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Kind ausgebüxt: Keine Anklage für Erzieher

Verfahren eingestellt Kind ausgebüxt: Keine Anklage für Erzieher

Taylor Joel ist im November aus seiner Kita in Hohenstücken (Brandenburg/Havel) unbemerkt ausgebüxt. Nun ist klar: Für die Erzieherinnen hat der Fall kein rechtliches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft in Potsdam erhebt keine Anklage – aus einem ganz bestimmten Grund.

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Die Kita Klein und Groß in der Gertraudenstraße in Brandenburg. Von dort verschwand unbemerkt im November der dreijährige Taylor Joel. Später entdeckte eine Kundin den Jungen in einem Supermarkt.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat im Fall des unbemerkten Ausbüxens eines dreijährigen Jungen aus der Kita Klein und Groß in Hohenstücken das Verfahren gegen drei Erzieherinnen wegen des Verdachts der Verletzung ihrer Aufsichtspflicht eingestellt. Das teilte Benedikt Welfens, Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, auf MAZ-Anfrage mit.

Der Straftatbestand der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sei „ein schwieriger Paragraf“, sagte Welfens. Danach muss die Fürsorgepflicht „gröblich“ verletzt worden sein. Das sei in diesem Fall nicht gegeben gewesen, sagte Welfens. Es müssten meist mehrere Handlungen über einen längeren Zeitraum oder aber ein besonders schwerwiegende Verletzung der Aufsichtspflicht vorzuwerfen sein.

700 Meter lange Odyssee für einen Dreijährigen


Taylor Joel war am 16. November vorigen Jahres unbemerkt aus seinem Kindergarten verschwunden und mutterseelenallein rund 700 Meter zu einem Supermarkt gelaufen. Taylors Kita liegt in der Gertraudenstraße, der Rewe-Markt, wo eine aufmerksame Kundin den Jungen schließlich entdeckte, am Tschirchdamm. Der Fall hat für großes Aufsehen gesorgt. Grund dafür war auch der Fakt, dass erst die Eltern das Verschwinden ihres Sohnes bemerkt hatten. Sie wollten ihn abholen und fanden ihn nicht. Zu diesem Zeitpunkt war das Verschwinden des Kindes noch gar keiner Erzieherin aufgefallen.

Ein fast ähnlicher Fall hat sich erst vor wenigen Wochen, am 26. April, zugetragen, ebenfalls in Hohenstücken. Dort überkletterten zwei drei Jahre alte Mädchen die Umzäunung der Kita Menschenskinder. Auch sie fand man glücklicherweise wohlbehalten in einem Supermarkt wieder, wie sie sich mit Bonbons, Würstchen und Brötchen eindecken wollten.

Zwei Paar Hausschuhe zuviel

Anders als beim kleinen Taylor Joel fiel es aber einer Erzieherin auf, dass die Kleinkinder fehlten. Sie bemerkte zwei Paar zurückgebliebene Hausschuhe an der Garderobe der Kleinkindgruppe und schlug Alarm. Die wohlbehalten wiedergefundenen Mädchen zeigten später Polizisten, wie sie binnen Sekunden über den Kitazaun klettern konnten.

In diesem Fall ermittelt die Polizei nach Angaben ihres Sprechers Oliver Bergholz noch. Staatsanwaltschaftssprecher Welfens vermutet viele dutzende ähnliche Fälle im Jahr deutschlandweit, wenn sich schon zwei ähnlich gelagerte Fälle in so naher Umgebung binnen weniger Monate zutragen könnten.

Von Marion von Imhoff

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