Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Kein Platz für Dorfkinder in Oberschulen

Brandenburg an der Havel Kein Platz für Dorfkinder in Oberschulen

Die Eltern von Schülern in Gollwitz und Wust sind angeschmiert. Weil sie so weit weg wohnen von den Schulen in Brandenburg/Havel. In den beiden Wunschschulen ist kein Platz für ihre Kinder. Sie sollen aufs Gymnasium gehen, oder ans andere Ende der Stadt fahren, nach Hohenstücken oder Kirchmöser. Oder auch nach Ziesar.

Voriger Artikel
Beruf Hundefrisörin: Kein Fell ist zu dick
Nächster Artikel
Stromausfall: Blitzeinschlag im Umspannwerk

Hohe Nachfrage in der Oberschule Nord. So wie die Nicolaischule musste sie Kinder ablehnen.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Die Eltern von Schulkindern in Gollwitz und Wust sind angeschmiert. Sie werden dafür bestraft, dass sie so weit weg wohnen von den Schulstandorten in Brandenburg/Havel. In den siebten Klassen der gewünschten beiden Oberschulen ist kein Platz für die Kinder der Ortsteile. Sie sollen entweder aufs Gymnasium gehen, oder ans andere Ende der Stadt fahren, nach Hohenstücken oder Kirchmöser. Oder auch nach Ziesar.

Das sogenannte Ü-7-Verfahren zum Übergang von den Grundschulen zu den weiterführenden Schulen läuft in diesem Jahr in der Havelstadt anders als in früheren Jahren. Manches davon ist ärgerlich, anderes kurios. Aus dem ganzen Kuriositätenkabinett hat die Brandenburger SPD-Stadtverordnete Nicole Näther, zugleich Ortsvorsteherin von Gollwitz, eine Anfrage an die Stadtverwaltung gefertigt. Das Rathaus wird die Fragen allerdings kaum ohne die Zuarbeit des Staatlichen Schulamtes antworten können.

Soweit der MAZ bekannt ist, wollen nicht alle Eltern, deren Schulwünsche in den vergangenen Wochen abgelehnt wurden, die Bescheide hinnehmen, sondern widersprechen. Die ganze Sache ist offenbar so heiß, dass das Staatliche Schulamt den Brandenburger Lehrern strikt verbietet, auch nur über unbestreitbare Tatsachen des Ü-7-Verfahrens Auskunft zu geben.

Differenzen von Wunsch und Wirklichkeit

Die drei Gymnasien in der Stadt erleben einen deutlichen Schülerrückgang in den künftigen siebten Klassen.

Das Von-Saldern-Gymnasium, an dem es sechszügige Jahrgänge gibt, wird nach den Sommerferien nur noch drei 7. Klassen eröffnen.

Die Stadtverordnete Nicole Näther fragt das Rathaus nach den Grundschulen und den Ortsteilen, die von den Ablehnungen der Oberschulen betroffen sind.

Wissen will die SPD-Frau, welche Differenzen es gibt zwischen den Prognosen der Schulentwicklungsplanung und den tatsächlichen Erst- und Zweitwunschschulen.

Die Verwaltungsspitze soll Stellung dazu nehmen, wie sie es findet, dass das Staatliche Schulamt Kinder der Stadt im Landkreis beschulen will.

Denn unbestreitbar sind die zwei zentralen Oberschulen zum nächsten Schuljahr so stark nachgefragt, dass die Schulleiter Kinder und Eltern abweisen mussten. Nicht einzelne, sondern viele. Die Oberschule Nord hat im Angesicht von 122 Aufnahmeanträgen für die 7. Klasse fast 30 Kinder abgelehnt. Ebenso viele Ablehnungen (29) sind es an der Nicolaischule bei 103 Anträgen.

Den Kürzeren ziehen bei der Auswahl Kinder und Eltern, die nicht innenstadtnah, sondern weiter weg wohnen von diesen beiden Schulen. Laut Schulgesetz sind Zu- oder Absagen – von Härtefällen abgesehen – abhängig von der Nähe der Wohnung zur Schule.

Jenseits der Stadtgrenzen

Wer in den östlichen Ortsteilen wohnt, soll sich nach Kirchmöser oder Hohenstücken orientieren, also noch weiter weg – oder sogar jenseits der Stadtgrenzen in Lehnin oder Ziesar sein Glück versuchen.

Wo es von der Eignung her möglich ist, da versucht die Landesbehörde die künftigen Siebtklässler umzuleiten aufs Gymnasium, auch wenn die Eltern ihr Kind auf eine Oberschule schicken möchten. Aber weil dort nun mal kein Platz für sie ist und die städtischen Gymnasien in diesem Jahr noch unterversorgt sind, empfiehlt das Staatliche Schulamt den Wechsel zur direkten Abiturlaufbahn.

Noch schweigt das Rathaus

Nicole Näther gewinnt, wie sie es ausdrückt, „den Eindruck, dass das Schulamt die Gymnasien voll kriegen will“. Die SPD-Politikerin ist entsetzt darüber, dass Eltern aus Gollwitz und Wust sowohl an der Erstwunsch- als auch an der Zweitwunschschule abgelehnt wurden. Nach ihrer Kenntnis habe es so etwas bezogen auf Oberschulen noch nicht gegeben.

Näther hält den bis 2020 geltenden Schulentwicklungsplan der Stadt, demzufolge der Ausbaugrad der Oberschul-Zügigkeit ausreichend ist, wegen der hohen Nachfrage für überholt und daher nachbesserungsbedürftig. Allerdings haben die Oberschulen Hohenstücken und Kirchmöser offenbar noch freie Plätze in ihren siebten Klassen.

Wegen des diesjährigen Übergangsmanagements von 6. zur 7. Klasse, wegen der genauen Faktenlage und der Benachteiligung der östlichen Ortsteile hat sich die MAZ an das Staatliche Schulamt gewandt. Antworten sind von dort bisher nicht gekommen. Das Brandenburger Rathaus will sich erst einen Überblick verschaffen, ehe es zu den Sachverhalten Stellung nimmt.

Von Jürgen Lauterbach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg