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Brandenburg/Havel Klartext reden, authentisch bleiben
Lokales Brandenburg/Havel Klartext reden, authentisch bleiben
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00:26 12.09.2015
Margot Käßmann signiert eins ihrer Bücher für ihre begeisterte Leserin Anne Schubert aus Brandenburg. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Branenburg an der Havel

„Tritt fest auf. Mach’s Maul auf. Hör bald auf“, lautet ein Luther-Zitat, das sich Margot Käßmann zu eigen gemacht hat. Vielleicht ist das ein Grund, dass die Kirchenfrau überall, wo sie auftritt, Säle füllt, wie sie am Dienstagabend in Brandenburg wieder bewiesen hat. Als sie dort einen Vortrag hielt, war der Dom bis auf den letzten Platz gefüllt. Käßmann hat Charisma und auch Humor. Sie kann fantastisch Klartext reden und das in einer Sprache, die jeder versteht. Vor allem wirkt sie authentisch. Sie steht zu ihrem Wort, auch wenn es schon mehr als fünf Jahre her ist, dass sie es gesagt hat, wie beispielsweise ihr Ausspruch „Nichts ist gut in Afghanistan“, der seinerzeit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat.

Ob sie das heute noch genauso sagen würde, fragt ein Zuhörer. Auch wenn ihr Ausspruch damals nicht gegen die Soldaten der Bundeswehr im Afghanistan-Einsatz gerichtet gewesen sei, so habe ihr doch nie eingeleuchtet, wie man mit Waffen Frieden schaffen kann“, antwortet Käßmann und erntet donnernden Applaus. Seit 2012 ist sie „Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum 2017.“ In dieser Funktion ist sie nach Brandenburg gekommen und hat in einem durchaus launigen Vortrag in großen Zügen beschrieben, welche Herausforderungen evangelische Christen heutzutage bewältigen müssen und was dies für die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation bedeutet.

Würdigung Luthers

Käßmann würdigte die Lebensleistung von Martin Luther. Aber die Reformation sei nicht allein sein Werk gewesen, sondern eine breite Bewegung. Sie erinnert an Namen wie Kopernikus, Zwingli, Calvin oder Morus. Mit seiner Bibelübersetzung in die deutsche Sprache habe Luther den Menschen den Glauben nahe gebracht. Er habe ihnen dabei nicht nach dem Munde geredet, sondern dem Volk auf’s Maul geschaut. Auch heute käme es darauf an, so zu sprechen, dass die Menschen verstehen, dass es um sie selbst geht.

Das Reformationsjubiläum werde eine ökumenische Dimension haben, erläutert Käßmann. In Wittenberg sei 2017 eine Weltausstellung geplant und es werde einen Dialogbereich geben, wo Juden, Christen und Muslime Gespräche führen können. Ansonsten solle das Jubiläum Anlass sein für die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Glaubens in unserer Zeit. Um Bildungsgerechtigkeit gehe es dabei und um selbstständiges Denken und Handeln, es gehe um Freiheit und darum, dass man sie überhaupt wagen kann. Soziale Verantwortung sei gefragt und Solidarität. Und schließlich brauche das Evangelium Humor. Sie habe kürzlich irendwo Luther-Socken entdeckt mit dem Spruch: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“

Luther war auch Judenhasser

Einen Martin-Luther-Kult werde es nicht geben. Das wäre auch problematisch, denn 2017 wird das erste Reformationsjubiläum nach dem Holocaust gefeiert. Bekanntlich hatte Luther in seinen späten Lebensjahren einen massiven Judenhass entwickelt, „Von den Juden und ihren Lügen“ schreibt er 1543 und ruft darin zur Vertreibung und Vernichtung der Juden auf. Damit haben die Nazis noch 400 Jahre später die Judenvernichtung gerechtfertigt. Diese Tatsache gehöre auch zum Bild von Martin Luther, das müsse man einfach akzeptieren, sagt Käßmann, als ein Zuhörer Luthers Judenhass mit Differenzen im Glauben der Juden und Christen relativieren will.

Von Ann Brünink

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