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Keine Angst vor großen Tieren

Reiten mit Handicap Keine Angst vor großen Tieren

Menschen mit Behinderungen müssen keine Angst vor großen Tieren haben. Im Reitstall von Cerstin Hille in Brielow lernen sie auf einem Pferd zu sitzen.

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Cerstin Hille (l.) und Dagmar Rogge führen die Pferde Rambo und Kanny im Schritt durch die Reithalle.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brielow. Wolfgang und Dietmar haben keine Angst vor großen Tieren. Mit strahlenden Gesichtern sitzen die Männer auf den Rücken ihrer Pferde. Rambo und Kanny sind erfahrene und geduldige Schulpferde, die von Cerstin Hille und Dagmar Rogge Runde um Runde durch die Reithalle des Brielower Pferdehofs geführt werden. Ein halbe Stunde lang erleben Wolfgang und Dietmar das Hochgefühl auf einem Pferd reiten zu dürfen. Für sie ist der Besuch in Brielow nicht nur eine Abwechslung im Alltag der Fliedner Wohn- und Werkstätten. Hoch zu Ross bekommt das Selbstbewusstsein neuen Auftrieb, lösen sich verkrampfte Muskeln, wird ein Tier zum Partner.

Schon seit vielen Jahren kommen Männer und Frauen mit Behinderungen zum Reiten nach Brielow. Wolfgang und Dietmar gehören zu den erfahrenen Gästen, die regelmäßig von ihrer Einrichtung zum Reiten geschickt werden. Über eine Rampe schaffen sie es aufzusitzen. Selbst für Rollstuhlfahrer ist es auf diese Weise möglich auf einen Pferderücken zu gelangen. Es gibt keinen Sattel. Nur eine Decke trennen Pferd und Reiter. Halt finden Wolfgang und Dietmar an den Griffen eines Voltigiergurtes. Fliedner-Betreuer Mathias Nitze sieht die positiven Effekte für seine Schützlinge: „Gleichgewicht, Atmung und Sensorik werden beim Reiten angesprochen. Nicht zu unterschätzen ist der Wohlfühleffekt auf dem warmen, bewegten Rücken.“

Das Reiten für Behinderte findet in der Regel in den Vormittagsstunden statt, wenn die vielen Reitschüler von Pferdehofbetreiberin Cerstin Hille noch in der Schule sitzen oder ihrer Arbeit nachgehen. „Es soll für Pferde und Reiter so wenig wie möglich Ablenkung geben“, sagt die 53-jährige Chefin des Reitstalls. Sie und ihre Mitarbeiterin führen die Pferde im Schritt durch die Halle. Das ist die beste Gangart, bei der die Reiter die dreidimensionale Bewegungen des Pferdebeckens mit eigenen Anstrengungen ausgleichen können.

Nach Brielow kommen sowohl organisierte Behindertengruppen von verschiedenen Trägern als auch Privatleute. Das Geld für die Reitstunden müssen die Gäste selbst aufbringen. Es gibt aber auch Einrichtungen, die für ihre Bewohner die Kosten übernehmen – wie zum Beispiel bei Wolfgang und Dietmar. Eine spezielle physiotherapeutische Maßnahme ist die so genannte Hippotherapie, die in Zusammenarbeit mit der Brielower Physio- und Hippotherapeutin Dörte van de Kamp auf dem Reiterhof zum Einsatz kommt. Angezeigt ist die Therapie insbesondere bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates sowie bei Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems.

Das Behindertenreiten ist für Cerstin Hille, die sich vor fast 15 Jahren mit dem Reitstall in der Hohenferchesarer Straße selbstständig machte, nur ein Baustein im Betriebskonzept. Reitschule und Kremserfahrten gehören ebenso dazu wie die Pensionspferdehaltung. Die Anlage, die sich im Besitz der benachbarten Pferdeklinik befindet, ist auch die Heimat des Reit-und Fahrvereins Beetzsee 93, wo Pferdesportler ihrem Hobby in der Gemeinschaft nachgehen.

 

Von Frank Bürstenbinder

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