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Klaus Mettig kehrt nach Brandenburg zurück

Braki-Junge meldet sich Klaus Mettig kehrt nach Brandenburg zurück

Der weltweit reisende Fotograf Klaus Mettig, der in der MAZ als Braki-Junge Schlagzeilen machte, kann sich ein künstlerisches Engagement in seiner Geburtsstadt Brandenburg gut vorstellen. Und zwar mit Aufnahmen seines Vaters, der in den 1950er-Jahren ein begehrter Industriefotograf war. Eine Idee für den Ausstellungsort gibt es schon.

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Klaus Mettig wuchs bis 1958 in Plaue auf. Seit Jahrzehnten lebt der Fotograf und Multimedia-Künstler in Düsseldorf.

Quelle: © Klaus Mettig VG Bild-Kunst

Brandenburg/H. Klaus Mettig hat sich gemeldet. Mehrere Wochen hielt sich der weltweit tätige Fotograf in Kuba auf. Die Casa Museo Oswaldo Guayasamin in Havanna zeigte bis diesen Sonnabend einen umfangreichen Überblick über seine künstlerische Arbeit. Zur selben Zeit war Mettigs Ehefrau Katharina Sieverding in der Fototeca de Cuba ebenfalls in Havanna mit einer eigenen Ausstellung vertreten. Mittendrin sickerte auch bis zur Zuckerrohrinsel die MAZ-Geschichte vom unbekannten Braki-Jungen durch, der sich nach einiger Recherche als Sohn des Plauer Fotografen Lothar Gabriel entpuppte. Der Name des schnieken Kindermodels von 1958: Klaus Mettig.

Ein direkter Kontakt zur Redaktion kam zunächst nicht zustande. „Mit dem Internet war es in Kuba schwierig. Deshalb habe ich es irgendwann aufgegeben“, berichtet Mettig, der inzwischen wieder in seinem Wohnort Düsseldorf eingetroffen ist. An die vor 60 Jahren entstandenen Aufnahmen am Salzhofufer und der Johanniskirche, auf denen er als achtjähriger Junge in der Oberbekleidung des Brandenburger Herstellers Braki posiert, kann sich der längst berühmte Multimedia-Künstler noch gut erinnern. Amüsiert und erfreut habe er die Geschichte von den unerwartet aufgetauchten Messekatalogen gelesen. Die Bilder habe er nicht vergessen, sagte Mettig der MAZ.

Klaus Mettig als Achtjähriger in Braki-Kleidung am Salzhofufer in Brandenburg

Klaus Mettig als Achtjähriger in Braki-Kleidung am Salzhofufer in Brandenburg.

Quelle: REPRO/JACQUELINE STEINER

„Ich war das bevorzugte Model meines Vaters. Als Lohn gab es eine Tafel Schokolode. Es gab Phasen, wo es mir zu viel wurde. Aber so war nun mal die Arbeitsteilung in unserer Familie“, sagte Mettig der MAZ. Dass er selbst ein überaus erfolgreicher Fotograf wurde, muss ihm in die Wiege gelegt worden sein. Sein Vater Lothar Gabriel führte im Plauer Patendamm ein privates Fotostudio, wo die Mutter im Labor stand. Dann gab es noch einen Onkel Walter Gabriel, der ebenfalls selbstständiger Fotograf in Plaue war.

Zwar lebt Mettig seit vielen Jahrzehnten in Düsseldorf, doch pflegt der Braki-Junge von einst bis heute familiäre Beziehungen nach Plaue. Angeregt von der jüngsten Berichterstattung kann sich der Fotograf sehr gut ein künstlerisches Engagement in seiner Geburtsstadt vorstellen. Und zwar mit dem fotografischen Erbe seines Vaters, der in den 1950er-Jahren viele Aufnahmen vom Stahl- und Walzwerk und den Menschen in der Aufbauzeit machte. „Ein ganz großer Teil des Negativbestandes ist in meinem Besitz. Da sind sicher noch etliche Schätze aus der Brandenburger Zeit zu heben“, findet Mettig.

Denkbar wäre eine Retrospektive mit Fotografien von Lothar Gabriel im Industriemuseum, das sein Sohn bisher noch nicht persönlich kennengelernt hat. Das soll sich 2018 ändern. Auf einer seiner nächsten Fahrten nach Berlin, wo seine Kinder leben, will Mettig einen Abstecher ins alte Stahlwerk unternehmen. Bei einem Treffen mit Museumsleiter Marius Krohn soll zunächst ausgelotet werden, welche Möglichkeiten eines gemeinsamen Projektes denkbar wären.

Auch im Braki-Katalog

Auch im Braki-Katalog: Als Knaben-Model vor dem Wagen seines Vaters.

Quelle: REPRO/JACQUELINE STEINER

Dazu muss man wissen, dass Lothar Gabriel zu seiner Zeit nicht irgendein Fotograf war. „Er gehörte zu den gefragtesten Industriefotografen und besaß als einer der ganz wenigen seiner Zunft ein eigenes Farblabor in Zusammenarbeit mit Agfa Wolfen. Er drehte erste Filme und fuhr einen Pobeda“, weiß Klaus Mettig noch. Begonnen hatte die Karriere seines Vaters als Garnisonsfotograf für die Rote Armee.

Sämtliche zu seiner Zeit in Brandenburg an der Havel stationierten Soldaten wurden von Lothar Gabriel abgelichtet. Für den internen Dienstgebrauch und als Gruß an die Lieben in der fernen Heimat. Dieser Fundus von tausenden Negativen existiert leider nicht mehr. Bevor Lothar Gabriel mit seiner Familie 1958 nach Westdeutschland übersiedelte, wurde der Bestand vernichtet.

Dass dieser vergessene Teil Brandenburger Geschichte an die Öffentlichkeit gelangte, ist dem Kultur- und Heimatverein Ziesar zu verdanken, der seit Herbst in seinem Heimatmuseum eine Sonderausstellung über den bis 1991 existierenden Braki-Betriebsteil zeigt.

Von Frank Bürstenbinder

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