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Brandenburg/Havel Karteileichen: Nur Student für die Fahrkarte
Lokales Brandenburg/Havel Karteileichen: Nur Student für die Fahrkarte
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12:27 20.07.2016
Lustige Abschlussfeier an der Brandenburger Hochschule im Oktober 2015. Quelle: Johannes Räbel/Reinhardt & Sommer
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Brandenburg/H

An der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) sind nach offiziellen Angaben aktuell gut 2600 Studierende angemeldet. Doch längst nicht alle nehmen ihr Studium ernst. Mehrere hundert junge Leute gehen in keine Vorlesung und in kein Seminar. Der einzige Grund, aus dem sie Student sind, ist die günstige Semesterfahrkarte, mit der sie kreuz und quer durch Berlin und das Land Brandenburg und sogar bis Magdeburg fahren dürfen.

Solche „Ticketstudenten“ gibt es keineswegs nur an der THB, sondern bundesweit, wie Stephan Breiding weiß, der Sprecher des Wissenschaftsministeriums. Statistisch erfasst würden diese Karteileichen aber nicht.

Sechs Monate für 220 Euro umherreisen

Das Semesterticket für Studenten lohnt sich, denn für gut 220 Euro können sie ein halbes Jahr lang Regionalzüge, Busse, Straßenbahnen, die Berliner U- und die S-Bahn benutzen.

Die Studentenvertretungen des Landes haben mit dem Verkehrsverbund für jede Hochschule ausgehandelt, wie weit das jeweilige Ticket reich. Die THB-Studenten haben es besonders gut getroffen, weil sie mit dem Regionalexpress sogar über die Landesgrenzen hinaus bis Magdeburg reisen dürfen.

Aus gut unterrichteten Kreisen der TH Brandenburg erfuhr die MAZ, dass bestimmt ein Viertel der dort eingeschriebenen jungen Leute – oder sogar mehr – als Ticketstudenten gelten. Diese unsichtbaren Studenten lernen die Hochschule nie wirklich von innen kennen, sie wollen nur günstig reisen.

Studenten wollen nur günstig reisen

Auch wenn die Hochschule die Existenz solcher Karteileichen nicht bestreitet, so bestätigt sie den erwähnten Umfang nicht. „Wie viele Studierende sich nicht für die Vorlesungen und Seminare interessieren und/oder sich wegen des Tickets eingeschrieben haben, können wir nicht sagen“, teilt THB-Sprecherin Heide Traemann mit. Auch David Trautmann, Chef der Studentenvertretung AStA, kennt keine Zahlen. „Das Thema gibt es aber an jeder Hochschule“, sagt er.

THB hält die Schwelle zum Studium gering

Wer an der THB studieren möchte, muss sich online anmelden.

Zum Studium an der THB zugelassen werden können Frauen und Männer, die das Abitur oder Fachabitur haben oder eine Berufsausbildung mit zweijähriger Berufspraxis nachweisen. Bewerber müssen krankenversichert sein.

Die THB will die Schwelle zum Studium gering halten, für ihre Studiengänge gibt es außer beim Master BWL keine Zulassungsbeschränkung.

Immatrikulierte Studenten haben Anspruch auf ein Semesterticket.

Der AStA verwaltet die Semesterticketanträge und bekommt von den Ticketstudenten dann etwas mit, wenn der eine oder andere offen zugibt, dass es ihm oder ihr nur um die Fahrkarte geht. Zwei Pro-Forma-Studenten hatten sich in jüngerer Vergangenheit dazu bekannt, als sie ihr Ticket verloren hatten und den AStA daher um eine Neuausstellung baten.

Wer eingeschrieben ist, aber gar nicht studiert, kann mehrere Jahre unerkannt bleiben, auch wenn die Hochschule versucht, mit Beratungsangeboten gegenzusteuern. „Nach sechs Semestern ohne bestandene Prüfung laden wir die betreffenden Studierenden zu einem Pflicht-Beratungsgespräch, zur Studienfachberatung“, berichtet Heide Traemann.

Mehrere Jahre unerkannt

In diesem Gespräch erstellen Hochschule und Student einen neuen Verlaufsplan für das weitere Studium, zum Beispiel für ein Teilzeitmodell. Erscheint ein Student oder eine Studentin nicht zu dem Gespräch, dann gilt das Studium als „endgültig nicht bestanden“. Der Studierende wird exmatrikuliert. Heide Traemann betont, dass die THB dabei nicht feststellen könne, ob die Studierenden von Anfang an keine Studierabsicht hatten oder diese erst nach der Einschreibung aufgegeben haben.

An der Uni Potsdam gilt laut Silke Engel eine neue Regelung. Wer doppelt so lange studiert hat, wie es die Regelstudienzeit vorsieht, hat noch ein Jahr lang Zeit, sich zu erklären. Nennt er triftige Gründe, darf er an der Universität bleiben. Ansonsten erlischt sein Prüfungsanspruch, allerdings sind bis dahin bisweilen sieben Jahre vergangen. Wie die TH Brandenburg bietet auch die Uni Potsdam Beratung an, um überforderte Studenten aufzufangen und in Härtefällen Lösungen zu finden.

Studentenzahl entscheidet über Zuschüsse

Volkswirtschaftlich bedeutsam sind die unsichtbaren Studenten allemal. Denn die Gesamtzahl aller Studenten einer Hochschule entscheidet mit darüber, wie viel Geld und Stellen sie aus dem Landeshaushalt erhält. Da macht es einen großen Unterschied, ob wie an der THB 2600 Studierende eingeschrieben sind oder zum Beispiel nur 1800.

Ob und wie eine Hochschule ihren Karteileichen auf die Schliche kommt, bleibt ihr im Rahmen der geltenden Bestimmungen des Landes selbst überlassen.

Von Jürgen Lauterbach

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