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Alltagspoesie von Wiesenhütter und Friedrich

Konzert in der Meßdunker Kirche Alltagspoesie von Wiesenhütter und Friedrich

Zwei zartbesaitete Jungs aus Oberschöneweide sind Matthias Wiesenhütter und Dirk Friedrich. Mit ihren Alltagspoesien auf der Gitarre verzaubern sie das Publikum an diesem Sommerabend in der alten Kirche. Sie singen von der Liebe und dem Älterwerden und geben Rätsel auf mit ihrem Song vom Herrenhemd.

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Matthias Wiesenhütter (l.) und Dirk Friedrich beim Konzert in der Meßdunker Kirche.

Quelle: Foto: Volkmar Maloszyk

Meßdunk. Zwei zartbesaitete Jungs aus Oberschöneweide „Wir sind die Köpenicker Antwort auf Cindy und Bert“, witzeln Wiesenhütter und Friedrich beim Konzert in Meßdunk, „Oberschöneweide ist der schönste Ort der Welt“, erzählen zwei Berliner Gitarristen an diesem heißen Sommerabend in Meßdunk. Matthias Wiesenhütter, der Lederhosenmann mit kunterbunt bedrucktem Hemd, der sonst Hut, doch in der Kirche ehrfürchtig „Platte“ trägt, stellt sich als der künstlerische Leiter des Duos vor. Neben ihm sitze der sonst „für Erotik zuständige“ Dirk Friedrich, der diese Rolle wegen der Schramme am Knie nun nicht übernehmen könne, erklärt er. Friedrich, der mit seinen dunklen, nach hinten gekämmten Haaren und dem weit geöffneten weißen Hemd ein wenig an einen Macho-Typ erinnert, scheint alles andere als das zu sein. Und genau mit dieser Art Widersprüchen spielen die beiden Musiker.

Zwei große, kräftige Männer, die in berlinerischer Mundart rumfrotzeln, schlagen ganz zarte Töne an. Was der eine zupfend beginnt, vollendet der andere und selbst die Stimmen scheinen sich nicht nur zu ergänzen, sondern beinahe zu verschmelzen, wenn sie von ihrer Heimat singen: „Wo auf dem gelben Schild vom Ort, Oberschöneweide steht“ oder „Wie schön sein Land ist, weiß man immer erst, wenn man kentert auf hoher See“.

Es sind beeindruckend klar gesungene Texte, die jeder versteht und die von Liebe, dem Alltag, vom Leben oder dem Älterwerden handeln. Melancholisch nachdenkliche Töne, die sie mit ihren witzigen Sprüchen auflockern. Vom Berliner Flughafendesaster bis zur Bankenpleite reichen ihre satirischen Bemerkungen und immer wieder nehmen sie sich selber Maß, bis sie dann wieder singend und Gitarre spielend zu einer harmonischen Einheit werden.

Auch die Politik ist Inhalt ihrer Texte, doch so richtig tief erlebten die etwa 50 Gäste am Sonnabend in Meßdunk den wunderbaren, rein instrumentalen „Herbsttag“.

„Stellen Sie sich leichten Nieselregen vor“, forderte Wiesenhütter das Publikum auf, „Dirk macht den Sturm. Er will ja auch mal bei einem Solo mitspielen“.

Ach ja, mehr davon, wünschte man sich. Das könnten sich die beiden faszinierenden Musiker des öfteren trauen. Denn wenn auch das viele Gewitzele zwischendurch Nähe und Sympathie aufbaut, ziehen vor allem das Gitarrenspiel und der Gesang das Publikum wirklich in den Bann. Da machen auch witzige Titel Spaß wie: „Hey, hey, hey, das Leben ist schön, alles Warten ok“. Es ist der Angler-Song schlechthin. „Zander, Plötze, Hecht und Schleie, Karausche und auch Bleie“. Nein, Aal, singen die beiden Berliner, nichts schmeckt besser zum Abendmahl.

Ja, lachen tut gut, zwischen Texten wie „Hab meine Leichtigkeit verlorn“ oder „Hättste mal gleich gelebt“. Dieses Gleichgewicht halten die beiden Männer, die man immer mehr ins Herz schließt, in ihrem fast zweistündigen Programm ganz gekonnt.

„Ein trauriges Lied“, kündigt Matthias Wiesenhütter den nächsten Song an. „Ein Liebenslied“ kontert Friedrich und singt mit seiner so sinnlich sanften und nahen Stimme: „Wenn Du nicht da bist...“.Doch, Wiesenhütter hat recht. Das ist traurig. Nein schön. Nein, es ist doch traurig. Oder kitschig schön? Ach ja, einfach ein schönes Liebeslied.

„Aba vom Angeln hat er keene Ahnung“, spottet Wiesenhütter darauf und beide verabschieden sich mit einer vom Publikum eingeforderten Zugabe: „Ich bin die Aphrodite, mein Schwert heißt Pheromon“ und am Ende ergänzen lachende und singende Gäste den Songtext: „Aber bitte mit Liebe“.

Von Ina Schidlowski

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