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Kein Funpark: Für die Skater platzt ein Traum

Brandenburg an der Havel Kein Funpark: Für die Skater platzt ein Traum

Nach jahrelangen Bemühungen des Rollklub-Vereins Brandenburg an der Havel jetzt das Aus: Das geplante Outdoorzentrum für Skater, BMX, Dirtbike, Rollschuh- und Inlinerfahrer kommt nicht. In letzter Minute hat die Stadt den Zuschuss von 202 000 Euro verweigert. Die Skate-Szene in der Havelstadt befindet sich in einer Schockstarre.

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Der Skate-Profi Christian Heise.

Quelle: Heike Schulze

Brandenburg/H. Die Skater in der Havelstadt verstehen die Welt nicht mehr: Noch immer können die Mitglieder des Rollklub-Vereins nicht glauben, dass ihr mehr als zehn Jahre langer Kampf umsonst war. Ende März erfuhren sie, dass er versprochene Zuschuss seitens der Stadt von 202 000 Euro zurückgezogen wird. Das Geld soll stattdessen für die Herrichtung eines Kita-Gebäudes in der Sophienstraße verwendet werden, sagte Bürgermeister Steffen Scheller.

Nachdem 2015 endgültig feststand, dass die Turnhalle in der Sprengelstraße nicht zu einer Skatehalle umgebaut wird, klammerte sich der Verein an die Entstehung einer Outdoorzentrums für die ganze Familie – mit Rollsportflächen für Skateboarder, BMX, Dirtbike, Scooter sowie Rollschuh- und Inlinerfahrer. Auch eine Kletterwand sollte entstehen. Bis Ende März 2017 hatte der Rollklub-Verein, der vor drei Jahren eigens für die Entstehung eines neuen Skateparks gegründet wurde, fest mit dem Zuschuss gerechnet.

Noch im März stand der Verein kurz vor dem Pachtvertrag für die Fläche oberhalb des Geländes am Wiesenweg. Entwürfe, Planungsphasen, Lärmschutzgutachten – all das war schon so weit vorangeschritten, dass der Bau bald hätte beginnen können. Der Verein, der inzwischen etwa 30 Mitglieder stark ist, hatte sogar schon den Landschaftsarchitekten Steffen Hradil aus Neuruppin im Dezember 2016 mit ins Boot geholt, die Baubetreuung hätte der Vereinsvorsitzende Patrick Ehrenbrecht mit unterstützt. „Wir haben immer alles geliefert, was von der Stadt gefordert wurde. In dem Projekt stecken hunderte Stunden Arbeit“, sagt dieser.

Die ursprünglich geplante Skaterhalle wollte die Stadt eigentlich mit 250 000 Euro bezuschussen – 2014 war dieses Geld auch im Haushaltsplan der Stadt deklariert. Im gleichen Jahr wurde es jedoch wieder komplett gestrichen, nachdem des Projekt Sprengelhalle nicht umgesetzt werden konnte. Nachdem 48 000 Euro dieses Budgets – ohne den Rollklub-Verein vorher darüber in Kenntnis zu setzen – von der Stadt an das Haus der Offiziere vergeben wurde, blieben noch 202 000 Euro übrig.

Mehrmals wurde Patrick Ehrenbrecht seit Beginn dieses Jahres zugesichert, dass das verbliebene Geld seinem Verein zur Verfügung steht. Und auch die Stadt hatte schon Maßnahmen für das Skate-Projekt eingeleitet: 2016 ließ das zentrale Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Stadt Brandenburg an der Havel (GLM) 30 potenzielle Flächen prüfen, als Resultat kam das Areal am Wiesenweg in Frage.

Die Stadt forderte eine Bereitschaftserklärung, dass der Verein den Skatepark als Bauherr betreibt. Es folgten mehrere Termine mit dem Sportamt und dem GLM. Noch im Februar bestätigte Viola Cohnen, Fachbereichsleiterin Schule und Sport, dass der Verein mit dem Geld planen kann.

Doch dann kam am 29. März die Nachricht von der Stadt, dass es keinen Zuschuss geben wird. „Zehn Jahre Vereinsarbeit, hunderte Termine und viel Schweiß und Blut laufen ins Nichts. Der Verein befindet sich in einer Art Schockstarre“, sagt Christian Heise, Vereinsmitglied und Betreiber des Skateshops Never Enough. „Wir hätten uns einen offenen Dialog gewünscht. Wieso lässt die Stadt drei bis vier Monate seine Ämter daran arbeiten und dann verläuft alles im Sande?“, fragt er sich.

Für den Vereinsvorsitzenden Patrick Ehrenbrecht gleicht das Scheitern des Skatepark-Projektes einer Art Desillusionierung: „Mit Anfang 20 waren wir noch leichtgläubig. Jetzt wissen wir, dass die Politiker in der Stadt zehn Jahre lang eine Hinhaltetaktik betrieben haben.“ Doch er will nicht aufgeben, auch wenn er weiß, dass der Rollsport in Brandenburg an der Havel keine Lobby hat.

Bürgermeister Steffen Scheller räumt ein, dass die Kommunikation um den Jahreswechsel 2016/2017 klarer hätte sein können. „Die Mittel für das Projekt standen aus dem Haushaltsplan 2014 zur Verfügung, diese ließen sich jedoch nur zwei Jahre lang – bis Ende 2016 – übertragen“, sagt er. Dem Verein wolle er keine Vorhaltung machen, dieser habe sich nach Scheitern des Sprengelhalle-Vorhabens bemüht, ein Ersatzprojekt zu finden.

Von Melanie Höhn

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