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Kein Glück mit dem Seegarten

Brandenburg an der Havel Kein Glück mit dem Seegarten

Schon die zweite Verkaufs-Pleite mit dem Klubhaus der Eisenbahner und der Augenklinik Seegarten in Kirchmöser hat die Stadt. Sie tritt nach 15 Monaten vom Kaufvertrag an die Pro Seega zurück und lässt alle Vormerkungen im Grundbuch löschen, um die Immobilien neu auszuschreiben. Es ist schon das zweite Mal, dass Investoren Projekte an dieser Stelle platzen lassen.

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Im vorigen August hatten Kinder den Seegarten bunt geschmückt.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Der nächste Reinfall mit vermeintlichen Seegarten-Investoren: Die Stadt tritt vom Kaufvertrag für das ehemalige Klubhaus der Eisenbahner und die benachbarte alte Augenklinik zurück, bestätigt Bürgermeister Steffen Scheller (CDU): „Wir sind gerade dabei Auflassungsvormerkungen aus den Grundbüchern zu löschen und wieder als Kommune allein in den Besitz der Immobilien zu kommen. Dann werden wir sie erneut über Ausschreibungen am Markt anbieten.“

Das Klubhaus steht seit der Wende leer, die Klinik seit 2002. 2008 wollte der Düsseldorfer Unternehmer Josef Tkaczick ein Hotel in der Klinik einrichten und einen riesigen Ballsaal mit Tagungszentrum in dem 1915/16 als „Hotel Seegarten“ errichteten späteren Klubhaus. Anfang 2010 zog die Stadt zum ersten Mal die Notbremse, nachdem der vermeintliche Investor die Kaufsumme nicht überwiesen hatte.

Im April 2016 schließlich beschloss der Hauptausschuss, beide Grundstücke mit einer Gesamtfläche von etwa 26 000 Quadratmetern für 299 000 Euro abzugeben an eine Investorengesellschaft Pro Seega aus Sachsen-Anhalt. Die vier als Gesellschafter auftretenden Frauen und Männer hatten zwar zahlreiche weitere Gesellschaften, aber außer einem Projekt zum Sanieren eines Mehrfamilienhauses in Gommern nicht viel vorzuweisen. Von der Kommune wollten sie sich sogar die Grunderwerbssteuer von etwa 18.000 Euro erstatten lassen – und das bei einer avisierten Investition von sieben bis acht Millionen Euro. Dann stieg eine Projektgesellschaft ein – die Dolphin Trust GmbH aus Hannover-Langenhagen. Zunächst trat nur Geschäftsführer Charles Smethurst auf, der versprach, sich um alles zu kümmern. Dann verschwand er wieder, nach Auskunft seines Geschäftsführerkollegen Helmut Freitag fehlte er krankheitsbedingt. Freitag ließ sich sogar von Bürgermeister Scheller zu den Objekten fahren, um sie erstmals in Augenschein zu nehmen. „Er schien ganz begeistert und hat ebenfalls versprochen, dass er sich nun persönlich kümmern wolle. Smethurst sei raus aus dem Projekt, beschied er mir.“ Als dann wiederum Wochen ins Land gingen, ohne irgendein positives Signal von den neuen Pro-Seega-Eignern, entschied sich Scheller, den bereits im Frühjahr angedrohten Rücktritt vom Kaufvertrag nun endgültig zu vollziehen. Es seien schwierige Immobilien, Verwaltung und Lokalpolitiker sollten beispielsweise bei einer touristischen Vermarktung auch bereit sein, unterschiedliche Beherbergungsformen zu akzeptieren. Im Klartext. Neben einem besseren Hotel brauche man etwa auch ein kleines Urlauberdorf, mit familienfreundlichen Häuschen und verschiedenem Entertainment – ähnlich dem Centerparcs-Konzept.

Das Klubhaus ist mehr als 100 Jahre alt

In den Jahren 1915/16 errichtete man in Kirchmöser West das Offizierskasino Seegarten.

Das Backsteingebäude wurde als Hotel mit Ball- und Gesellschaftshaus genutzt. Zwischen 1928 und 1934 gab es im Haus einen Kinobetrieb.

Nach 1950 diente das Gebäude als Klubhaus der Eisenbahner. Mit Interessengemeinschaften, Männerchor, eigener Kapelle sowie vielen Veranstaltungen im riesigen Saal erfreute es sich großer Beliebtheit.

Enttäuschung dürfte auch in Kirchmöser und im Nachbar-Ortsteil Plaue herrschen. Anfang August hatte das überparteiliche Bündnis Brückenfreunde Plaue-Kirchmöser zum zehnten Geburtstag der die Ortsteile verbindenden Seegartenbrücke ein großes Volksfest am Klubhaus organisiert und zuvor das gesamte parkähnliche Umfeld in Ordnung gebracht. Viele Hundert Menschen waren gekommen und haben Erinnerungen zu früheren Erlebnissen in dem Kulturhaus ausgetauscht. Auch die ursprünglichen Pro-Seega-Gründer waren eingeladen. „Ich hätte dabei zur Vorsicht geraten, auch wenn die Initiative von Carsten Eichmüller und Tobias Dietrich toll war“, sagt Scheller. Denn Monate nach Verkauf hatten sie schon da nichts vorzuweisen.

Von André Wirsing

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