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Brandenburg/Havel Klezmer in der Plauer Kirche
Lokales Brandenburg/Havel Klezmer in der Plauer Kirche
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20:07 25.04.2016
Die fünf Musiker Beate Robie, Gesang und Percussion; Susanne Pudig, Klarinette; Tatyana Rogovskaya, Violine; Hermann Schink, Gitarre und Ferenc Hejjas, Kontrabass und Mandoline Quelle: Privat
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Plaue

Fünf Musiker – drei Frauen und zwei Männer – eint das Interesse an der Welt der Shtetl. Warum? Über ihre Gründe sagen sie nichts. Sie haben viel recherchiert. Haben Texte entdeckt von verschiedenen Schriftstellern, die in einem Shtetl gelebt haben. Auch entsprechende Musik haben sie gefunden. Sie haben Texte und Musikstücke zusammengestellt. Entstanden ist ein prall-bunter Bilderbogen, der eine Welt erlebbar macht, die unwiderruflich untergegangen ist.

„Eine literarisch-musikalische Reise in die Welt der Shtetl“ haben Beate Robie, Gesang und Percussion; Susanne Pudig, Klarinette; Tatyana Rogovskaya, Violine; Hermann Schink, Gitarre und Ferenc Hejjas, Kontrabass und Mandoline, ihr Programm genannt. Am Samstagabend waren sie damit zu Gast in der kleinen Dorfkirche zu Plaue. Mit verteilten Rollen haben sie die Texte von Autoren wie Joseph Roth und Manès Sperber vorgetragen und dazu Klezmer-Musik gespielt, die mal traurig und mal übermütigwar.

Die Shtetl, die es teilweise seit dem 12. Jahrhundert in Osteuropa gab, seien nicht zu verwechseln mit jüdischen Ghettos oder Enklaven, erklärt Beate Robie. Es handelte sich um autonome Gemeinschaften, deren Bewohner sich nicht versteckten und die auch gar nicht anders sein und leben wollten. Obwohl die Shtetl-Bewohner in aller Regel bitterlich arm waren und mit ihren Familien in kleinen Holzhäusern ohne Licht, Heizung und Kanalisation wohnten, waren sie geistig und geistlich hoch entwickelt – oftmals in krassem Gegensatz zu den Bewohnern umliegender Städte und Dörfer, die zumeist Analphabeten und den Juden feindlich gesinnt waren.

Die Bildung, die die kleinen jüdischen Jungen im Shtetl von frühen Kindesbeinen an erfuhren, war mehr erlitten als erlernt. Ihre Lehrer waren nämlich oft ausgesprochen grausam und tyrannisch und prügelten auf die Kinder so brutal ein, dass der Verlust eines Auges oder Ohrs relativ häufig vorkam.

In einem Shtetl mit etwa 18000 Einwohnern gab es nur eine Synagoge, aber 40 Bethäuser. Die Juden lebten konsequent ihren Glauben, beteten sechs Mal am Tag und hielten die Fest- und Feiertage getreulich ein. Von morgens fünf Uhr bis nachts um 12 Uhr studierten die jüdischen Gelehrten die Schriften in den Bethäusern. Die Männer hielten sich nach dem Beten gerne noch länger im Bethaus auf, unterhielten sich, sangen und tranken. Das Bethaus war für sie so etwas wie eine Wohnstube. Hier fühlten sie sich wohl, waren sozusagen beim lieben Gott zuhause.

Herrliche Geschichten gibt es vom Schnorrer zu erzählen. Das war ein bettelarmer Mann, der von Shtetl zu Shtetl wanderte und in jedem Haus gern gesehen war, war er doch Witzbold, Sänger, Schachspieler. Er erzählte Neuigleiten und Witze, die bei den Juden sehr beliebt waren. Allerdings soll er auch oft gelogen haben. Er blieb nie länger als einen Tag als Gast in einem Haus, selten länger als eine Woche in einem Shtetl.

Gesungen wurde im Shtetl fast immer und überall. Der Gesang war Teil des Lebens. Der Jude singt, wenn er hungrig ist. Er singt, wenn er traurig ist. Und er singt, wenn er Hochzeit feiert. Das jüdische Volkslied hat sich ständig erneuert. Dass der Gesang auch beim Überleben helfen kann, hat der Schriftsteller Manès Sperber erfahren, als er im Nazi-Knast saß, wo er die Lieder seiner Kindheit gesungen hat.

Die Shtetl sind restlos verschwunden, Doch sie leben weiter in Geschichten und in der Erinnerung.

Von Ann Brünink

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