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Brandenburg/Havel Mit Storno-Trick gegen den Schuldenberg
Lokales Brandenburg/Havel Mit Storno-Trick gegen den Schuldenberg
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17:27 16.07.2015
Immer wieder stornierte der Edeka-Angestellte in Wusterwitz Einkäufe und bediente sich danach aus der Kasse. Quelle: dpa
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Brandenburg an der Havel

10.000 Euro ergaunerte ein Supermarktkassierer in Wusterwitz, indem er fast ein Jahr lang die Kassenbons von Kunden so manipulierte, dass ein Gewinn für ihn übrig blieb. Wegen Untreue in 142 Fällen stand der 27-Jährige in dieser Woche vor dem Brandenburger Gericht. Die Richterin sprach von einer recht schlauen Vorgehensweise, meinte das aber nicht als Kompliment, sondern eher als strafverschärfenden Gesichtspunkt. Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten zur Bewährung sprach das Schöffengericht Brandenburg am Dienstag aus.

Persönlicher Schuldenberg

Der Brandenburger Peter E. (Name geändert) wechselte während seiner Ausbildung zum Kaufman im Einzelhandel im Jahr 2012 im dritten Lehrjahr zum Edeka-Markt in Wusterwitz, der ihn nach der Lehre in Festanstellung übernahm. Der junge Mann genoss das Vertrauen seiner Chefin, doch er nutzte dieses Vertrauen schon während der Lehrzeit und auch danach aus. Um seinen auf etwa 20- bis 30 000 Euro angewachsenen Schuldenberg abzutragen, trickste er, sobald er an der Supermarktkasse saß. Er stornierte bereits verkaufte und bezahlte Ware.

Der Storno-Trick des Kassierers

Der Storno-Trick des 27-Jährigen funktionierte nur bei Kunden, die mit Bargeld zahlten und keinen Kassenbon verlangten.

Mit der Zeit kannte der Kassierer die Stammkunden, die beide Kriterien erfüllten. Er steigerte die Frequenz seiner Straftaten, manövrierte regelmäßig bestimmte teurere Waren ans Ende des Fließbandes: bevorzugt Kaffee und Zigaretten, aber auch Frischfleisch und Getränkekisten.

Dieses letzte Stück Ware auf dem Fließband scannte er zunächst ganz normal ein, so dass wenig später der Gesamtbeitrag des Einkaufs aufleuchtete. Die Kunden zahlten diesen Betrag in bar und nahmen ihren Einkauf auch komplett mit.

Doch ehe sich Kassierer Peter E. dem nächsten Kunden widmete, stornierte er in seiner Kasse jene letzte Ware der vorhergehenden Kunden. Das bedeutet die Ware war fort und vollständig bezahlt. Doch in der Kasse häuften sich aufgrund der ständigen Stornierungen die Fehlbeträge an, die Peter E. in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte.

Fast elf Monate lang, vom 21. Dezember 2012 bis 30. Oktober 2013, hielt Peter E. an seiner Masche fest und stornierte was das Zeug hielt: nachgewiesene 142 Mal..

Die Chefin des Geschäfts wurde nach rund elf Monaten Kassenmanipulation misstrauisch, weil Peter E. so wahnsinnig viele Stornierungen produzierte, dass es nicht mehr normal war. Sie kontrollierte ihn. Dabei fiel ihr auf, dass die Kunden ausgerechnet besonders preisgünstige Sonderangebote wie zwei Stangen Chesterfield-Zigaretten für zusammen 96 Euro zurückgegeben haben müssten, was der Kauffrau ungewöhnlich vorkam. Als sie entdeckte, dass die Mezzo-Mix-Kisten zwar aus dem Sonderangebots-Regal verschwunden waren, ihr Kauf jedoch storniert worden warm, wuchs das Misstrauen weiter. Schließlich fragte sie ihre Angestellten an der Fleischtheke, ob das kurz zuvor erst verkaufte und dann stornierte Frischfleisch tatsächlich zurückgegeben wurde.

Geständnis nach kurzer Zeit

Am Tag darauf stellte die Chefin ihren Angestellten zur Rede. Zunächst machte er Ausflüchte, doch dann gestand er, dass er das Geld benötigt habe, um seine Schulden aus Handyverträgen und von Online-Bestellungen zu bezahlen oder um seinen Lebensunterhalt aufzubessern. Natürlich war das Arbeitsverhältnis damit beendet.

Der wegen Eigentumsdelikten einschlägig vorbestrafte Peter E. war vor Gericht geständig. „Clever gemacht“, attestierte der Staatsanwalt dem Angeklagten. Ankläger und Verteidiger Andreas Zillkes beantragten beide eine zweijährige Bewährungsstrafe. Sie hielten ihm sein Geständnis zugute und die Tatsache, dass er 10 000 Euro Schulden bei seiner Ex-Chefin vor Gericht anerkannte und sich zur Rückzahlung in festen Raten verpflichtete. Die Strafe des Gerichts fiel auf den ersten Blick milder aus. Doch Schöffenrichterin Susanne Götsche verpflichtete Peter O. über die Haftstrafe hinaus zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Diese wird ihm nur erlassen, wenn er im Herbst wie angekündigt nach Auslaufen seines befristeten Arbeitsvertrages den neuen Job als Bauhelfer antritt.

Von Jürgen Lauterbach

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