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Kluge Fragen zum historischen Bauhandwerk

Archäotechnica Kluge Fragen zum historischen Bauhandwerk

Am Wochenende lockte die „Archäotechnica“ in den Hof des Pauliklosters in Brandenburg an der Havel. Bereits zum siebten Mal lud das Archäologische Landesmuseum Brandenburg zu dieser Veranstaltung ein. In diesem Sommer unter dem Motto „5000 Jahre Bauhandwerk“ – rund 1000 Besucher kamen, die Veranstalter sind glücklich.

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Frank Odebrecht ist überzeugt, dass das Schmiedehandwerk nicht ausstirbt.

Quelle: Einbrodt

Brandenburg/H. „Das alte Schmiedehandwerk stirbt nicht aus. Unser Werkzeug wird überall gebraucht. Die Beile aus Eisen zum Beispiel“, sagte Frank Odebrecht und verwies auf die Zimmerleute gegenüber. Odebrechts Feldschmiede des 18. Jahrhunderts war am Wochenende bei der „Archäotechnica“ im Hof des Pauliklosters anzuschauen. Bereits zum siebten Mal lud das Archäologische Landesmuseum Brandenburg zu dieser Veranstaltung ein. In diesem Sommer unter dem Motto „5000 Jahre Bauhandwerk“.

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Die Archäotechnica im Archäologischen Landesmuseum fördert das Verständnis für die Entwicklung vom ersten Steinwerkzeug zur heutigen Gesellschaft. Sie präsentierte an zwei Tagen die Facetten handwerklicher und technischer Methoden. Am letzten Wochenende drehte sich diesmal alles um das Thema Bauhandwerk quer durch die Jahrtausende.

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Neben Vorträgen, wie mit Hilfe neuer Technologien alte Bauweisen wiederbelebt werden können, setzten die Organisatoren des Museums in bewährter Art und Weise vor allem auf praktische Vorführungen und Anleitung zum Mitmachen. Etwa 1000 schauten an beiden Tagen zu und probierten aus, stellten den Fachleuten viele kluge Fragen. Das Interesse, quer durch die Jahrtausende Techniken kennenzulernen, war groß – angefangen bei steinzeitlichen Holzbrunnen, Dachschindeln aus der Eisenzeit oder der Ziegelherstellung im Mittelalter.

Publikumsmagnet auf dem Hof, das war nicht zu übersehen, war ein hochmittelalterlicher Tretradkran. Anschaulich war auf Skizzen dessen Entwicklung nachzuvollziehen: Ein einfacher handgekurbelter Flaschenzug löste das Laufrad ab und konnte so schon bald sechs Tonnen heben. Diese Art, das alte Bauhandwerk technisch verstehen zu lernen, gefiel Kindern und Erwachsenen. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Besucher gern wiederkommen. Annett Sommer mit Sohn Niklas war bereits zum dritten Mal aus Potsdam angereist. Der Siebenjährige unterhielt sich nicht nur mit Jenifer Klein vom Ziegeleipark Mildenberg, sondern durfte selbst „matschen“ und formen, während die Fachfrau geduldig die Fragen der Erwachsenen beantwortete: „Der Unterschied zwischen Lehm und Ton? Letzterer ist feiner in der Konsistenz. Man findet ihn in dieser Region. Rund um Brandenburg gab es viele Ziegeleien.“

Andreas und Kerstin Kirmse demonstrierten in ihrer Pelzkleidung stilecht die Verlegung eines eiszeitlichen Schieferpflasters. Kerstin Kirmse findet es gut, dass in jedem Jahr ein Schwerpunktthema ausgewählt wird. Sie staunte immer wieder, wie viel sich die Kinder aus den Vorjahren gemerkt hatten und war bereits am Sonnabendnachmittag heiser.

„Ich habe die ganze Zeit geredet, so viele neue Fragen“, freute sie sich. Die Atmosphäre bei der „Archäotechnica“ gefiel auch Anne Tempelmann, die mittelalterliche Steinmetztechnik vorführte. Und das so gründlich, dass ihr die Haube ab und zu vom Kopf rutschte. Die Steinmetzmeisterin, die aus dem Dombau kommt, lacht: „Das ist eben echte Arbeit.“ Hart und manchmal auch ganz schön heiß kann diese sein, wie gleich nebenan von Michael Engel in der mittelalterlichen Schmiede demonstriert wurde. Das glühendrote Eisen faszinierte vor allem die Kinder, als der Schmied zeigte, wie ein großer Nagel entsteht.

„Schmiede- und Zimmererarbeiten oder die Herstellung von Lehmwänden an einem Geflecht - das alles sind für die Region Brandenburg noch heute unverzichtbare Handwerke. Vor allem in der Denkmalpflege ist das nicht zu übersehen“, sagte der Direktor des Archäologischen Landesmuseums Franz Schopper, den man meistens mittendrin im Kreis der staunenden, neugierigen Zuschauer fand.

Horst Gericke zog es wie jedes Jahr zu den Herstellern von Holzschindeln.

30 Jahre arbeitete der selbstständige Dachdeckermeister in Brandenburg an der Havel. Zum Paulikloster hat er eine besondere Beziehung. Hier wurde er getauft, hier heiratete seine Tochter. Und vor allem: Hier reparierte er das Dach des altehrwürdigen Gemäuers. Wenn er besondere Dachschindeln sieht, gerät der Fachmann immer noch ins Schwärmen.

Die alten Bauhandwerkstechniken werden nicht aussterben. Das Interesse der Besucher der „Archäotechnica“ und das Können vieler Fachleute belegten das am Wochenende im Paulikloster anschaulich.

Von Brigitte Einbrodt

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