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Klangliches Kleinod in stürmischen Tagen

Brandenburg an der Havel Klangliches Kleinod in stürmischen Tagen

In der Geschichte des Jazz, Gospel und Soul gibt es seit jeher Menschen, die Musik als Ausdruck ihrer Religiosität und Spiritualität sehen und sie mit ihrem christlichen Glauben verbinden. Dieser Art der Musik im Flair einer Kirche beizuwohnen, kann auch besondere Erfahrungen in sich bergen – so auch jüngst in der Brandenburger Katharinenkirche.

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Pfarrer Jonas Börsel wird im Jazzgottesdienst von den Musikern der Band Nothing Toulouse in der Katharinenkirche begleitet.

Quelle: Torsten Gränzer

Brandenburg/H. In der Geschichte des Jazz, Gospel und Soul gibt es seit jeher Menschen, die Musik als Ausdruck ihrer Religiösität und Spiritualität sehen und sie mit ihrem christlichen Glauben verbinden. Sie kann dabei durchaus als Form menschlicher Gottsuche gedeutet werden, vor allem, wenn die Musiker ihre Kreativität als Teil eines größeren Ganzen verstehen, von dem sie ihre Inspiration erfahren.

Diese Art der Musik im besonderen Flair einer Kirche beizuwohnen, kann auch besondere Erfahrungen in sich bergen. So auch am vergangenen Sonntag in der Brandenburger Katharinenkirche. Dort haben die Brandenburger Band Nothing Toulouse und Pfarrer Jonas Börsel gemeinsam einen Jazzgottesdienst veranstaltet. Er war nun schon zum zweiten Mal der Abschluss des Jazzfestwochenendes.

„Wir ersetzen die Orgel durch die Instrumente der Band und spielen alte Melodien in neuem Gewand“, erklärte Jonas Börsel. „Jazz ist Musik, die auf der Suche nach Begegnungen ist, so wie wir im Gottesdienst.“ Jazz ist auch eine sich stetig entwickelnde Musik, die nur in einer sensiblen, achtsamen Gemeinschaft funktionieren kann. Die Band fand ihren Proberaum in der Gemeinde und spielt eine seichte, tief beruhigende Form des Jazzes, die, einmal darauf eingelassen, zum Kleinod in stürmischen Tagen werden kann.

Die Rhythmusgeber Matthias Kasparick am Kontrabass und Stefan Klipstein am Schlagzeug, begleitet von André Wlodarskis pianistischen Soundkombinationen, bilden das Fundament für eine, die Worte wundervoll formende, erhabene Stimme Sara Pipers. Lieder wie „Wo Menschen sich vergessen“ passen gut in Pfarrer Börsels Konzept. In seiner Predigt, in der er Klimawandel, Naturkatastrophen und soziales Unrecht thematisiert und zur Einsicht und Umkehr mahnt, schlägt er eine gekonnte Brücke zur Bebauung des Packhofs, auf dem er „in einer Stadt voller Geschäftigkeit“ paradiesische Zustände sieht.

„Menschen sind auf der Suche nach geschützten Bereichen, in denen sie zur Ruhe kommen, Frieden und Freiheit spüren und im Einklang mit der Natur leben können“, sagte der Geistliche. „Paradiese entstehen, wenn wir uns anderen zuwenden und unser Glück nicht für uns allein, sondern in der Gemeinschaft finden“, so Börsel weiter. „Wahre Paradiese gibt es nur in Begegnungen. Sie sind allen geöffnet, frei von Zwängen und Normen.“

Es sind Gedanken, die sich auch Nichtchristen erschließen und ein treffendes Plädoyer für eine Lebensberechtigung aller Menschen darstellen. In der Taufe des kleinen Hardin-Maximilian während des Gottesdienstes zeigt sich ein weiterer Grund, an eine lebensfreundliche Zukunft zu glauben und an ihr zu arbeiten. Ein besserer Song im Anschluss an das Ritual als Louis Armstrongs „What a wonderful world“, in dem das gefühlvolle Saxophonspiel Christoph Borners zur Geltung kommt, hätte kaum gewählt werden könnnen.

Eine Welt des Wesentlichen, der Begegnungen und einer Entfaltung, die nicht auf Zerstörung, sondern auf bewusstes Leben baut, könnte eine wirklich wundervolle sein. Ein nachdenklicher und würdevoller Abschluss des Jazzfestes war dieser Gottesdienst allemal.

Von Torsten Gränzer

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