leitung inne, doch die Liturgie ist mit offenen Fürbitten, Lesungen oder Musikstücken weniger vorgegeben als üblich. Am Sonntag bringt Fabrizi gleich den ganzen Projektchor des Kirchenkreises Elbe-Fläming mit nach Wollin. Zuvor treffen sich die Teilnehmer bei einer Singe-Werkstatt am Ruppiner See. „In Wollin wollen wir gleich aufführen, was wir einstudiert haben“, kündigt Fabrizi an. Er leitet inzwischen einen Kinderchor in Wollin und sorgt mit einem weiteren Projekt für überregionales Aufsehen. Der Kantor scharrt jedes Jahr Chorsänger und Solisten für große Vorhaben um sich. Zur Zeit laufen die Proben für Händels „Messias“(2. und 3. Teil), dessen zwei Aufführungen am 22. Mai geplant sind.

Von Frank Bürstenbinder

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