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Brandenburg/Havel Kinder auf Trab
Lokales Brandenburg/Havel Kinder auf Trab
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02:15 01.08.2015
Kinder lernen in den Sommerferien auf dem Mühlenberg-Reiterhof in Trechwitz Reiten. Quelle: Marion von Imhoff
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Trechwitz

Archie will nicht so wie der neunjährige Reiter es gerne möchte. Doch dann läuft Reitlehrerin Sandra Donn ein paar Schritte vor dem Tier durch den tiefen Sand der Reithalle und das 15-jährige Pony folgt ihr wie ein Hündchen und fällt dabei endlich in flotten Trab. Der Junge obendrauf sitzt entspannt auf der kleinen Decke. Um den Bauch des Ponys ist ein Gurt gespannt, an dem zwei Griffe befestigt sind. Das gibt Sicherheit.

20 Mädchen und sechs Jungen lernen derzeit auf dem Mühlenberg-Reiterhof in Trechwitz das Reiten. Einige können es schon gut, andere wissen nicht, wie sie überhaupt einen Pferderücken erklimmen sollen. Doch das macht nichts, notfalls gibt es eine kleine Kunststofftreppe, die zum Pferd hingeschoben wird.

Fast 50 Pferde auf dem Gelände

Unterstützung finden die Kinder in der 37-jährigen Reitlehrerin Sandra Donn aus Groß Kreutz. Für das seelische Wohl der Kinder und vier Mahlzeiten täglich für jeden der Gäste sorgt die gelernte Erzieherin Talke Wessels. Sie ist derzeit in Elternzeit und die Schwester des Reiterhof-Eigentümers Timo Wessels. Der Landwirt betreibt einen Familienbetrieb im benachbarten Damsdorf.

Reitlehrerin Sandra Donn mit einem Teilnehmer. Quelle: M. von Imhoff

Futtermeister und Mädchen für alles, „wie alle anderen auch“ ist Toni Eckert. Er versorgt die 24 hofeigenen Pferde und weitere 23 Stuten, Hengste und Wallache, deren Besitzer Boxen auf dem Hof gemietet haben. Damit leben auf dem über einem Hektar großen umzäunten Gelände fast 50 Pferde. Nicht inbegriffen in der Fläche sind die dazugehörigen Koppeln und Weiden.

In der Reithalle ziehen nun sechs Pferde samt ihrer jungen Reiter ihre Kreise. Vier Helfer stehen ihnen zur Seite. Das sind neben Sandra Donn drei Jugendliche, die schon selbst gut reiten können. Nötig ist deren Anwesenheit dringend: Es ist die Reitstunde der blutigen Anfänger.

26 Schützlinge aus der Region

Sechs Kegel stellt Sandra Donn mitten in die Halle, Archie und der Neunjährige reiten im Schritt und Slalom hindurch. Die anderen Pferde folgen. Draußen auf dem Parcours sind die Fortgeschrittenen allesamt im Trab unterwegs. Doch für die Anfänger, das weiß Sandra Donn, ist der geschützte Rahmen der Halle am besten. Der Blick ins Weite würde nur ablenken, vielleicht auch verunsichern.

Ferien auf dem Reiterhof

Landesweit existieren rund 600 Reiterhöfe. Gut 75 Prozent von ihnen bieten Reiterferien an. Die meisten jedoch nur für kleine Gruppen. Das sagte Mirjam Deponte, Projektleiterin Land- und Naturtourismus beim Verein Pro Agro, Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in Berlin-Brandenburg.

Reiterhöfe, die wie der Mühlenberg-Reiterhof Trechwitz 30 Kinder und mehr gleichzeitig aufnehmen können, gibt es nach Angaben von Pro Agro in der Mark Brandenburg rund 150.

Der Mühlenberg-Reiterhof Trechwitz bietet das ganze Jahr über Reiterferien und eine 24-Stunden-Betreuung für Kinder an.

Die 26 Schützlinge kommen überwiegend aus Potsdam, Brandenburg an der Havel und Berlin. Angelina Beutler ist sogar sogar aus Nordrhein-Westfalen angereist. Die 13-Jährige ist bereits zum zweiten Mal zu Gast auf dem Mühlenberg-Reiterhof.

Die meisten bleiben für eine Woche, einige wenige sogar für drei Wochen. Bei Vollpension lassen sich das die Eltern 310 Euro je Woche kosten. Die meisten Kinder schlafen in kleinen Ferienhäusern aus Holz zu zweit oder zu sechst in Doppelstockbetten. Eine Stunde vor der ersten Reitstunde herrschte noch dichtes Gedränge in einem der sonnengelb gestrichenen Nebengebäude. Dort liegen Speiseraum, Küche und die Bäder. 20 Brötchen und zwei selbst gebackene Brote, dazu 26 Joghurts und Käse, Schokoaufstrich, Kakao und Milch kommen jetzt auf die Frühstückstische. Schnell sind die Stühle und Bänke voll belegt.

Fünf Regeln auf dem Reiterhof

Wer gerade nicht reitet oder ein Pferd zu versorgen hat, tobt später durch das Gelände. „Ihr könnt hier alles machen, Ihr müsst Euch nur an die Regeln halten“, sagte Sandra Donn am Tag zuvor zu einem Brüderpaar aus Brandenburg an der Havel. Die staunten über ihre Freiheit.

Fünf Regeln herrschen auf dem Reiterhof: Nicht auf die Koppeln gehen und nicht in die Pferdeboxen. Nicht im Stroh spielen und nicht die Pferde auf eigene Faust füttern. „Und lächeln“, zitiert Sandra Donn Regel Nummer fünf.

Die Pflege der Tiere gehört natürlich dazu. Quelle: M. von Imhoff

Während zwei Jungen auf einem Sandhügel hartnäckig Lehmklumpen ausgraben, neigt sich die erste Reitstunde dem Ende.

Vom Pferd gefallen ist keines der Kinder. Anders wenige Tage zuvor, als ein Mädchen aus dem Sattel rutschte und sich das Handgelenk brach. Ob ein Kind motorisch geübt ist oder als Stadtkind bisher als einzige körperliche Herausforderung den Gang zum Supermarkt erlebte, merkt Sandra Donn schnell. Talke Wessels berichtet von Eltern, die ihren Achtjährigen abgaben, um einen Urlaub zu zweit zu verleben. „Der Junge war so umsorgt worden, der konnte nicht einmal alleine duschen.“ Ein anderes Kind fühlte sich auf dem großen Gelände nicht heimisch, vermisste sein Zuhause. Nur nachts in den kleinen Holzhäuschen fand es wieder Geborgenheit und Halt. Doch die allermeisten Kinder sind glücklich.

Künftig mehr Kapazitäten

Mehr aufnehmen können die Wessels nicht auf dem Reiterhof, den die Mutter Barbara Wessels vor 15 Jahren in einer leerstehenden Schweinemastanlage gegründet hat. Sie hat sich aus dem aktiven Geschäfts zurück gezogen, überlässt das Feld ihren Kindern. Die würden gerne expandieren und mehr Schlafplätze als die bestehenden 20 anbieten können. Aber eine Baugenehmigung dafür im Außengelände zu erhalten, ist schwierig. „Wir müssten dann auch eine professionell betriebene Küche eröffnen, um ausreichend Mahlzeiten anzubieten. Im Moment ist alles im Gleichgewicht“, sagt Talke Wessels.

Aber in wenigen Jahren bestehe schon der Wunsch, auf dem Reiterhof mehr Feriengäste aufnehmen zu können. Und eventuell die Altersgrenze anzuheben. Derzeit sind Sechsjährige unter den Reitschülern. Sandra Donn sagt dazu das: „Sich selbst anziehen und einen Knoten machen zu können, das ist schon die Voraussetzung für Reiterferien bei uns.“

Von Marion von Imhoff

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