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Kissenattacke: Sie hielt die Schreie nicht aus

Brandenburg an der Havel Kissenattacke: Sie hielt die Schreie nicht aus

Tragischer Vorfall in einem Pflegeheim in Brandenburg/Havel: Dort hatte eine Frau versucht, ihre demenzkranke Zimmernachbarin mit einem Kissen zu ersticken, weil diese Schreianfälle hatte. Nach der Kissenattacke bekam die Frau ein Einzelzimmer. Damit ist die Geschichte nicht zu Ende – ein Gericht musste sich nun mit dem Fall beschäftigen.

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Nicht immer passt das Zusammenleben von Doppelzimmer-Bewohnern in Pflegeeinrichtungen.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Erst nach einem jahrelangen Streit und schließlich einem Vergleich vor Gericht endete eine tragische Auseinandersetzung zwischen zwei Pflegeheimbewohnerinnen in Brandenburg an der Havel. Die Jüngere der beiden hatte versucht, ihre Zimmernachbarin mit einem Kissen zu ersticken. Der Grund: Die demenzkranke Frau hatte regelmäßig Schreianfälle, die ihre Mitbewohnerin am Schlafen hinderten.

Der Ausgangspunkt einer längeren juristischen Auseinandersetzung reicht zurück in das Jahr 2012. Zwei Frauen teilten seinerzeit ein Zimmer in einem Brandenburger Pflegeheim. Die eine der beiden war damals 76 Jahre alt, ihre an Demenz leidende Bettnachbarin 15 Jahre älter.

Krankheitsbedingt bekam die Ältere der beiden offenbar in regelmäßigen Abständen Schreianfälle, welche die Zimmernachbarin störten. Besonders an einem Abend, an dem die Jüngere wegen der ständigen lauten Klagen der anderen nicht einschlafen konnte. Weil sie es nicht mehr aushielt, wusste sie sich nicht mehr anders zu helfen, als ihr Kissen zu nehmen und auf das Gesicht der schreienden Frau zu drücken.

Eine Pflegerin betreut  eine Bewohnerin in einer   Pflegeeinrichtung

Eine Pflegerin betreut eine Bewohnerin in einer Pflegeeinrichtung. Nicht immer verstehen sich die Bewohner untereinander.

Quelle: dpa

Eine Pflegekraft bekam die Auseinandersetzung rechtzeitig mit und schritt ein, so dass der demenzkranken Bewohnerin keinen bleibenden Schaden erlitt. Für die Pflegeeinrichtung war damit klar, dass die beiden Frauen nicht längern in einem Zimmer untergebracht werden können und die schreiende Frau in ein Einzelzimmer verlegt werden muss. Nicht auszudenken, wenn ein solcher Vorfall fatale Folgen hätte.

Mit der Verlegung ins Einzelzimmer war das akute Problem zwar gelöst, doch ein neues Problem tat sich auf. Die Angehörigen vertraten die Ansicht, dass die Störung durch die alte Frau nicht so gravierend und die Verlegung ins Einzelzimmer somit nicht dringend notwendig war.

Jedenfalls wollten sie die höheren Kosten für das Einzelzimmer nicht bezahlen, der Heimbetreiber wollte andererseits nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Aus diesem Grund traten beide Seiten in einen zivilrechtlichen Streit vor dem Amtsgericht Brandenburg um die Frage, wer die Kosten tragen muss.

Der seinerzeit zuständige Amtsrichter erinnert sich an ein langes Verfahren, das erst im Jahr 2015 geendet habe. Geraume Zeit schien keine Einigung möglich und ein Urteil notwendig. Doch dann setzten sich die Rechtsanwälte des Pflegeheims und der Angehörigen doch noch einmal zusammen und suchten nach einer Lösung, ehe eine teure Begutachtung die Kosten des verfahrens weiter erhöht hätte.

Beide Seiten verständigten sich schließlich darauf, die Differenz der Kosten für das Einzelzimmer aufzuteilen. Erleichtert wurde der vor Gericht geschlossene Vergleich dadurch, dass die Angehörigen die geistig verwirrte Frau inzwischen in einem anderen Pflegeheim untergebracht hatten.

Der Heimaufsicht in Cottbus ist der geschilderte Einzelfall nicht bekannt geworden. Deren Sprecherin Petra Schmoger verweist auf hohe Anforderungen, die das Brandenburger Heimrecht an die Sicherung einer selbstbestimmten Lebensführung in Einrichtungen.

Die Behördensprecherin: „Für Einrichtungen, in denen Doppelzimmer vorgehalten werden, heißt das, dass grundsätzlich beide betroffene Personen mit dem Einzug in ein Doppelzimmer einverstanden sein müssen.“ Wer in Doppelzimmern wohnt, dem müsse nach dem Gesetz auf Wunsch ein freiwerdendes Einzelzimmer angeboten werden.

Die Pflegeeinrichtungen müssten dafür Sorge tragen, dass das Zusammenleben in Doppelzimmern in allen Aspekten des täglichen Lebens abgestimmt wird und die Privatsphäre geschützt bleibt.

Das ist manchmal leichter gesagt als getan. Der geschilderte Fall erreicht schon eine recht hohe Eskalationsstufe. Doch ungewöhnlich sind Konflikte unter Heimbewohnern nicht. Im Zuge der Recherche erfuhr die MAZ von einem anderen, nicht ganz so gravierenden Fall, in dem einer der beiden Bewohner eines Doppelzimmers nicht gleich am Anfang, sondern erst im Laufe der Zeit mit fortschreitender Krankheit aggressiv wurde und deshalb von seinem Bettnachbarn getrennt werden musste.

Von Jürgen Lauterbach

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