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Katrin Lièvre singt und spielt sich in alle Herzen

Klostersommer-Premiere My Fair Lady Katrin Lièvre singt und spielt sich in alle Herzen

Von Bachstelzen und gelegentlichen Gewitterschauern begleitet, startete am Sonnabend ein weiteres ambitioniertes Unternehmen des Brandenburger Klostersommers. Das Event-Theaters um Hank Teufer präsentierte den Musical-Klassiker My fair Lady im Buhnenhaus in Brandenburg/Havel in der traditionell-schnörkellosen Regie von Sylvia Kuckoff.

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Fair Lady Eliza (Katrin Lièvre) bezaubert Professor Higgins und das Publikum des Klostersommers.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Von Bachstelzen und anderen Zaungästen und zeitweise von einem Gewitterschauer begleitet, startete am Sonnabend ein weiteres ambitioniertes Unternehmen des Brandenburger Klostersommers. Die Produktion des Event-Theaters um Hank Teufer präsentierte in der traditionell-schnörkellosen Regie von Sylvia Kuckoff und unter der Musikalischen Leitung von Dmitri Pavlov den Musical-Klassiker My fair Lady.

Weltdramatik als Musical-Vorlage ist oft Teil des Erfolgsgeheimnisses. Ohne Shakespeare (Kiss Me, Kate/Der Widerspenstigen Zähmung, West Side Story/Romeo und Julia), Hugo (Les Misérables/Die Elenden) Cervantes (Der Mann von La Mancha/Don Quichotte) oder Wilde (Mein Freund Bunbury) sind die beliebten Quotenbringer aus der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts nicht denkbar.

Für die „Lady“ griff Alan Jay Lerner auf George Bernhard Shaws Pygmalion zurück. Begnadete Komponisten wie Bernstein, Porter, Natschinski und eben Frederick Loewe garantierten die internationale Verbreitung. Dem 1901 in Berlin geborenen Loewe gelang dabei eine seltene Ohrwurmdichte, die nur mit Musiktheater-Meisterwerken wie Die Zauberflöte, Carmen oder Die Fledermaus zu vergleichen ist:

Wäre det nich wundascheen?, Mit ‘nem kleenen Stückchen Glück, Es grünt so grün, Ich hätt‘ getanzt heut‘ Nacht, In der Straße, mein Schatz, wo du lebst, Kann denn eine Frau nicht sein wie ein Mann, Bringt mich pünktlich zum Altar und, und, und…

Professor Higgins, in der konsequenten Verkörperung durch Volke Paulsen ein bemerkenswert unsympathischer und herrlich arroganter älterer Junggeselle mit verstaubtem Frauenbild (da, wo ich herkomme, würde man ihn einen Kotzbrocken nennen), ist Wissenschaftler der Lautsprache und bezichtigt eine weibliche Zufallsbekanntschaft des Muttersprachenmords. Durch unbarmherzigen Schliff von Sprache und Person will er, der Frauen für eine gottverdammte Plage hält, Eliza aus der Gosse in die allerhöchsten Kreise führen. Ganz nebenbei kommentiert er noch die aktuelle Wetterlage.

Eliza, in der genialen deutschen Übertragung von Robert Gilbert rotzfreche Berliner Pflanze mit Herz und Verstand, fleißige Straßenverkäuferin, früh materielle Verantwortung tragende Tochter und schon bald begehrte junge Frau, bleibt eine Traumrolle für viele Sängerinnen und singende Schauspielerinnen.

Ob Karin Huebener (deutsche Erstaufführung 1961 Berlin), Marita Böhme (1965 Dresden), Maria Alexander, Eva-Maria Hagen, Caroline Melzer (Potsdam) oder die Brandenburger Blumenmädchen Helga Sasse und Sabine Scholze-für sie alle wurde die Eliza ein riesiger Erfolg und ein großer Schritt zum verehrten Publikumsliebling.

Am Buhnenhaus kann man jetzt die wunderbare Katrin Lièvre erleben, die mal kesse Blümchengöre, mal anrührendes Mädchen, später eine selbstbewusste schöne Frau ist. Sie singt, spielt und tanzt sich schnell in die Herzen der Zuschauer.

Begleiter und Nutznießer der sprachlichen Runderneuerung auf dem Weg zum Diplomatenball sind der junge „alte Offizier“ Oberst Pickering (Nico Will), Freddy Eynsford-Hill (Jürgen Strohschein) und Elizas Vater Alfred P. Doolittle (Hank Teufer), dessen ständige alkohol- und finanzbedingte Schräglage, was die Geldknappheit betrifft, am Ende Stabilität erfährt.

Die urkomische stattliche Higgins-Mutter ist bei Steffan Drotleff bestens aufgehoben. Für sie alle gab es reichlich Szenenapplaus. Wir reichen gern Sonderbeifall für Anna Nielsen und Michelle Schmidt nach.

Das gesamte 25-köpfige Ensemble mit dem Extra Chor Brandenburg zeigt sich musikalisch sattelfest und äußerst dialogsicher. Wer noch den vollen sinfonischen Orchesterklang in den Ohren hat, merkt schnell, dass heute übliche reduzierte Fassungen der Musik kaum etwas anhaben können. Klingt halt etwas anders. Nach Potsdam (sieben Musiker) und Essen (fünf) erlebt man jetzt ein flexibles Musiker-Quartett.

Am Ende der Komödie vom märchenhaften gesellschaftlichen Aufstieg und dem Sieg der Gefühle über das Wort bekommt Henry Higgins seine Pantoffel. Ob er Eliza verdient, bleibt offen. Ovationen und viel, viel Beifall.

Information: Es gibt noch einzelne Karten für einige reguläre Vorstellungen. Eine zusätzliche Abendaufführung beginnt am 8. Juli 19.30 Uhr.

Von Michael Treffehn

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